Corona News

Landkreis Harburg: Zögerlicher Impfstart in den Schulen

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Rolf Zamponi
Auftakt des Impfens in den Schulen: In der BBS in Winsen ist ein Team des Deutschen Roten Kreizes aktiv. Der Leiter der mobilen Teams, Jörn Jepsen (4.v.l.) steht neben Oberstudienrat Alfred Warsitzka.

Auftakt des Impfens in den Schulen: In der BBS in Winsen ist ein Team des Deutschen Roten Kreizes aktiv. Der Leiter der mobilen Teams, Jörn Jepsen (4.v.l.) steht neben Oberstudienrat Alfred Warsitzka.

Foto: Rolf Zamponi

Die Impfquote südlich von Hamburg ist bislang noch viel zu niedrig. Trotzdem gibt es Kritik an der Impfaktion für Schüler.

Winsen. Der Start war zögerlich. Am ersten Tag der Impfaktion in den Berufsbildenden Schulen (BBS) stand das mobile Team des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zwar ab zehn Uhr bereit. Doch in der Cafeteria blieb der erwartete Ansturm von Interessenten am Dienstag aus. Ganze zwölf Mal wurden Spritzen gesetzt. Doch es gibt Hoffnung.

„Am Mittwoch waren mehr Schüler vor Ort und kamen spontan zum Impfen vorbei“, sagte Jörn Jepsen, der ärztliche Leiter der Teams, dem Abendblatt. Mittwochmittag waren 40, nachmittags knapp 50 Schüler geimpft. „Damit hat sich der Einsatz des siebenköpfigen Teams gelohnt“, so Jepsens vorläufige Bilanz. Jetzt hofft er, am Donnerstag noch zulegen zu können. Am Freitag wird ein mobiles Team in der IGS in Buchholz im Einsatz sein.

Corona News: Impfquote im Landkreis bisher niedrig

Der Landkreis Harburg lenkt die vier Teams nun neben den Einsätzen in Gemeinden oder in den Alten- und Pflegeheimen auch in die Schulen des Landkreises. Termine in den beiden Schule sind festgelegt. Die zweiten Impfungen, vor allem mit Biontech und Moderna, sind für Anfang November geplant. „Weitere Aktionen sollen folgen“,sagte Kreissprecher Andres Wulfes.

Alles soll dazu dienen, die Quoten bei den geschützten Menschen weiter zu erhöhen. Derzeit sind im Landkreis 67,13 Prozent oder 172.231 Einwohner zum ersten Mal und 156.681 Menschen vollständig geimpft. Das entspricht 61,07 Prozent, wie die Kreisverwaltung ermittelt hat (Stand 7. Oktober). Bis zur möglichen Herdenimmunität von 85 Prozent muss also noch einiges getan werden.

Gleich mit zwei Ärzten, zwei Impfberechtigten und drei weiteren DRK-Mitarbeitern für die Aufnahme der Daten ist das Team in Winsen dafür vor Ort. „Wir hatten zu Anfang erwartet, bis zu 200 Schüler pro Tag zu impfen“, sagt Jepsen. Schließlich liegt die Cafeteria direkt hinter dem Haupteingang der Schule, also auf dem Schulweg und das Impfen lässt sich so unproblematisch erledigen. Allein das Interesse war am Dienstag offensichtlich minimal. „Einen solchen Reinfall hatten wir bislang noch nicht erlebt“, so Jepsen. Ob bereits viele Schüler, der größten Schule des Landkreises, geimpft sind, die Termine zu wenig bekannt waren oder am Dienstag nur wenig Schüler im Unterricht waren, blieb offen.

„Wir können aus dem Impfen keine Verpflichtung machen.“

„Wir waren jedenfalls freudig überrascht, als sich der Kreis wegen der Aktion bei uns gemeldet hatte“, sagte Alfred Warsitzka, der dienstälteste Oberstudienrat an der BBS, der die Schulleitung am Dienstag vertrat. „Jeder Neugeimpfte ist positiv für die Schule, die Lehrer und die Schüler“, so Warsitzka. „Doch wir können aus dem Impfen keine Verpflichtung machen.“

Grundsätzlich können Jugendliche ab 14 Jahren selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen. Nur die Jüngeren brauchen das Einverständnis der Eltern. Zum Impftermin müssen der Kinder- oder Personalausweis und soweit vorhanden der Impfpass mitgebracht werden.

Impfteam-Chef Jörn Jepsen bleibt optimistisch

Allerdings sieht Patricia Krengel, die seit 2019 dem Kreiselternrat vorsitzt, den Schritt in die Schulen kritisch. „Als Mutter finde ich es fragwürdig, zumal Kinder, die sich nicht impfen lassen wollen, stigmatisiert werden könnten“, sagt Krengel. Sie habe es ihrer 14-jährigen Tochter freigestellt, ob sie sich impfen lassen wolle, weil sie grundsätzlich Probleme beim Impfen gehabt habe. Sie habe sich dann, nachdem sich die Familie umfassend damit befasst habe, für die Impfung entschieden.

Impfteam-Chef Jepsen bleibt nach den beiden Tagen in der BBS für die Zukunft optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass die Aktionen an den einzelnen Schulen nach den Ferien, also von Anfang November an besser laufen werden“, sagt er. Geplant sind weitere Einsätze in Dorfgemeinschafts- oder Feuerwehrhäusern. „Bis Ende März werden ausreichend viele Menschen im Landkreis geimpft sein“, ist Jepsen überzeugt. Nachdem die Impfzentren in Winsen und Buchholz Ende September geschlossen wurden, wurde sein Vertrag noch einmal um sechs Monate verlängert.

Insgesamt 115 Impfungen im Küsterhaus Hanstedt

Wie groß der Bedarf insgesamt noch ist, zeigte sich am Dienstagnachmittag im Küsterhaus in Hanstedt. Dorthin hatte Jepsen zunächst seinen Kollegen Oliver Kielhorn von Winsen aus als zusätzliche Hilfe für das Team der Johanniter geschickt. In Hanstedt dagegen hatte alle mit 115 Impfungen alle Hände voll zu tun und freuten sich, als schließlich auch noch Jepsen zum helfen ins Küsterhaus kam.