Gesundheit sichern

Mit Stipendium zur Hausarztpraxis im Landkreis Harburg

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Rolf Zamponi
Nicole Patzwaldt unterzeichnet den Vertrag für das Stipendium. Hinter ihr steht. Sozialdezernent Reiner Kaminski.

Nicole Patzwaldt unterzeichnet den Vertrag für das Stipendium. Hinter ihr steht. Sozialdezernent Reiner Kaminski.

Foto: Rolf Zamponi

Der Landkreis hat jetzt das vierte Stipendium für angehende Hausärzte vergeben. Noch immer könnten im Kreis 17 Stellen besetzt werden.

Winsen. Sie hat ihren Traum vom Medizinstudium wahr gemacht. Später als andere zwar aber mit ihren Erfahrungen als Rettungssanitäterin und dem Mut, den sie dabei gesammelt hatte. Nicole Patzwaldt studiert jetzt im 9. Semester und ist als künftige Hausärztin die vierte Stipendiatin des Landkreises Harburg. Die finanzielle Unterstützung läuft seit dem 1. Oktober und bringt der 34-Jährigen bis Ende 2023 monatlich 500 Euro. Für ein Praktikum bei einem Hausarzt in Hanstedt im zurückliegenden September kommen noch einmalig 300 Euro hinzu.

„Ich empfinde das Stipendium als große Wertschätzung“, sagte die verheiratete Mutter von zwei Söhnen. Grundsätzlich müssen sich die Stipendiaten verpflichten, nach Abschluss der Ausbildung mindestens für fünf Jahre im Landkreis selbstständig oder als angestellter Hausarzt zu arbeiten.

Jährlich steht insgesamt eine Fördersumme von 300.000 Euro bereit

Die finanzielle Hilfe vergibt der Landkreis im Rahmen der Initiative Stadtlandpraxis seit Anfang 2020. Sie gehören zur Strategie der Kreisverwaltung, dringend gesuchte Mediziner für den Landkreis zu sichern. An der jährlichen Fördersumme von 300.000 Euro soll sich auch in den Haushalten 2022 und 2023 nichts ändern. Denn immer noch könnten nach dem Bedarfsplan der Kassenärztliche Vereinigung neben den derzeit gut 153 Hausarztstellen weitere 17 besetzt werden.

Die monatlichen Zahlungen sollen es für die Studenten möglich machen, „sich intensiv auf das Studium und einen schnellen und erfolgreichen Abschluss zu konzentrieren“, heißt es in einem Verwaltungspapier zum Hintergrund der Förderung. Neben den Stipendien werden zudem Niederlassungen sowie Anstellungen von Ärzten gefördert. Voraussetzung ist auch hier, dass die geförderten Haushaltspraxen mindestens fünf Jahre offen bleiben und Ärzte nach der Fachausbildung mindestens fünf Jahre selbstständig oder angestellt im Landkreis Harburg arbeiten.

Die Rettungssanitäterin will nun Hausärztin werden

Auf ihrem Weg zum Hausarzt hatte Nicole Patzwaldt zunächst einen Umweg eingeschlagen. Zwar wollte sie schon als Jugendliche Ärztin werden, schrieb sich in Hamburg aber für ein Studium der Bildungs- und Erziehungswissenschaften ein. Das brach sie ab, als ihr Sohn Marlon geboren wurde. Es folgte Robin. Die beiden sind heute elf und neun Jahre alt. Die entscheidende Wende kam für sie 2016, als sie mit einer Ausbildung zum Rettungssanitäter in Hamburg und im Landkreis Harburg begann. Seit ihrem Abschluss 2017 arbeitet sie für den Rettungsdienst des Landkreises. „Dort ist meine Entscheidung gereift, doch noch mit dem Medizin-Studium zu beginnen.“ Ihr Abiturschnitt von 1,8 auf dem Gymnasium Winsen 2007 reichte zwar nicht aus, um aufgenommen zu werden. Aber mit einer Wartezeit von knapp zehn Jahren konnte es im Oktober 2017 an der Universität Hamburg und am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf losgehen.

Nach dem ersten Kontakt zum Landkreis und Sozialdezernent Reiner Kaminski wurden sich beide Seiten rasch einig. Die erste E-Mail den angehenden Ärztin, die sich schon vor Jahren über die Initiative Stadtlandpraxis informiert hatte, datiert vom 12. September. Bis zum Vertragsabschluss dauerte es so nur gut einen Monat. „Bislang haben alle vier Bewerber ein Stipendium vom Kreis bekommen“, sagt Kaminski. Zuletzt hatte Anne Thordis Wanke kurz vor Weihnachten 2020 einen Vertrag für eine Laufzeit für 30 Monate unterschrieben. Sie studiert zwar an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, stammt aber aus Drage in der Elbmarsch. Dort leben ihre Eltern und Geschwister und dort will sie künftig als Fachärztin für Allgemeinmedizin arbeiten.

Die Ausbildung zum Facharzt dauert noch einmal fünf Jahre

Für die neueste Stipendiatin endet die Lehre an der Universität im März 2022. Das Examen steht im Oktober 2022 an. Danach folgt für Nicole Patzwaldt das Praktische Jahr, wohl von Herbst 2022 bis November 2023. Die Ausbildung zum Facharzt wird dann noch einmal fünf Jahre dauern. Drei davon müssen in einem Krankenhaus absolviert werden. „Dafür können wir Angebote in den Kliniken des Kreises in Winsen und Buchholz machen“, sagt Sozialdezernent Kaminski. Neben den Inneren Medizin kann dort ein weiterer Bereich gewählt werden. Zwei Jahre in einer Praxis schließen sich an.

Nicole Patzwaldt stammt aus Stelle, ist in Gehrden aufgewachsen, hat einige Zeit in Hamburg gewohnt. Mit der Familie ging es wieder zurück nach Stelle. „Wir fühlen uns wohl in dieser Region“, sagt sie. Deshalb stellt die Verpflichtung, dort auch über mindestens fünf Jahre zu arbeiten für sie keine Hürde dar. Das nächste Ziel nach dem Abschluss der Ausbildung ist für sie schon deutlich: „Ich würde mich gern als Hausärztin niederlassen.“