Bilanz

Nach 201.646 Spritzen ist jetzt Schluss - im Impfzentrum

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Hanna Kastendieck
Landrat Rainer Rempe (Mitte) und das Team der Johanniter vom Impfzentrum Buchholz ziehen eine positive Bilanz

Landrat Rainer Rempe (Mitte) und das Team der Johanniter vom Impfzentrum Buchholz ziehen eine positive Bilanz

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Die Impfzentren im Landkreis Harburg haben ihren Betrieb eingestellt. Mobile Impfteams sollen übernehmen. Kritik an Schließung.

Landkreis Harburg.  Sie gehört zu den letzten Besuchern des Corona-Impfzentrums in Buchholz: Am gestrigen Donnerstag hat die 24-jährige Maximiliana Brüning ihre Zweitimpfung in der Schützenhalle erhalten. Kurz danach wurden die Türen endgültig geschlossen. „Für mich bedeutet die Impfung, dass ich wieder reisen und auch mal mit Freunden losziehen kann“, sagt die Zimmerin. „Im Großen und Ganzen wird der Alltag mit Impfung unkomplizierter.“

Nach gut 33 Wochen Betrieb schließen nun auch die Corona-Impfzentren im Landkreis Harburg. Am gestrigen Donnerstag wurde zum letzten Mal an den Standorten Buchholz und Winsen geimpft. Insgesamt wurden dort mehr als 201.646 Impfungen durchgeführt. Davon haben 93.219 Personen haben den vollständigen Impfschutz (Zweitimpfung) bekommen.

Rund 90.000 Stunden waren die mehr als 300 Helfer im Einsatz

Rund 90.000 Einsatzstunden haben die mehr als 300 Helferinnen und Helfer seit Öffnung der Impfzentren am 8. Februar bis zur Schließung am 30. September geleistet. Darüber hinaus erreichten die Mitarbeiter bei Sonderaktionen wie den Impftagen für Frauen, für Schülerinnen und Schüler, bei McDonalds und in Sportvereinen weitere 7000 Menschen. Damit haben im Landkreis Harburg inzwischen 170.590 Personen (66,5 Prozent der Bevölkerung) die Erstimpfung erhalten. Vollständig geimpft sind 153.828 Personen (59,96 Prozent).

Auch im Landkreis Stade ist das Impfzentrum Geschichte. Nach 290 Tagen und 145.000 Corona-Impfungen wurde die Einrichtung bereits am vergangenen Freitag geschlossen. Ebenfalls abgebaut wird das Impfzentrum in Lüneburg, das acht Monate lang in Betrieb gewesen ist. Insgesamt wurden dort von den 54 Mitarbeitenden mehr als 144.000 Impfungen durchgeführt.

"Wir haben uns hier an etwas Historischem beteiligt“

Die zurückliegenden acht Monate waren für die Teams der Corona-Impfzentren mit vielen durchgearbeiteten Wochenenden anstrengend, aber auch bereichernd. „Wir haben uns hier an etwas Historischem beteiligt“, sagt die Stader Impfzentrumsleiterin Nicole Streitz. „So eine Impfaktion hat es vorher noch nie gegeben.“ Es sei beeindruckend gewesen, wie gut man diese schwierige Aufgabe mit Hilfe vieler ehrenamtlicher und hauptamtlicher Kräfte gemeistert habe. Alle waren hochmotiviert.“

Auch in Buchholz war die Stimmung bis zuletzt gut. Bis zu 1000 Menschen wurden in den ersten Monaten täglich durch das Impfzentrum in der Schützenhalle geschleust. „Zu Beginn war der Andrang riesig, der Impfstoff jedoch knapp“, sagt Nadine Fischer, die gemeinsam mit Annika Stegelmann das Impfzentrum der Johanniter geleitet hat. „Wir hatten Leute, die kamen sogar aus dem Harz zu uns, um sich den Picks zu abzuholen, obwohl im Februar hoher Schnee lag, die Straßenverhältnisse eine Katastrophe waren.“

Die beiden Frauen sind in den vergangenen Monaten durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Nachdem das Land am 3. Dezember den Auftrag für die Einrichtung der Zentren erhalten hatte, stellten die Mitstreiter von Johannitern in Buchholz und das DRK in Winsen innerhalb von zehn Tagen die gesamte Logistik auf die Beine. „Wir standen Mitte Dezember in den Startlöchern, waren alle hochmotiviert“, erinnert sich Annika Stegelmann. „Doch dann kam das lange Warten auf den Impfstoff.“

84-Jährige erhielt als erste im Landkreis Harburg die Spritze

Die erste Bürgerin im Landkreis Harburg, die eine Impfung gegen das Coronavirus bekam, war Marianne Meyer. Die 84-Jährige erhielt ihren Picks am 1. Januar im Seniorendomizil Kursana vom mobilen Impfteam der Johanniter. Bis zur Eröffnung der Impfzentren in Buchholz und Winsen verging noch mehr als ein ganzer Monat.

„Leider gab es in den ersten Monaten nicht annähernd ausreichend Impfstoff, um die Kapazitäten der Impfzentren wirklich auszuschöpfen“, sagt der ärztliche Leiter der Impfzentren, Dr. Jörn Jepsen. „Und als dann ab dem Sommer ausreichend Impfstoff vorhanden war, blieben die Impflinge weg.“ Es ärgert ihn, dass die Informationspolitik von Bundesregierung und Stiko viele Menschen verunsichert hätte. „Wir hatten das Ziel, bis heute 85 Prozent der Bevölkerung zu impfen“, so Jensen. „Das hätten wir von den Kapazitäten her auch geschafft, aber die Leute waren verängstigt und kamen nicht mehr.“

Schließung der Impfzentren zum jetzigen Zeitpunkt ein Fehler

Jörn Jepsen hält die Schließung der Impfzentren zum jetzigen Zeitpunkt für einen Fehler, zumal der Landkreis mit einer Impfquote von 59,96 Prozent von vollständig Geimpften deutlich unter dem Durchschnitt des Landes Niedersachsen liegt. Dort liegt die Quote vollständig Geimpfter bei 64,4 Prozent. Gemeinsam mit Landrat Rainer Rempe hatte sich der ärztliche Leiter für eine Öffnung der Impfzentren bis Ende des Jahres eingesetzt. Doch das Land Niedersachsen lehnte ab. „Dabei ist der Bedarf nach einem schnellen, unkompliziertem Impfangebot deutliche spürbar. „Wir hatten in den vergangenen Tagen hier in Buchholz volles Haus“, so Jepsen. „Es sind vor allem die Zwölf- bis 18-Jährigen, die jetzt kommen.“

Diese müssen sich nun an ihre Hausärzte wenden, denn die Verantwortung für das Impftempo und den Impferfolg liegt künftig ausschließlich bei den niedergelassenen Ärzten, unterstützt durch Krankenhäuser und mobile Impfteams. Im Landkreis Harburg werden dafür bis März vier mobile Impfteams, zwei von den Johannitern, zwei vom DRK, eingesetzt. Beim Gesundheitsamt des Landkreises Stade laufen aktuell die Vorbereitungen mit einem mobilen Impfteam weiter zu arbeiten und in Lüneburg bieten die Hilfsorganisationen ASB und DRK unter Federführung des Landkreises mobile Impfaktionen an.

Im Landkreis Harburg wird es neben Impfaktionen auf Wochenmärkten, bei Veranstaltungen und vor Schulen zudem ab Ende Oktober einen Impfhotspot in den Buchholzer Höfen geben. Die Räumlichkeiten dafür stellt der Vermieter kostenfrei zur Verfügung.