Nachhaltigkeit

Ein neues Leben für alte Elektro-Geräte

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Axel Tiedemann
Jan Kliem und Werner Heuer gehören zu den Gründungsmitgliedern des Treffs. Vorbild waren die niederländischen Repaircafés.

Jan Kliem und Werner Heuer gehören zu den Gründungsmitgliedern des Treffs. Vorbild waren die niederländischen Repaircafés.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Im Reparatur-Treff in Buxtehude werden CD-Player oder Küchenmixer wieder flott, die sonst auf dem Schrotthaufen landen würden.

Buxtehude. Wann es genau einsetzte, weiß Werner Heuer auch nicht mehr. Irgendwann im Laufe der Jahrzehnte verschwanden aber allmählich die vielen kleinen Rundfunkwerkstätten im Land. Große Elektrodiscounter bauten dafür ihre Hallen in die Gewerbegebiete. Schadhafte Elektro-Geräte wurden schließlich nicht mehr repariert, bestenfalls eingeschickt, meist aber weggeworfen, sagt Werner Heuer, der einmal in einer solchen Werkstatt Radio-und Fernsehtechniker gelernt und dort von der Stehlampe, über „Farbfernseher“ und Rasierer bis hin zu Wasserkochern so ziemlich alles repariert hatte, was irgendwie im Haushalt elektrisch angetrieben wurde. „Wir waren hemmungslos damals“, erinnert er sich. Auch jedes neue Gerät, das sie in die Finger bekamen, wurde erstmal aufgeschraubt, um zu sehen, wie es drinnen aussieht.

Diese fast vergessene Kompetenz ist heute Grundlage für den 76 jährigen Heuer und elf weiteren ehrenamtlichen Technikern und Ingenieuren im „Reparatur-Treff“ Buxtehude. Viele kennen sich noch aus gemeinsamen Lehrzeiten, später wurde einige Ingenieure oder wie Heuer Berufschullehrer. Jeden zweiten Sonnabend im Monat reparieren sie in der Seniorentagesstätte „Hoheluft“ zumeist ältere Elektro- und Elektronikgeräte gegen eine Spende von zehn oder 20 Euro. Mixer, Staubsauger, Radios, Kaffeemaschinen, CD-Player oder Lampen und Föhne gehören zu den häufigsten Patienten. „Alles was Batterien oder Kabel hat und man hierhertragen kann“, wie Heuer sagt.

Die Idee für das Reparatur-Café kommt ursprünglich aus den Niederlanden

Der als Verein organisierte „Reparatur-Treff“ ist damit Teil einer Bewegung, die eine solche „Kultur des Reparierens“ wieder fördern will. „Repair-Cafés“, wie sie auch genannt werden, gibt es mittlerweile in einigen europäischen Ländern, das erste dieser Art wurde 2008 in Amsterdam gegründet. Und Berichte über solche ersten „Repair-Cafés“ in den Niederlanden waren es, die vor einigen Jahren die Idee für eine solche Möglichkeit auch in Buxtehude initiierte. „Wir machen das ganz klar aus dem Gedanken der Nachhaltigkeit heraus“, sagt Mitgründer Jan Kliem. Viel zu viel werde eben heute einfach weggeschmissen, immer mehr Elektroschrott belaste daher die Umwelt, während wertvolle Rohstoffe so auf den Müll landen. „Klar können wir da keinen wesentlichen Beitrag dagegen leisten, wir können mit unserem Treff aber auf diese Sache aufmerksam machen und für ein Umdenken sorgen“, sagt der 66-jährige Fernsehtechnik-Meister, der zuletzt in der TV-Branche gearbeitet hat.

„Das beste Recycling ist da natürlich immer noch die Lebensverlängerung der Geräte“, heißt daher auch in der Selbstbeschreibung des Reparatur-Treffs. Wobei nicht immer alles repariert wird, billige Tintenstrahldrucker oder einfaches elektrisches Spielzeug lehnen die ehrenamtlichen Techniker oft ab, weil es sich einfach nicht reparieren lässt. „Das ist Müll ab Werk“, sagt Kliem und rät zum Qualitätskauf als ersten Pfad zur Nachhaltigkeit. Aber wenn mal doch etwas kaputt geht, kann der Verein meist helfen. „Gut 50 Prozent kriegen wir wieder hin“, sagt Kliem.

An fünf Arbeitsplätzen wird repariert, Techniker und Kunde sitzen sich gegenüber

Während andere Repair-Cafe´s aber tatsächlich oft auch als Café mit einer Art Selbsthilfe-Werksatt-Abteilung organisiert sind, läuft es in Buxtehude etwas anders – wobei der soziale Kontakt auch hier ein wesentlicher Aspekt des Treffs ist.

Repariert wird an fünf Arbeitsplätzen, die mit teils selbstkonstruierten Fehlerstrom-Messegräten, Lötkolben und anderes Spezialwerkzeug ausgerüstet sind. Techniker und Kunden sitzen sich dort meist gegenüber. Man kann also zuschauen, wie seine alte Stehlampe wieder zu neuem Leben gebracht wird. „Gerade die Gespräche machen es aus. Das hier also mehr als nur die Freude am Reparieren für uns“, sagt Techniker Heuer. Oft hätten die Leute eben eine enge Verbindung zu den Geräten, die sie wieder retten wollen und können dann viel dazu erzählen.

„Da hat jemand vielleicht eine Hifi-Anlage schon zur Konfirmation bekommen, oder die Oma hat schon mit dem Mixer gearbeitet“, erzählt Heuer. Umso mehr bedauert er es, dass derzeit wegen der Corona-Pandemie die Regelungen etwas anders sind. Derzeit arbeitet der Treff mit einer telefonischen Voranmeldung. Die Geräte werden dann an einem Tresen abgegeben – und können dort meist am selben Tag auch wieder abgeholt werden. Alles natürlich noch mit Maske.

„Da fehlt jetzt was“, sagt Techniker Heuer und freut sich darauf, dass er bald wieder so reparieren kann wie gewohnt. Eben immer mit einem kleinen Schnack dabei.

Reparatur-Treff in der Hohenluft, jeden 2. Sonnabend im Monat 10 bis 13 Uhr, Stader Straße 15. Anmeldung unter den Telefonnummern 04163/ 812410 und 0178 – 8150311. Im Internet: https://Reparaturtreff-Buxtehudejimdofree.com