Folgen der Corona-Pandemie

Abgesagt, verschoben – verzweifelt? Die Kultur in Not

| Lesedauer: 6 Minuten
Lena Thiele, Katy Krause und Rolf Zamponi
Veranstaltungen in der Konzertscheune des Kulturforums Lüneburg werden derzeit reihenweise verschoben.

Veranstaltungen in der Konzertscheune des Kulturforums Lüneburg werden derzeit reihenweise verschoben.

Foto: Kulturforum

Erneut fallen Veranstaltungen aus oder werden verschoben. Wie Kulturschaffende in der Region mit der Corona-Lage umgehen.

Lüneburg/Harburg/Buxtehude. Es geht schon wieder los. Die Mitteilungen aus der Region mit den Zeilen wie „leider muss das traditionelle Konzert oder der Liederabend in der Kirche oder der Kabarettauftritt im Forum ausfallen“ häufen sich. Aktueller Fall: das geplante Adventskonzert in Hanstedt in der St. Jakobikirche. Als Gründe geben die Organisatoren „wegen Erkrankung und aus Gründen der Sicherheit“ an. „Die teilnehmenden Chöre und Solisten sind sehr traurig, dass dieses stimmungsvolle Konzert nun nicht stattfinden kann.“

Auch der für den 15. Dezember vorgesehene und von manchen Fan herbeigesehnte Katja-Ebstein-Abend in der Buxtehuder St. Paulus Kirche fällt ins Wasser. „Aufgrund der anhaltenden Situation bezüglich des Coronavirus muss die Veranstaltung Gestern – Heute – Morgen abgesagt werden“, so der Veranstalter. In diesem Fall gibt es keinen Ersatztermin, Tickets können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden.

Im Lüneburger Kulturforum läuft die dritte und vierte Verschiebungswelle

In anderen Fällen hangeln sich die Veranstalter von Verschiebung zu Verschiebung. Die Internetseite des Lüneburger Kulturforums zeigt das ganze Ausmaß. Der für Freitag, 26. November, geplante Auftritt von Marc Weide in der Konzertscheune wird verschoben. Ersatztermin: Donnerstag, 10. März, 2022 . Dabei handelte es sich bereits um den Ersatztermin (11. Dezember 2020) des ursprünglichen Termins vom 26. April 2020. Ausgerechnet heißt der Titel auch noch „Kann man davon leben???“

Im Lüneburger Kulturforum gilt seit langem die 3G-Regel – von heute an wird entsprechend der neuen Landesverordnung auf 2G umgestellt. Von den 500 Plätzen sind jeweils höchsten 170 besetzt. In diesem Herbst standen zum Beispiel auch Linda Zervakis und das Bibi-Blocksberg-Musical auf dem Programm. Doch jetzt wird wieder vieles abgesagt oder verschoben. „Normalerweise kommt das vielleicht einmal im Jahr vor. Jetzt ist es Standard“, sagt Mathias Meyer, Vorstandssprecher des Vereins, der die Konzertscheune auf dem Gut Wienebüttel betreibt.

Kurzfristige Absagen von Veranstaltungen in an der Tagesordnung

So sollte Anfang 2020 der Kabarettist Alfons auftreten – nachdem der Termin wegen der Corona-Pandemie mehrfach verschoben werden musste, ist er nun für Anfang 2023 geplant. „Wir sind schon in der dritten und vierten Verschiebungswelle und die Gäste, die bereits Tickets haben, werden immer mitgeschoben“, so Meyer. „95 Prozent machen diesen Zirkus mit. Das ist ganz toll und hat mich selbst überrascht.“

Manchmal werde die Planänderung erst ein paar Tage vor dem Termin notwendig, normalerweise gebe es bei Absagen einen Vorlauf von etwas vier Wochen. Die Veranstalter versuchen dennoch, die Besucher immer so schnell wie möglich über Änderungen zu informieren. Schwierig ist dies bei Tickets, die in Papierform an Verkaufsstellen ausgegeben werden. Denn dann liegen keine Kontaktdaten der Käufer vor.

Für Veranstalter bedeuten Absagen viel Aufwand und Kosten

Meyer appelliert daher an Besucher von Kulturveranstaltungen, sich stets kurzfristig direkt auf der Internetseite des Veranstalters zu informieren. Das Hin und Her ist für den Verein mit großem organisatorischem Aufwand verbunden. „Wir müssen jedes mal ein Hotel für den Künstler buchen, die Technik organisieren und den Besuchern absagen“, sagt der Vorstandssprecher.

Da selbst in den vergangenen Monaten, als vieles wieder möglich war, nur etwa 30 Prozent der normalen Ticketzahl verkauft wurde, fehlen dem Verein wichtige Einnahmen. Dies konnte er jedoch weitgehend durch verschiedene Unterstützungsgelder ausgleichen. So hat das Kulturforum für das laufende Geschäft Überbrückungshilfe beantragt, mit Hilfe der Initiative Musik des Bundes konnten Künstler bezahlt werden und über den Bundesverband Soziokultur wurden Kosten für die Ausstattung beglichen.

Hygienekonzepte werden regelmäßig angepasst

Die Anträge für die Überbrückungshilfe zu stellen sei zwar sehr anstrengend gewesen und noch müssten sie die Verwendungsnachweise einreichen, sagt Meyer. „Im Großen und Ganzen haben die Gelder für Häuser wie uns aber ausgereicht.“ Für selbstständige Künstler sei die Situation deutlich schwieriger.

Trotz der Absagen von Kulturveranstaltungen wird das Kulturforum fast jeden Tag genutzt, da unter anderem auch der Lüneburger Stadtrat und der Kreistag in der großen Konzertscheune tagen. Das Hygienekonzept wird regelmäßig angepasst, so Meyer. Ansteckungen habe es seines Wissens nicht gegeben. Er rechnet damit, dass die aktuelle Welle der Pandemie bis ins kommende Jahr gehen wird. „Schwierig wird es in der Übergangsphase. Wenn die Förderung ausläuft und der Ticketverkauf noch nicht wieder richtig anläuft“, fürchtet Meyer.

Empore-Chef empfiehlt trotz 2G-Regelung, Maske zu tragen

In der Empore Buchholz gibt es dagegen derzeit keine Absagen. Der Hintergrund: In dem Veranstaltungszentrum gilt seit Anfang Oktober durchgängig eine 2G-Regelung. „Unter der Bedingung, dass nur Genesene und Geimpfte Eintritt haben, kann das Programm wie vorgesehen stattfinden“, sagt Geschäftsführer Onne Hennecke. „Wir empfehlen aber, eine Mund und Nasen-Bedeckung, um so das Infektionsrisiko weiter zu verringern.“

Eine neue Situation kann sich jedoch ergeben, wenn der Hospitalisierungswert über sechs steigt. Das bedeutet, dass sechs oder mehr Personen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen über mehrere Tage nacheinander in eine Krankenhaus aufgenommen werden müssen. „Dann würden wir auf die Regelung 2G-Plus wechseln“, so Hennecke. Damit würde für die Besucher dann ein tagesaktueller Corona-Test notwendig.