Bürgermeisterwechsel

Seevetaler Bürgermeisterin zieht Bilanz ihrer Amtszeit

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Lena Thiele
Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen in ihrem Büro. Das Bild hat eine lokale Künstlerin gemalt.

Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen in ihrem Büro. Das Bild hat eine lokale Künstlerin gemalt.

Foto: Lena Thiele / HA

Martina Oertzen war acht Jahre Bürgermeisterin der Gemeinde Seevetal. Nun steht ihre Nachfolgerin fest und sie zieht ein Resümee

Hittfeld.  Eine Sache ist ihr wichtig, nach acht Jahren an der Spitze der Seevetaler Verwaltung, nach vielen Diskussionen über Bauprojekte, Kitaplätze, Gewerbeflächen und die Decatur-Brücke. „Ich bin jeden Tag gern hergekommen“, sagt Martina Oertzen und deutet mit dem Arm einen Halbkreis an, durch ihr Büro im Rathaus in Hittfeld.

Zum 31. Oktober wird die Bürgermeisterin, die aus persönlichen Gründen nicht erneut zur Wahl angetreten ist, sich aus dem Rathaus verabschieden. Es ist daher Zeit für einen Rückblick auf die Erfolge, Enttäuschungen, Errungenschaften und Erkenntnisse der vergangenen acht Jahre.

Oertzen: Was sie 2013 versprochen habe, konnte sie umgesetzen

Mit ihrer Bilanz ist Martina Oertzen zufrieden. Das meiste von dem, was sie bei ihrem Amtsantritt 2013 versprochen hatte, habe sie umgesetzt. „Hier“, sagt die 57-Jährige, holt ein gefaltetes Infoblatt aus ihrem damaligen Wahlkampf hervor und liest einige Stichpunkte vor. „Stärkung des Mittelstands, Kampf gegen die Verlärmung, Modernisierung der Verwaltung, Schaffung einer generationenübergreifenden Gemeinde.“ Besonders der letzte Punkt sei ihr eine Herzensangelegenheit. „Ich möchte eine Vision hinterlassen.“ Darin leben alte Menschen weiterhin in ihren Wunschorten und bleiben eingebunden in das Leben mit den jüngeren Generationen.

Im Laufe der Jahre hat Martina Oertzen beobachtet, wie sich die Bedürfnisse verschoben haben. „Ganz am Anfang gab es viele junge Familien, die eine Betreuung für ihre Kinder brauchten.“ Seitdem wurden 414 neue Kitaplätze geschaffen und auch bei der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen ist Seevetal bereits gut aufgestellt. Abgeschlossen ist das Thema der Bürgermeisterin zufolge zwar noch nicht. „Mittlerweile kommen aber immer mehr ältere Menschen in meine Bürgersprechstunde, die eine Wohnmöglichkeit vor Ort einfordern.“

Für sie sind in den vergangenen Jahren neben einem Pflegeheim in Meckelfeld mehrere Anlagen mit seniorengerechten Wohnungen entstanden, in Fleestedt eröffnet demnächst eine Seniorenresidenz. Dass sich die Entwicklung des Quartiers am Göhlenbach in Hittfeld lange verzögert hat, bedauert Oertzen. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir schon weiter wären.“ Auch die kleineren Orte hat die Bürgermeisterin, die selbst in Ohlendorf lebt, im Blick. „Ich hoffe, dass ich noch die Weichen stellen kann für ein seniorengerechtes Leben im Süden Seevetals.“ Eine drohende Verstädterung durch die Neubauprojekte sieht sie nicht. Die Entwicklung sei mit „absolutem Augenmaß“ vorangegangen.

Gewerbeentwicklung: „Ich bin immer pro Wirtschaft gewesen"

Dass sie die regionalen Wirtschaftsunternehmen als unverzichtbares Rückgrat der Gemeinde versteht, daran lässt die Bürgermeisterin keinen Zweifel. „Ich bin immer pro Wirtschaft gewesen.“ Stolz ist sie auf die erfolgreiche Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Beckedorfer Bogen, auch die kleineren Gebiete Unner de Bult und Bosteler Feld hätten sich ohne Werbung schnell gefüllt. Das größte Problem sei derzeit, dass es keine freien Flächen gibt. „Viele Firmen wollen expandieren, aber wir können ihnen nichts anbieten. Wir haben hier in Seevetal wirklich einen Flow. Aber momentan herrscht Stillstand.“

Zu den Erfolgen ihrer Amtszeit zählt Martina Oertzen auch das Engagement in puncto Klimaschutz. Zahlreiche Gebäude der Gemeinde seien mit Blockheizkraftwerken ausgestattet. Das bedeutet für das Schwimmbad in Hittfeld eine Verringerung der Strom- und Wärmekosten um etwa 25 Prozent. Sowohl für den Klimaschutz als auch für die Lebensqualität der Menschen seien gute Bus- und Bahnverbindungen wichtig, sagt die Bürgermeisterin, in deren Amtszeit die Park-and-Ride-Anlage am Hittfelder Bahnhof fertig gestellt wurde. „Immer mehr Menschen wollen umsteigen, doch die Züge sind oft voll oder fahren nicht und es fehlen weitere Verbindungen.“ Während hier zum Beispiel alte Bahnstrecken reaktiviert werden sollen, ist bei einem anderen Verkehrsproblem keine Lösung in Sicht. „Die Pläne für eine Rastanlage in Meckelfeld sind völlig inakzeptabel“, sagt Oertzen. „Die Menschen dort sind gebeutelt von Lärm.“

"Ich war grottenunglücklich über Dauerthema Decatur-Brücke"

Licht am Ende des Tunnels ist dagegen beim Dauerthema Decatur-Brücke zu erkennen – auch wenn die Bürgermeisterin manchmal gezweifelt hat. „Das war ein langer Weg. Ich war grottenunglücklich und dachte, das wird nichts mehr.“ Der Gemeinderat hatte 2017 schon den Abriss der Brücke am Rangierbahnhof Maschen beschlossen. In diesem Jahr kam die Nachricht, dass eine Sanierung doch möglich ist. Für 15 Millionen Euro soll das Bauwerk ertüchtigt werden, möglich machen dies Fördermittel des Landes.

Eines der größten Projekte in ihrer Amtszeit war der Bau des Sportzentrums Seevetal für etwa sieben Millionen Euro. Im Juni 2016 weihte die Bürgermeisterin den Neubau ein. Ebenfalls etwa sieben Millionen Euro hat die Sanierung der Burg Seevetal gekostet, die Ende 2018 abgeschlossen wurde. In dem Veranstaltungszentrum sieht Martina Oertzen großes Potenzial. „Ich wünsche mir, dass wir das in der Zukunft noch viel mehr nutzen, als Kongresszentrum, für Kultur und andere Veranstaltungen. Die technische Ausstattung ist toll.“

Neben diesen außergewöhnlichen Investitionen hat die Gemeinde viele vorgegebene Aufgaben zu finanzieren. „Die Ausgaben sind weitgehend gesetzt. Deshalb müssen die Einnahmen stimmen“, sagt Oertzen und betont die Wichtigkeit einer gründlichen Finanzplanung. „Die Bilanz ist für mich wie die Bibel.“ Es dürfte jedoch nicht immer neue Aufgaben geben. Die Kommunen dürften nicht überfordert werden.

Amtsinhaberin versteht das Rathaus als Dienstleistungszentrum

Dabei sieht sie die Verwaltung mit ihren etwa 320 Mitarbeitern gut aufgestellt, auch dank einer umfassenden Modernisierung in den vergangenen Jahren und der Entwicklung einer Unternehmenskultur. „Wir stellen die Bürger und die Mitarbeiter in den Mittelpunkt“, sagt Oertzen, die das Rathaus als Dienstleistungszentrum versteht. Die Menschen wollten heute gut informiert sein. „Die Kommunikation ist schneller geworden. Dass der Ton dabei auch mal rauer wird, damit müssen wir umgehen können.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr das Jahr 2015, als zahlreiche Flüchtlinge das Land erreichten. „Wie viele Menschen sich damals bereit erklärt haben, zu helfen, das hat mich beeindruckt“, sagt die Bürgermeisterin und betont, dass auch heute noch zahlreiche Seevetaler andere Menschen und Projekte ehrenamtlich unterstützen. „Hätten wir das Ehrenamt in all diesen Bereichen nicht, wäre Seevetal nur halb so schön.“

Sie selbst will die Zeit nach dem Amt möglicherweise nutzen, um sich ehrenamtlich um Menschen mit Demenz zu kümmern. Zudem macht sie künftig im Kreistag Politik. Auf jeden Fall wird sie in Seevetal bleiben. „Ich freue mich auf ein bisschen mehr Freizeit und lasse die Dinge auf mich zukommen.“