Späte Jubiläumsfeier

Neue Chronik verrät Hanstedts wahres Alter

| Lesedauer: 5 Minuten
Sven Bleilefens
Die Wissenschaftlerin Dr. Kai Rump von der Historiker-Genossenschaft Hamburg und Ulrike Harms, Archivarin der Gemeinde Hanstedt, haben das Projekt zusammen realisiert.e Harms, Archivarin der Gemeinde Hanstedt haben das Projekt realisiert

Die Wissenschaftlerin Dr. Kai Rump von der Historiker-Genossenschaft Hamburg und Ulrike Harms, Archivarin der Gemeinde Hanstedt, haben das Projekt zusammen realisiert.e Harms, Archivarin der Gemeinde Hanstedt haben das Projekt realisiert

Foto: Sven Bleilefens / HA

Auf 500 Seiten wird ereignisreiche Geschichte nachgezeichnet. Das umfassende Buchprojekt begann bereits 2011 mit einem Fehler.

Hanstedt. „Seit wann gibt es Hanstedt?“ Generationen von Hanstedtern lernten in der Schule, die Ersterwähnung des Ortes auf 1155 zu datieren. 2005 wollte die Gemeinde dann das 850-jährige Bestehen feiern. Doch Recherchen an der Jesteburger Ortschronik wiesen nach, dass das in einer Urkunde des Bistums Verden zitierte „Haonstede“ auf einen anderen Ort verwiesen haben musste.

Die Hanstedter hatten nicht nur diese Nachricht zu verdauen, auch die geplanten Festlichkeiten waren dahin. Im Jahr 2021 ist es so weit: Nein, keine Jubiläumsparty, aber „Die Geschichte des Ortes und der Gemeinde Hanstedt“ ist fertiggestellt.

Die Archivarin der Gemeinde Jork half bei der Recherche

Die Archivarin der Gemeinde Jork, Dr. Kai Rump, hatte in einer „tollen Zusammenarbeit“ mit Ulrike Harms (Archivarin der Gemeinde Hanstedt) vier Jahre recherchiert und geschrieben. An Inhalten hat es Rump nicht gemangelt: „Die Themen lagen auf der Straße.“ Ursprünglich war einmal mit 200 Seiten geplant worden, am Ende sind es 487 Seiten geworden. Gerhard Schierhorn, Bürgermeister der Gemeinde, lobt den wissenschaftlichen Ansatz, für den man sich mit der Autorin Kai Rump entschieden habe und verkündet nicht ohne Stolz: „So etwas werden Sie im Internet nicht finden.“

Rückblick 2011: Zwei Männer sitzen zusammen und diskutieren Projekte für die Zukunft Hanstedts. Ganz oben auf der Liste: eine Hanstedter Chronik. „Damals dachte ich: Ist ja keine große Sache. Zwei, drei Jahre vielleicht. . .“, erinnert sich der eine von ihnen, Gerhard Schierhorn. Er ist zu diesem Zeitpunkt frisch gewählter Chef der Gemeindeverwaltung. Der andere ist Olaf Muus, neuer Samtgemeindebürgermeister und ebenfalls zuversichtlich. Beide sind geschichtlich interessiert und halten die Hanstedter Chronik für längst überfällig.

„Das Wichtigste war, ältere Menschen aufzutreiben“, so beschreibt Rump die Anfänge der Quellensuche. Die Kurzfragebögen und Erzählinterviews hätten die Hanstedter dazu gebracht, „ihre Schubladen zu durchsuchen“ und das Gemeindearchiv ordentlich aufgestockt. Zeitlich stehen die vergangenen 150 Jahre im Vordergrund, thematisch liegt der Schwerpunkt auf der Hanstedter Heimatkunde. Leben und Arbeiten im Dorf werden auf etwa 200 Seiten dargestellt. Zugleich wird auch die Frühgeschichte des Ortes oder etwa die Kirchengeschichte beleuchtet. Geholfen haben dabei zahlreiche ehrenamtliche Mitautoren. Einer davon ist der ehemalige Samtgemeindedirektor Dieter Albers.

Auch wenn es das ein oder andere Jahr länger gedauert hat, haben die beiden Politiker ihr lange gehegtes Vorhaben nun in die Tat umgesetzt. Für Schierhorn war es höchste Zeit. Seine Zeit als Bürgermeister endet im November, auf eine erneute Kandidatur verzichtete er: „Es freut mich, dass das noch in meine Amtszeit fällt.“

Grund zum Feiern über die Chronik hinaus

Grund zum Feiern gibt es in Hanstedt auch über die Chronik hinaus: Nach heutigem Forschungsstand ist die Gemeinde 1252 zum ersten Mal dokumentarisch erwähnt worden – genauer nachzulesen ist dies, natürlich, in der Chronik. Nächstes Jahr ist also 770. Geburtstag fällig. Die Feier zum 850-jährigen Bestehen muss allerdings noch bis zum Jahr 2102 warten.

Die Chronik ist in der Hanstedter Buchhandlung sowie in der örtlichen Bücherei zu kaufen. Für den Preis von 35 Euro gibt es im Format 22,5 mal 27 Zentimeter Lesestoff und zahlreiche Bilder auf 487 Seiten. In erster Auflage wurden 2000 Exemplare gedruckt. Ein Einblick in das Inhaltsverzeichnis findet sich im Internet auf der Seite der Gemeinde unter www.hanstedt.de

Die Sage vom Riesen Bruns:

  • Die Sage vom Riesen Bruns ist für die Gemeinde Hanstedt von großer Bedeutung – so groß, dass sich der Riese auch im Wappen findet und ihm ein Denkmal gesetzt wurde. Natürlich findet sich auch in der Chronik ein Kapitel über den berühmten Bruns. Darum geht es in der Kurzform:
  • Der heilige Ansgar kam im neunten Jahrhundert nach Hanstedt und bekehrte die Menschen zum christlichen Glauben. Nur der Riese Bruns war Heide geblieben und bekämpfte die in Hanstedt erbaute Kirche. Schließlich wollte er einen gewaltigen Felsbrocken auf die Kirche schleudern, doch der Versuch misslang.
  • In der Überlieferung heißt es, dass er vor Wut den großen Stein mit seinem Schwert spaltete, dabei zerbrach auch sein eigenes, steinernes Herz. Das boshafte Unterfangen nahm letztlich ein glimpfliches Ende, der Riese Bruns wurde bekehrt und ließ sich in der Aue taufen.
  • Nach dem Riesen beziehungsweise der Sage, um ihn und seine Familie, wurde auch der Nindorfer Brunsberg benannt. In manchen Quellen wird dort auch sein Grab verortet