Ausflugstipp

Wie die neue Lust am Wandern das Alte Land verändert

| Lesedauer: 7 Minuten
Katy Krause
Im Alten Land wird der Oktober zum Wandermonat ernannt. Mit zahlreichen Aktionen soll der neuen Outdoorlust von Urlaubern begegnet werden. Entspannung gehört natürlich auch dazu.

Im Alten Land wird der Oktober zum Wandermonat ernannt. Mit zahlreichen Aktionen soll der neuen Outdoorlust von Urlaubern begegnet werden. Entspannung gehört natürlich auch dazu.

Foto: Jenny Henke / Tourismusverband Altes Land

Urlaub in der Region wird immer beliebter. Wie sich das Alte Land auf diesen Trend einstellt und was andere Regionen planen.

Lüneburg/Stade.  Wen es heute in die Lüneburger Heide zieht, der ist nicht mehr der Tourist von vor zehn Jahren. Der durchschnittliche Urlauber ist deutlich jünger geworden. Er interessiert sich mehr für Nachhaltigkeit. Außerdem ist er auch deutlich mehr am Wandern oder anderen Betätigungen an der frischen Luft interessiert.

Das plötzlich erwachte Interesse an der Natur vor der Haustür – ob im Urlaub oder in der Freizeit – ist auch coronabedingt. Doch die Tourismusverbände der Region gehen davon aus, dass es sich um einen langfristigen Trend handelt und stellen sich auf die Bedürfnisse der neuen Besucher ein.

Altes Land: Oktober wird zum Wandermonat ernannt

Im Alten Land beispielsweise ruft der Tourismusverband Landkreis Stade/Elbe den Oktober zum Wandermonat aus. Unter dem Motto „Wir machen uns auf den Weg“ sollen geführte Wandertouren mit Informationen zu Pilzen oder wilden Früchten und Beeren, die neu erschlossene „Harsefelder Runde“ sowie Walderlebnisführungen für Kinder Besucher anlocken. Zudem wird ein Fotowettbewerb ausgelobt. Für das schönste Wanderbild aus der Elbregion gibt es ein Genusspaket.

Das Motto ist dabei doppeldeutig zu verstehen. Nicht nur die Besucher sollen sich auf den Weg machen, auch die Urlaubsregion befindet sich im Aufbruch, wie Geschäftsführerin Monika Rulle betont. Waren bislang vor allem Radwege im Fokus, soll nun auch der Ausbau von Wanderwegen und Routen folgen. Sie sollen besser beschildert und beworben werden. „Zudem ist die Digitalisierung ein großes Thema“, sagt Rulle.

Ausflugstipp: Per App durch die Elbregion wandern

Zum einen geht es dabei um die Nutzung von Handyanwendungen wie die Outdooractive App, mit deren Hilfe Rad- und Wandertouren geplant werden können. Zum anderen soll auch die Buchungssituation im Alten Land digitaler aufgestellt werden. Vermietern von Ferienwohnungen soll die Möglichkeit gegeben werden, über einfache Anbindungen an bestehende Systeme ihre Zimmer online anzubieten und zu vermieten.

Im Februar ist der Tourismusverband Landkreis Stade/Elbe 40 Jahre alt geworden. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch eine Party gab es damals nicht. Dafür war die Stimmung viel zu schlecht. Aufgrund der Corona-Maßnahmen durften keine Gäste kommen, ausgenommen waren nur Geschäftsreisende. Die Beschränkung griff auch noch im Mai, einem der wichtigsten Monate im Alten Land.

Denn die Apfelblüte zieht die meisten Besucher an. „Das war eine Katastrophe“, erinnert sich Rulle. Das belegen auch die Zahlen. Das Statistikamt, das nur Unterkünfte ab zehn Betten erfasst, zählte dieses Jahr im Mai rund 7000 Besucherankünfte im Alten Land. 2019, vor Corona, waren es 25.000. „Das kann man nicht nachholen. Die Apfelblüte ist vorbei und Betten lassen sich nur einmal belegen“, sagt Rulle.

Dass die Zeiten wieder etwas besser sind und der Trend nach oben zeigt, beweist die nachgeholte Jubiläumsfeier im September. In kleiner Runde wurde im Schloss Agathenburg der 40. Geburtstag des Tourismusverbandes nun doch gefeiert. Die Übernachtungszahlen für August liegen Rulle noch nicht vor, aber im Juli war man mit um die 60.000 Übernachtungen wieder auf dem Niveau von 2019, also wie vor dem Corona-Ausbruch. „Das Geschäft brummt wieder“, stellt Rulle fest. So sehr, dass Gäste bei ihnen im Büro des Tourismusverbandes anrufen und verzweifelt nach Übernachtungsmöglichkeiten fragen.

Im Juli und August zeitweise kein Bett in der Heide frei

Ähnlich gut verlief die verspätete Saison auch in der Lüneburger Heide. Wie berichtet, zieht die Tourismusgesellschaft der Region ein durchaus positives Fazit für die diesjährige Hochsaison. „Im Juli und August war zeitweise kein Bett mehr in der Heide zu bekommen“, sagte Geschäftsführer Ulrich von dem Bruch von der Lüneburger Heide GmbH. Nachdem fast das erste Halbjahr dem Lockdown zum Opfer fiel, hätten die Betriebe in der Hochsaison viele Gäste begrüßen können. Alleine im Juli stiegen die Übernachtungen um fast zehn Prozent an.

Auffällig sei, dass die Buchungen sehr kurzfristig kamen und das Publikum deutlich jünger war. „Wir arbeiten seit 13 Jahren am Image der Heide. Als ich angefangen habe, war der durchschnittliche Gast 63, jetzt ist er 45 (vor Corona). Bei der nächsten Messung dürfte er 40 sein“, erklärt von dem Bruch. Wie das gelingt? „Wir monitoren die Trends und haben unser Marketing drauf abgestimmt“, sagt er. So produziert die Tourismusgesellschaft Videoclips extra für die junge Zielgruppe und ist dort unterwegs, wo sich die Jugend bewegt – auf Internetplattformen wie TikTok, Instagram und Pinterest. „Wir reden trotzdem über die bisherigen Produkte, nur anders aufgemacht“, sagt der Geschäftsführer. So gefällt den jungen Leuten plötzlich auch das, was die Älteren schon lange für sich entdeckt haben.

Büsenbachtal ist nur ein Brennpunkt, viele Orte mit Problemen

Zum Beispiel? Wandern in der Lüneburger Heide. In der jüngeren Zielgruppe heißt das dann „Hiking“, wie von dem Bruch weiß. Oft zieht es Besucher auch zu Tagestouren in die Heideflächen. Doch das bringt auch Probleme mit sich. Volle Parkplätze, zugeparkte Straßen und Rettungswege. Wie berichtet, ist das zum Beispiel im Büsenbachtal ein großes Thema. Von dem Bruch nennt auf Nachfrage noch: die Osterheide Schneverdingen, die Behringer Heide, Undeloh, Wacholderwald Schmarbeck – „um nur einige zu nennen“.

Denn es gebe an vielen Stellen das Parkplatzproblem an schönen Wochenenden in der Hochsaison. Da der ÖPNV in der Heide dünn sei, wäre das für Besucher kaum eine Alternative, so der Tourismuschef. „Wir wollen die bestehenden Parkplätze deshalb vergrößern, wo das möglich ist. Und auch über Ladesäulen und Lichtschranken wollen wir reden.“

Lüneburger Heide: Lichtschranken geplant

Lichtschranken, um die Parkplatzauslastung messen und steuern zu können. Teilweise seien die Gespräche leicht, teilweise schwieriger, weil es sich zum Beispiel um Flächen im Naturschutzgebiet handele, und dort bauliche Einschränkungen gelten. Aber von der Bruch gibt sich zuversichtlich, dass der Parkplatzausbau beziehungsweise -umbau gelingt. Bis wann das wo der Fall sein kann? Dazu kann er noch nichts sagen. „So weit sind wir noch nicht.“

Wandermonat: Informationen zu den Wanderrouten und zum Gewinnspiel im Alten Land am Elbstrom gibt es unter www.urlaubsregion-altesland.de/wandertage.html. Die nächsten Termine für geführte Wanderungen sind am Freitag, 8. Oktober, 20.30 Uhr (Schaurigschöne Nachtwanderung für Kinder im Grundschulalter) und am Sonnabend, 9. Oktober, 10 Uhr (Geführte Wanderung durch Stades Grün)