Polizei Harburg

Großeinsatz im Norden gegen Einbrecherbanden

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Tobias Johanning
Am Donnerstagabend hat die Polizei im Landkreis Harburg an zwei Kontrollstellen Dutzende Autofahrer kontrolliert.

Am Donnerstagabend hat die Polizei im Landkreis Harburg an zwei Kontrollstellen Dutzende Autofahrer kontrolliert.

Foto: Joto

In Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein wurden gleichzeitig Dutzende Fahrzeuge kontrolliert. Was dahintersteckt.

Harburg. Im nördlichen Niedersachsen ist die Polizei am Donnerstagabend an mehreren Kontrollstationen gegen Einbrecherbanden vorgegangen. Auch in Hamburg und Schleswig-Holstein wurden gleichzeitig Dutzende Fahrzeuge kontrolliert. Mit der länderübergreifenden Maßnahme soll der Druck auf die Täter aufrechterhalten werden, der in den letzten Jahren durch mehrere Sonderkommissionen in den Bundesländern entstanden ist.

Die Zahlen aus den vergangen Jahr zeigen im Landkreis Harburg einen deutlichen Trend nach unten. Nur noch knapp 400 Mal versuchten Einbrecher 2020 in Häuser, Wohnungen und Firmen einzubrechen. Wie oft es den Tätern gelang, Wertsachen zu entwenden, geht aus der Kriminalstatistik nicht hervor. Damit wurden so wenige Taten wie zuletzt 2010 verzeichnet.

“Auch in diesem Jahr blieben die Zahlen bisher auf einem ähnlich niedrigen Niveau”, sagte Polizeisprecher Jan Krüger. Für eine der effektivsten Maßnahmen gegen Einbrecher hat zuletzt das Coronavirus gesorgt. Immer mehr Menschen arbeiten seit dem Ausbruch der Pandemie von zu Hause. Einbrecher vermeiden dagegen jeglichen Kontakt mit Menschen – so gut es geht.

Im Winter werden Einbrecher aktiv

Doch mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit steigen regelmäßig auch wieder die Einbruchszahlen. Deswegen postierten sich zum Start des Feierabendverkehrs 20 Polizisten an der Bundesstraße 3 und richteten eine Kontrollstelle auf einem Parkplatz nahe Elstorf ein. Dort lenkten sie mehr oder weniger zufällig ausgewählte Fahrzeuge in die Kontrolle.

Neben den obligatorischen Fragen wie nach dem Führerschein und dem Verbandskasten achteten die Beamten auch auf möglicherweise mitgeführtes Werkzeug, welches für Einbrüche genutzt werden könnte. Gleichzeitig gab es noch eine weitere Kontrollstelle an der ehemaligen Bundesstraße 75 in Nenndorf. Außerdem waren mehrere Beamte in Zivilfahrzeugen als mobile Kontrolleinheiten im gesamten Kreis unterwegs.

In Hamburg-Harburg gab es ein ähnliches Bild. Hier hatte sich die Polizei an der Bundesstraße 73 kurz vor der Autobahnauffahrt Heimfeld postiert. Bei der Überprüfung von zwei Autoinsassen stellten die Beamten einen Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz fest. Die beiden wurden zu weiteren Ermittlungen mit auf die Wache genommen.

Polizei kontrolliert 329 Autos in Harburg

Insgesamt 329 Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum Handwerkstransporter wurden am Abend im Landkreis Harburg überprüft. Dabei stellten Polizisten vor Ort direkt acht Straftaten fest. Darunter die Klassiker wie betrunkene Autofahrer oder Drogenverstöße. Einbrecher fuhren den Beamten nicht in die Kontrollstationen.
Für die Ermittler des Sachgebiets „Wohnhauseinbruchdiebstahl“ aus Lüneburg, die auch für den Landkreis Harburg zuständig sind, fängt die eigentliche Arbeit nach der Kontrolle erst richtig an. Sie werten die kontrollierten Fahrzeuge und Personen aus, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen.

Auch zwei Mitarbeiter des Landkreises waren bei den Kontrollen in Harburg dabei. Sie legten ein besonderes Augenmerk auf die Themen Geldwäsche und Schwarzarbeit. “Wir bekommen hier Leute zu sehen, die wir in ihren Firmen nie zu Gesicht bekommen, und die jegliche Anschreiben ignorieren”, sagte ein Mitarbeiter. Aus der Kontrolle könne man wichtige Erkenntnisse zum Beispiel zu Firmenstrukturen erhalten. So ist es auch bei einer Überprüfung eines Transporters mit Hamburger Kennzeichen.

Einbruch während Polizeikontrolle

Während die Polizei keine Beanstandungen hat, entwickelt sich für die Landkreismitarbeiter ein komplexer Fall. Zwei Männer, die aus Osteuropa stammen, sind als Subunternehmer für eine große Wohnungsbaugesellschaft unterwegs. So weit ist rechtlich erst einmal alles in Ordnung. Die Fragen liegen aber im Detail. Ist die Eintragungspflicht in der Handwerkskammer erfolgt? Wo liegt der Lebensmittelpunkt? Haben die nach eigenen Angaben selbstständigen Handwerker ihr Gewerbe ordnungsgemäß in Deutschland angemeldet oder müssen sie es gar nicht?

Diese Fragen konnten am Abend nicht mehr abschließend geklärt werden, sodass die Mitarbeiter des Landkreises weitere Recherchen anstellen müssen. Nach dem ersten Überblick könnte der Verstoß gegen die Eintragungspflicht in der Handwerkskammer vorliegen. Wird der Vorwurf nachgewiesen, können Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro folgen.

Noch während die Kontrollen liefen, kam es in zu einem versuchten Einbruch im Bereich Seevetal. Die Einbrecher konnten unerkannt entkommen.