Corona-Pandemie

Warum im Asia-Restaurant ein Impfstandort entsteht

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Katy Krause, Rolf Zamponi
Menschen stehen in einer Warteschlange vor der vom Deutschen Roten Kreuz im Wildpark Schwarze Berge eingerichteten Impfstation an.

Menschen stehen in einer Warteschlange vor der vom Deutschen Roten Kreuz im Wildpark Schwarze Berge eingerichteten Impfstation an.

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Impftourismus aus Hamburg bei Tierpark-Aktion. Landkreis Harburg richtet kleine Anlaufstellen ein. Hier sollen sie entstehen.

Landkreis Harburg. Sie kamen teilweise sogar busweise zum Tierpark: Die Impfaktionen der mobilen Teams im Einsatz des Landkreises Harburg am Wochenende waren ein großer Erfolg. Lange Warteschlangen bildeten sich vor dem Natur-Erlebnis-Zentrum, dem Wildpark Schwarze Berge in Rosengarten-Vahrendorf.

Allerdings ging es den Wartenden oftmals gar nicht um die Natur, sondern um eine andere Form von Erlebnis: den an diesem Tag angebotenen Pieks und die damit verbundene Immunisierung gegen das allgegenwärtige Coronavirus. Auffällig war die hohe Zahl an Besuchern, die extra für die Impfung angereist waren und nicht wie von den Organisatoren ursprünglich gedacht, Tierparkbesucher, die den Familienausflug mit dem Nützlichen verbinden.

„Es wird jeder geimpft, wir schicken niemanden wieder weg“

Dabei handelt es sich ein stückweit um Impftourismus. Denn viele Wartenden besonders aus Hamburg wollten eine Booster-Impfung also eine Auffrischung ihrer Corona-Impfung. Während sich die Hansestadt an der STIKO-Empfehlung orientiert und erst die Gruppe ab 70 und besonders gefährdete Menschen zum nächsten Impftermin bittet, wird auf der anderen Seite der Landesgrenze geimpft, wer kommt.

„Unsere Leitlinie lautet: Es wird jeder geimpft, wir schicken niemanden wieder weg“, erklärt Andres Wulfes, Sprecher der Harburger Kreisverwaltung. Natürlich müssen nötige Unterlagen vorgewiesen werden und ein Mindestalter von 18 Jahren spielt noch eine Rolle. Aber ob jemand nun 50, 60 oder 70 Jahre alt ist, spielt im Landkreis keine Rolle. Und das macht sich bemerkbar.

„Es war der bislang erfolgreichste externe Einsatz eines mobilen DRK-Teams“, sagte Leiter Michael Thomas. Thomas lobte die Organisation des Parks Schwarze Berge bei Kommunikation, Hygienemaßnahmen und

Räumen sowie nicht zuletzt, dass Impfwillige keinen Eintritt bezahlen mussten. „Für sie wurde eine separate Spur eingerichtet.“

Die meisten Interessenten wollten ihre Impfung auffrischen lassen

Bei der Aktion im Wildpark Schwarze Berge ließen sich am Ende 336 Personen impfen, bei 72 Fällen handelte es sich laut Kreisverwaltung um eine Erstimpfung. Mit der parallel angebotenen Impfenaktion der Johanniter im Wildpark Lüneburger Heide konnten laut Kreisverwaltung 115 Impfwillige erreicht werden, 34 davon ließen sich erstmals pieksen. Weitere 135 Impfungen kamen dann noch bei einer Aktion anlässlich des Herbstmarktes der Landkäserei Fehling zusammen.

Dabei überwog die Zahl der Booster- die Erst- und Zweitimpfungen. „Bei uns kamen 60 Prozent der Menschen, um ihren Schutz auffrischen zu lassen“, berichtet Thomas. Bei den Johannitern im Wildpark Lüneburger Heide waren es mehr als 50 Prozent, so Sprecherin Sonja Schleutker-Franker. Dabei kam mancher Besucher eigens fürs Impfen und von weit her. Thomas und seine Kollgen hatten im Wildpark Schwarze Berge sogar Impfwillige aus der Landeshauptstadt. Aus Hannover war die Besatzung eines VW-Busses zum Boostern gekommen. Sie hatten sich offensichtlich für die Fahrt entschieden, weil sie damit rechneten zu Hause nicht an die Reihe zu kommen.

Zwei neue, kleinere Impfstützpunkte werden errichtet

Auch wenn die einzelnen Aktionen erfolgreich sind, so liegt die Impfquote im Landkreis Harburg immer noch hinter den Erwartungen und dem Bundesdurchschnitt von 67,5 Prozent zurück. Laut Kreissprecher Wulfes lag die Impfquote (Stichtag 11. November) bei 65,2 Prozent. 166.891 Personen aus dem Landkreis Harburg haben demnach eine vollständige Impfung. Gleichzeitig steigen die Infektionszahlen. Die Inzidenz liegt seit Tagen bei mehr als 100, am Montag gab das RKI den Wert mit 116,4 an. Die Landkreis Lüneburg und Stade liegen unter 100.

Um noch mehr Schwung in die Impfbewegung zu bekommen, setzt der Landkreis auf neue Impfspots. Nach der Schließung der Impfzentren in Buchholz und Winsen zum 30. September sollen nach Abendblatt-Informationen kleinere Impfstützpunkte eingerichtet werden.

Die Öffnungstermine der Stützpunkte stehen noch nicht fest

Das DRK hat am Montag die Räume des ehemaligen asiatischen Restaurants Hei Nun im Einkaufszentrum Löhnfeld geprüft und für „geeignet“ befunden. „Das Hei Nun steht seit Anfang des Jahres leer. Es ist für die Menschen optimal erreichbar und wir können dort Kabinen aufbauen“, sagte Jörn Jepsen, der ärztliche Leiter aller mobilen Impfteams im Landkreis Harburg. Zwar lässt sich der Öffnungstermin noch nicht genau nennen. Der Standort stehe aber fest. Das gilt auch für den künftigen Standort der Johanniter, wie Jepsen dem Abendblatt bestätigte.

Der Buchholzer Impfstützpunkt soll dabei in den Buchholzer Höfe eingerichtet werden. Dort betreiben die Helfer bereits ein Testzentrum. Wann der Stützpunkt seine Arbeit aufnimmt, ist auch in Buchholz noch offen. Landrat Rainer Rempe hatte allerdings schon vor der Schließung der beiden großen Impfzentren zum 30. September darauf verwiesen, dass er die beiden Standorte gern offen gehalten hätte.

Weitere Sonderaktionen sind geplant, etwa auf Weihnachtsmärkten

Gleichzeitig setzt der Landkreis Harburg weiter auf Sonderaktionen. Das Mobile Impfteam wird unter anderem Weihnachtsmärkte besuchen. Beispielsweise sind die Helfer vom DRK am Sonntag, 28. November, beim Seevetaler Weihnachtsmarkt der Kinderkrebshilfe vor Ort. Von 11 bis 17 Uhr impfen die Helfer in den Räumlichkeiten der Grundschule, Horster Landstraße 144. Auch beim Jesteburger Weihnachtsmarkt am Sonntag, 5. Dezember, von 12 bis 17 Uhr gibt es die Impfung zum Adventsbummel.