Tödlicher Unfall

A261: Smart zwischen zwei Lkw zermalmt – eine Tote

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Tobias Johanning
Bei einem schweren Unfall auf der A261 ist eine Frau gestorben.

Bei einem schweren Unfall auf der A261 ist eine Frau gestorben.

Foto: Joto

Bei einem schweren Verkehrsunfall bei Tötensen ist am Donnerstag eine Frau gestorben – bei Folgeunfällen gab es mehrere Verletzte.

Rosengarten. Vor ihr ein Lkw und hinter ihr einer, der das Stauende übersieht: Diese Lage hat einer Frau am Donnerstag das Leben gekostet. Es ist einer von drei schweren Unfällen auf den Autobahnen im Hamburger Süden an diesem Tag, die alle miteinander zusammenhängen und bei denen sechs Personen verletzt wurden.

Die unheilvolle Kettenreaktion wurde in den frühen Morgenstunden durch einen Unfall auf der Autobahn 7 an der Anschlussstelle Hausbruch ausgelöst. Ein Golf-Fahrer versuchte gegen 5.40 Uhr in der durch eine Baustelle verkürzten Auffahrt noch schnell vor einem Lastwagen auf die Fahrbahn zu ziehen.

Tödlicher Unfall: Lkw-Fahrer übersieht Stauende auf A261

Das riskante Manöver misslang, sein Auto wurde von dem Sattelzug erfasst und schleuderte vor dem Lastwagen über alle Fahrstreifen. Ein zweiter Autofahrer konnte dem Volkswagen nicht mehr ausweichen und kollidierte ebenfalls mit dem Fahrzeug. Alle drei beteiligten Personen wurden leicht verletzt.

Um die Verletzten zu versorgen, den Unfallhergang zu ermitteln und die Fahrzeuge abzuschleppen, sperrte die Polizei zwei von drei Fahrstreifen. Das führte auf der A 7 zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Auto- und Lastwagenfahrer standen mehr als zehn Kilometer im Stau. Rückstau gab es auch auf der A 261. An dessen Ende gelangten gegen 8 Uhr ein 71-jähriger Smart-Fahrer und seine 70-jährige Beifahrerin in Höhe der Anschlussstelle Tötensen. Sie hielten auf der rechten Spur hinter einem Lastwagen an. Ein zweiter Lastwagenfahrer erkannte die Situation nicht rechtzeitig und fuhr mit hoher Geschwindigkeit auf den Kleinstwagen auf. Das Auto wurde zwischen den beiden Sattelzügen auf die Hälfte seiner Größe zusammengedrückt.

Smart wird zwischen zwei Lkw zermalmt – Beifahrerin stirbt

Die Beifahrerin erlag noch im Fahrzeugwrack ihren Verletzungen. Feuerwehrleute schnitten das Auto mit hydraulischem Gerät auf und retteten den Fahrer. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wurde mit einem Rettungshelikopter in eine Spezialklinik geflogen. Auch der Lastwagenfahrer kam in eine Klinik. Die Polizei sperrte die Autobahn in Richtung Hamburg. Das führte auf der eh schon stark befahrenen Ausweichstrecke über die A 1 zu einem kilometerlangen Stau.

Das Stauende auf der Autobahn 1 zwischen Dibbersen und Hittfeld bemerkte gegen 12.30 Uhr ein Opel-Fahrer zu spät. Beim Bremsen und Ausweichen geriet sein Auto ins Schleudern. Es touchierte drei Fahrzeuge und kollidierte mit der Mittelleitplanke. Feuerwehrleute befreiten den Mann aus dem Pkw. Ein Rettungshelikopter brachte ihn mit schweren Verletzungen in eine Klinik. Auch ein weiterer Autofahrer wurde mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gefahren.

Auf der Gegenfahrbahn kam es gleichzeitig zu mehreren brenzligen Situationen, als Auto- und Lastwagenfahrer besonders langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren. Teilweise waren die Fahrer nur mit 50 Stundenkilometern unterwegs, um während der Fahrt mit ihren Handys Fotos zu machen.

Die Polizei fotografierte daraufhin die Gaffer, die nun mit einer Strafe rechnen können. In Folge der Sperrungen und Baustellen auf der B 75 sowie der B 3 staute sich der Verkehr in den Nachmittagsstunden auf den Straßen bis in den Landkreis Rotenburg (Wümme). Erst gegen 15.30 Uhr waren alle Autobahnstrecken wieder frei gegeben.

Bekommt die A261 eine mobile Stauwarnanlage?

Für die Beamten der Autobahnpolizei Winsen stellt sich nun die Frage, wie Unfälle an Stauenden verhindert werden können. Schließlich bleibt die Autobahn 7 vor dem Elbtunnel auch die nächsten Jahre eine große Baustelle. Auch muss die Autobahn 1 auf Hamburger Gebiet in den kommenden Jahren saniert werden. Der Stau endete bei beiden Baustellen fast immer im Landkreis Harburg. „Die Gespräche für eine mobile Stauwarnanlage auf der A 261 laufen”, sagte Wilhelm Buhr, Leiter der Autobahnpolizei Winsen. Auf diesen Anzeigetafeln kann rechtzeitig vor einem Stauende gewarnt werden.

Eigentlich sollen auch technische Errungenschaften in Lastwagen die Auffahrunfälle verhindern. Seit 2018 müssen in neuen Sattelzügen Notbremsassistenten eingebaut sein. Durch Radartechnik und Kameras sollen die Systeme stehende Objekte auf Straßen erkennen und zunächst einen Warnton ausgeben. Reagiert der Fahrer nicht innerhalb von Sekunden sollen sie das Fahrzeug je nach System abbremsen oder komplett zum Stehen bringen. Doch die Technik hat ihre Tücken: Teilweise erkennt die Kamera zum Beispiel in reflektierenden Schildern ein Hindernis und zwingt den Lastwagen zu einer Bremsung. In anderen Fällen erkennt das System ein echtes Hindernis nicht. Außerdem trägt der Fahrer laut der aktuellen Gesetzgebung immer die letzte Verantwortung. Deswegen kann er den Assistenten auch abschalten oder ihn übersteuern.

Diese Regelung will das Bundesverkehrsministerium ändern und plant das Abschalten durch den Fahrer zu verbieten. Ob das den Unfall am Stauende auf der A 261 verhindert hätte, ist bisher unklar. Mehrere Gutachter untersuchen den Lkw und prüfen auch, inwieweit der Notbremsassistent funktionierte.