Alarm bei Landwirten

Geflügelpest ist zurück im Landkreis

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Gänse müssen wie anderes Geflügel auch jetzt wieder im Stall gehalten werden, es droht Geflügelpest.

Gänse müssen wie anderes Geflügel auch jetzt wieder im Stall gehalten werden, es droht Geflügelpest.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Bei drei Stockenten wurde die gefährliche Seuche festgestellt. Verwaltung erlässt Stallpflicht. Auch Stade betroffen.

Landkreis Harburg.  Ab Freitag dürfen Geflügelhalter in der Unterelbe-Niederung ihre Tiere nicht mehr im Freien halten. Die Kreisverwaltung hat eine Stallpflicht verordnet. In den vergangenen Wochen waren Fälle der Vogelgrippe oder Geflügelpest in mehreren Teilen Norddeutschlands festgestellt worden. Nun wurde auch bei drei im Rahmen des Monitorings geschossenen Stockenten im Landkreis Harburg der hoch ansteckende Virus-Typ H5N1 nachgewiesen.

Bei dem Bereich „Unterelbe-Niederung“ handelt es sich um ein sogenanntes avifaunistisch wertvolles Gebiet – das bedeutet, ein Gebiet, in dem Wildvögel bevorzugt rasten. „Das Zugverhalten der Vögel begünstigt die Übertragung und die Ausbreitung des Virus. Die Dichte der Vogelpopulationen in den Rastgebieten wird in den kommenden Wochen weiter stark zunehmen, da der Vogelzug erst begonnen hat“, erklärt Thorsten Völker, Leiter der Abteilung Ordnung und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung. „Oberste Priorität hat der Schutz des Geflügels vor der möglichen weiteren Verbreitung. Der Ausbruch der Geflügelpest kann immense wirtschaftliche Folgen für alle Geflügelhalter, Schlachtstätten und verarbeitende Industrien haben.“ Das im Landkreis Harburg von der Aufstallpflicht betroffene Gebiet umfasst die gesamte Samtgemeinde Elbmarsch sowie nördliche Teile der Stadt Winsen, der Gemeinde Stelle und der Gemeinde Seevetal.

Das Geflügel in der Elbmarsch und in Seevetal entlang der Elbe ist betroffen

Konkret befindet-sich das Areal innerhalb folgender Grenzen: im Nord-Osten Kreisgrenze zum Landkreis Lüneburg (Elbe zwischen Avendorf und Artlenburg), der Kreisgrenze folgend in südliche Richtung bis Rottorf bis zum Übergang zur L234 (Hansestraße) in Winsen, von dort bis zum Kreisel Hamburger Straße / Hansestraße, entlang der K86 Richtung Stelle (Hansestraße, Gehrdener Deich,Lüneburger Straße) bis zur Bahnunterführung, den Bahngleisen in nordwestliche Richtung folgend, nördlich entlang des Rangierbahnhofs Maschen, bis zur A1 an der Landesgrenze zu Hamburg (Höhe Groß Moor), von dort in nördliche Richtung bis zur Elbe, an der Elbe stromaufwärts entlang der Landesgrenze bis zum Ausgangspunkt an der Kreisgrenze zum Landkreis Lüneburg.

Im betroffenen Gebiet dürfen ab Freitag Geflügelhalter ihre Tiere nicht mehr unter freiem Himmel halten, sondern nur in geschlossenen Ställen oder unter einer Schutzvorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gesicherten dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenabgrenzung bestehen muss. „Die Aufstallung wird unter Berücksichtigung der Risikobewertung zunächst auf das Gebiet der Unterelbe-Niederung beschränkt.

Nur in begründeten Einzelfällen gibt es eine Ausnahmegenehmigung von der Stallpflicht

Sofern durch Totfunde oder Monitoring-Ergebnisse eine weitere Ausbreitung zu befürchten ist, ist mit der Erweiterung des Gebietes zu rechnen“, sagt Thorsten Völker. Lediglich in begründeten Einzelfällen sind Ausnahmen von der Aufstallungspflicht, zum Beispiel für Gänse- oder Entenhaltungen, bei denen keine Aufstallungsmöglichkeiten existieren, auf Antrag möglich. Das dafür notwendige Formular kann unter www.landkreis-harburg.de(Suchbegriff: „Geflügelpest“) heruntergeladen werden.

Für Kleinst- und Hobbyhalter dürfte diese Möglichkeit in der Regel nicht greifen. Über die Aufstallungsverpflichtung hinaus haben die Geflügelhalter, auch Kleinst- und Hobbyhalter, in dem betroffenen Gebiet die gesetzliche Verpflichtung, weitere Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten: Soweit noch nicht geschehen, muss jeder Geflügelhalter beim Veterinäramt Adresse und die Zahl des gehaltenen Geflügels melden. Geflügel darf nur unter einem Dach oder im Stall gefüttert und getränkt werden. Grund: Darüber fliegende Zugvögel könnten durch ihren Kot das Futter sowie Wasserstellen verunreinigen und Erreger übertragen. Wildvögel empfänglicher Arten dürfen keinen Zugang zu Futter- und Wasserstellen haben. Oberflächenwasser darf nicht zum Tränken verwendet werden.

Die Geflügelhalter sind verpflichtet, ein Besucherbuch zu führen

Jeder Geflügelhalter muss ein Bestandsregister führen. Außerdem müssen die Halter ein Besucherbuch führen, in das sich jede Person eintragen muss, die den Geflügelstall oder-auslauf betreten hat. Für betriebsfremde Personen müssen unbedingt Desinfektionsmatten und Schutzkleidung ausgelegt werden. Bei Krankheits- oder Todesfällen bei Tieren müssen Halter unbedingt das Veterinäramt des Landkreises Harburg (Telefon: 04171/69 34 66, Mail: tiergesundheit@lkharburg.de) kontaktieren. Der Veterinärdienst des Landkreises hat angekündigt, die Einhaltung dieser Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen.

Zudem gibt das Veterinäramt folgende Hinweise: Spaziergänger und Haustiere sollten Kontakt zu toten oder kranken Wildvögeln vermeiden.

Auch die Elbregion im Landkreis Stade ist betroffen, insgesamt 62 Betriebe

Auch nahe des Landkreises Stade gibt es erste Fälle: Betroffen ist ein Geflügelhalter in der Gemeinde Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen. Um den Betrieb wurde eine Überwachungszone von zehn km eingerichtet, die bis in den Kreise Stade reicht. Ab Donnerstag gelten hier besondere Maßnahmen. Veterinäramtsleiterin Sibylle Witthöft: „Die Maßnahmen, insbesondere die Stallpflicht, gelten in der gesamten Überwachungszone in der Samtgemeinde Nordkehdingen.“ 62 Geflügelhaltungen sind davon betroffen. Wörtlich heißt es für sie: „Gehaltene Vögel sind mit Ausnahme von Tauben in geschlossenen Ställen oder unter einer Schutzvorrichtung zu halten.“

Außerdem darf aus dem hier betroffenen Haltungen weder lebendes Geflügel noch Geflügelfleisch, andere Geflügelerzeugnisse oder Futtermittel herausgebracht werden. Die Verfügung ist auf der Internetseite www.landkreis-stade.de unter „Bekanntmachungen“ zu finden. Das Veterinäramt des Landkreises Stade empfiehlt auch den Geflügelhaltern im gesamten Landkreis besonders aufmerksam zu sein und sorgfältig auf die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen zu achten. Der Landkreis Stade ist ein Geflügelpest-Risikogebiet. Das Risiko, dass das Vogelgrippe-Virus eingeschleppt wird, ist demnach als hoch einzustufen.

Auch wenn eine Ansteckung des Menschen mit der zurzeit in Europa beobachteten Vogelgrippe als unwahrscheinlich gilt, sollten tote Vögel nicht mit bloßen Händen angefasst werden.