Hamburger Süden

Scharfe Kritik an den Plänen der Deutschen Bahn

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Mit einem ICE aus Strohballen protestierten Bürger im Landkreis Uelzen schon vor einigen Jahren gegen Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke.

Mit einem ICE aus Strohballen protestierten Bürger im Landkreis Uelzen schon vor einigen Jahren gegen Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke.

Foto: Philipp Schulze / dpa

Im Hamburger Süden stoßen verschiedene Ausbauvarianten auf wenig Gegenliebe. Landrat und Bürgermeister machen Unmut Luft

Landkreis Harburg. Wo wollen sie denn nun hin und vor allem auf welchem Weg? Das fragen sich derzeit viele Beteiligte und Betroffene im Landkreis Harburg, wenn es um die Planung der Deutschen Bahn für die Bahntrasse zwischen Hamburg beziehungsweise Bremen und Hannover geht.

Denn die ist kaum nachvollziehbar und sorgt auch bei den Kommunen im Kreis für Irritation. In einer aktuellen Pressemitteilung des Landkreises machen nun Bürgermeister, Bürgerinitiativen und Landrat Rainer Rempe ihrem Unmut Luft.

Deutsche Bahn arbeitet an dem einen, prüft aber auch das andere

Darum geht es: Einerseits arbeitet die Deutsche Bahn an der Umsetzung des Maßnahmenpaketes, dass unter dem Begriff „Alpha E“ vom Dialogforum Schiene Nord 2015 geschnürt worden war. Die „Alpha E-Variante“ sieht einen Ausbau der Bahnstrecke Hamburg-Hannover über Lüneburg und Celle vor. Andererseits prüft die Deutsche Bahn offenbar wieder den vollständigen Neubau einer alternativen Streckenführung, die sich entlang der A7 bewegen soll. Diskutiert wird diese im Zusammenhang mit dem „Deutschland-Takt“, einem Maßnahmenpaket, das in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden soll.

Die Kommunen im Landkreis, vertreten durch Landrat Rainer Rempe, Stelles Bürgermeister Robert Isernhagen und Tostedts Samtgemeindebürgermeister Dr. Peter Dörsam, kritisieren die unklare und intransparente Vermischung der beiden Planungsverfahren. „Angesichts der öffentlichen Debatte gewinnen wir zunehmend den Eindruck, dass die im Dialogforum Schiene Nord mühsam gefundene, aber in der Region breit getragene Lösung eines Ausbaus der Bestandsstrecke bei der Deutschen Bahn zunehmend in Frage gestellt wird“, so Landrat Rempe. Dabei könnten durch die unterschiedlichen Verfahren und Planungsstände weder die Betroffenen, die zahlreichen Bürgerinitiativen noch die Kommune das „Alpha E“ mit der nun wieder ins Spiel gebrachten „A 7-Variante“ seriös vergleichen.

Besonders im Fokus der Kritik der Kommunen steht der Umgang der Deutschen Bahn mit den Umsetzungsvorschlägen, die das Gutachterbüro Vieregg/Rössler im Auftrag der vereinigten Bürgerinitiativen ausgearbeitet hatte. „Bis heute ist die Deutsche Bahn nicht im Einzelnen auf die Kritikpunkte von Herrn Dr. Vieregg eingegangen“, so Dr. Peter Dörsam als Sprecher des Beirats Alpha-E. Zwischen dem Gutachter und der Bahn besteht weiter keine Einigkeit über das Nutzen-Kosten-Verhältnis.

Sensitivitätsstudie zur „A 7-Variante“ erst 2022 fertig

Offiziell wird bei der „A 7-Variante“ nur an einer Sensitivitätsstudie gearbeitet. Sie untersucht, welche Trassenführungen aus raumordnerischer und naturschutzfachlicher Sicht möglich sein könnten. Hierzu gab die Deutsche Bahn einer kleinen Auswahl an Behördenvertretern am 29. September im Winsener Kreishaus einen Zwischenstand. Die Sensitivitätsuntersuchung soll erst im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Von ingenieurstechnischen Betrachtungen ist dagegen noch nichts bekannt.

Auffällig und besorgniserregend ist aus Sicht der Kommunen im Landkreis Harburg auch das sehr unterschiedliche Vorgehen bei der Information und der Beteiligung der Öffentlichkeit. Während beispielsweise entlang des Streckenabschnittes Rotenburg (Wümme)-Verden, einer anderen Maßnahme im Paket der „Alpha E“-Lösung, von Anfang an runde Tische geplant wurden, wird die „A 7-Variante“ bisher ohne jegliche Öffentlichkeitsbeteiligung geprüft.

Trasse würde den Landkreis Harburg zerschneiden

Bereits die Zwischenergebnisse der Sensitivitätsuntersuchung der „A 7-Variante“ zeigen, wie sehr eine solche Nord-Süd-Trasse den Landkreis Harburg zerschneiden könnte. Da zahlreiche Schutzgebiete an der A 7 umgangen werden müssen, weicht eine solche Trassenführung teilweise deutlich vom Verlauf der A 7 ab. Dadurch entstünde eine vom Rest des Landkreises abgeschnittene Fläche zwischen der Autobahn und der Trassenvariante. Für die Menschen in der Region führt die „A 7-Variante“ aber zu keinerlei Vorteilen. Zusätzliche Haltepunkte sind nicht vorgesehen, der Deutschlandtakt könnte zudem dazu führen, dass ICE-Züge künftig nicht mehr im Bahnhof Hamburg-Harburg halten.

( HA/krk )