Gewerbeflächen werden knapp

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Axel Tiedemann
Wie eine kleine Speicherstadt: In der riesigen Halle sollen unter anderem Trockenfrüchte gelagert werden- Die 18.000-Quadratmter große Dachfläche wird für Photovoltaik genutzt. Hier der Blick von Westen, von der B 3 neu in Neu Wulmstorf

Wie eine kleine Speicherstadt: In der riesigen Halle sollen unter anderem Trockenfrüchte gelagert werden- Die 18.000-Quadratmter große Dachfläche wird für Photovoltaik genutzt. Hier der Blick von Westen, von der B 3 neu in Neu Wulmstorf

Foto: laren estate GmbH / HA

Öko-Hallenkomplex auf letztem größeren freien Areal in Neu Wulmstorf vor Fertigstellung. Nur – wo ist noch Platz für weitere Gebiete?

Neu Wulmstorf.  Vor einem Jahr waren dort zunächst nur gigantische Betonsäulen zu sehen, seit einiger Zeit nun ist der mächtige, blaue Hallenkomplex an der B 3-Neu in Neu Wulmstorf nahezu fertig erstellt. Dort will der bisher in Harburg ansässige Speditions- und Umschlagsbetrieb Kroop & Co. künftig Trockenfrüchte, Lebensmittel-Rohstoffe oder auch pharmazeutische Grundstoffe lagern. Der neue Unternehmenssitz soll zudem mit Erdwärme-Sonden und Eigenstrom-Erzeugung auf dem Dach ökologische Maßstäbe im Gewerbebau setzen. Die komplette Dachfläche wird dazu auch begrünt und auf diese Weise zur Kühlung im Sommer und zur Wärmedämmung im Winter eingesetzt. Fossile Brennstoffe, so ist geplant, wird der Neubau daher nur für Energiespitzen benötigen. „Eco-Hub“ – so lautet dann auch die Bezeichnung der Planer des Projektentwicklers Laren Estate.

Die Einweihung ist nach Unternehmensangaben jetzt aktuell für Ende Oktober geplant, der eigentliche Umzug Mitte November – pandemiebedingt etwa sechs Wochen später als zunächst geplant. Das immerhin 46.000 Quadratmeter große Grundstück im zentralen Gewerbegebiet des Kernorts gilt zugleich als bisher letzte freie Gewerbefläche der Gemeinde. Jedenfalls als letzte unbebaute Fläche. Nach der Insolvenz des Neu Wulmstorfer Fleischproduzenten Schwarz-Cranz dürfte auch das Schwarz-Grundstück für andere Unternehmen interessant sein, doch bisher ist nach Auskunft der Gemeinde nicht bekannt, was dort geplant ist. „Wir haben dazu keine Informationen“, sagt Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD).

In Neu Wulmstorf wird es in Zukunft für Gewerbebetriebe schwierig mit der Ansiedlung

Damit dürfte es für Gewerbebetriebe eng in Neu Wulmstorf werden, wenn sie sich in der Gemeinde aktuell neu ansiedeln oder erweitern wollen. Zwar ist im Ortsteil Elstorf derzeit ein neues Gewerbegebiet in Planung, doch die Umsetzung dort stockt offensichtlich und erste heimische Betriebe sind bereits ins nahe Buxtehuder Gewerbegebiet abgewandert. Die Entwicklung des gut zehn Hektar großen Areals an der B 3 hat die Wirtschaftsförderung des Landkreises Harburg (WLH) 2019 übernommen, 2021 sollte die Umsetzung erfolgt sein, hieß es zunächst.

Doch der WLH kamen zwei Umständen in die Quere: Zunächst war es auch die Corona-Pandemie, die zu Verzögerungen führte, wie der stellvertretende WLH-Geschäftsführer René Meyer sagt. Ein weiteres Problem ist zudem der Umstand, dass die Fläche noch verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben gehört. Um sie zum Verkauf zu bewegen, muss die WLH derzeit Ersatzflächen anbieten. Die Gespräche dazu gestalten sich aber offensichtlich etwas langwieriger als zunächst angenommen. Allerdings hatte es im Vorfeld auch schon warnende Stimmen gegeben, weil das geplante Gewerbegebiet eben Ackerflächen von manchen Landwirten zerschneiden würde.

Wirtschaftsförderung bemüht sich um weitere Flächen für Betriebe

Die eigentliche Vermarktung könne aber erst beginnen, wenn das Grundstück voll erschlossen ist, so Meyer, der nun mit einer voraussichtlichen Umsetzung des Projekts im Frühjahr 2024 und mit einer guten Nachfrage rechnet. „Viele Betriebe suchen im Süden Hamburgs nach Flächen“, so Meyer. Um so bedauerlicher aus Neu Wulmstorfer Sicht, dass sich ein weiteres Gewerbeflächen-Projekt sogar überhaupt nicht umsetzen lässt derzeit. So wollte die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der WLH zusätzlich das Gewerbegebiet in Mienenbüttel erweitern. Doch das scheiterte jetzt, weil Verkehrsplaner massive Bedenken angemeldet hatten.

So sei der Knotenpunkt an der nahen A 1-Anschlussstelle Rade im Bereich der B 3 schon jetzt voll ausgelastet, hieß es. Eine Erweiterung der Fläche würde die Situation noch verschärfen. „Man müsste die Abfahrt dann ausbauen und die Brücke verbreitern – das würde aber viel zu teuer werden“, begründet nun WLH-Vize-Geschäftsführer Meyer den vorläufigen Abschied von Erweiterungsplänen im Ortsteil Mienenbüttel.