Landkreis Harburg

Wie ein Dorf sein Gasthaus auf dem Land retten will

| Lesedauer: 5 Minuten
Rolf Zamponi und Sven Bleilefens
Die Initiatoren zur Genossenschaft Jan-Hinnerk Meinen (l.) und Jörg Fischer stehen probehalber schon mal hinter dem Tresen.

Die Initiatoren zur Genossenschaft Jan-Hinnerk Meinen (l.) und Jörg Fischer stehen probehalber schon mal hinter dem Tresen.

Foto: Rolf Zamponi

In Harmstorf entsteht eine Genossenschaft, um Maack`s Gasthaus wieder neu zu eröffnen. Bürger sollen Anteile zeichnen.

Harmstorf.  Das Gasthaus Maack in Harmstorf soll künftig wieder für Gäste offen stehen. Das will die Genossenschaft „Uns Harmstörp“ erreichen, die am kommenden Freitag, 1. Oktober, gegründet werden soll. Schon jetzt haben sich mehr als 30 Unterstützer zusammen gefunden, die das Projekt vorantreiben. „Zur Gründungsversammlung im Gasthaus ab 19 Uhr erwarten wir eine dreistellige Zahl von Interessenten, die dann Genossen werden können“, sagt Jan-Hinnerk Meinen, einer der Initiatoren. Derzeit ist Maack´s Gasthaus geschlossen.

Hintergrund dafür ist, dass Wirtin Gabriele Meyer vor allem aus gesundheitlichen Gründen einen Schlussstrich ziehen musste. Zudem war weder aus der Familie noch aus der Branche ein Nachfolger in Sicht. „Anfang Oktober soll das Gebäude nun zur Übergabe an die Gemeinde frei sein“, sagt Meyer.

Gemeinde hat das Gasthaus und die umliegenden Parkplätze gekauft

Nach dem Kauf des Hauses und des Geländes mit den Parkplätzen durch die Gemeinde hat die künftige Genossenschaft zum Start einen großen Vorteil. Sie muss kein Geld für den Erwerb aufbringen. Als deutlich wurde, dass Meyer und ihre Mutter Hildegard nicht mehr weitermachen würden, hatte sich auch der Gemeinderat mit dem Thema befasst. „Wir wollten die Sache nicht einfach laufen lassen“, sagt Meinen, der für die Freie Wählergemeinschaft Harmstorf auch nach der Kommunalwahl wieder im Rat sitzt. Ergebnis: Es gab einen einstimmigen Beschluss des Rates für den Kauf des Gebäudes. Es soll als Sacheinlage in die geplante Genossenschaft eingebracht werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Nun sind die Bürger am Zug. „Wir wollen einen elementaren Bestandteil des Dorfes erhalten, in dem Firmen- und Familienfeste wie Hochzeiten ihren Platz fanden und sich Jäger, Angler oder eine Plattdeutsche Runde trafen“, sagt Jörg Fischer, der wie Meinen zur der Initiatoren der Genossenschaft zählt. Der Preis für die Beteiligung steht fest. Ein Anteil soll 1000 Euro kosten. Das Geld soll für notwendige Arbeiten bereitstehen, die sich aus dem Konzept eines künftigen Pächters ergeben.

Es haben schon zukünftige Pächter Interesse an Maack’s Gasthaus angemeldet

„Es haben sich schon Interessenten gemeldet. Alles ist aber noch offen“, sagt Meinen. Gewünscht ist einen regelmäßiger Gastbetrieb über vier bis sechs Tage in der Woche. Zudem soll der Saal, der 80 bis 120 Gäste fasst, nutzbar sein und die einzelnen Gruppen sollen wieder dort zusammen kommen können. „Wir suchen nach einem Pächter. Er muss entscheiden, ob er mit der vorhandenen Ausstattung anfangen oder erst noch ändern oder modernisieren will“, sagt Fischer, der ebenfalls für die FWG in den Rat gewählt wurde.

Klar ist für Fischer und Meinen: Die Gründung der Genossenschaft wird klappen. Am Abend des 1. Oktobers müssen neben dem Grundsatzbeschluss der Aufsichtsrat gewählt und ein fünfköpfiger Vorstand bestimmt werden, der die Geschäfts führen wird. Der Aufsichtsrat soll zehn Personen umfassen, um so alle Gruppen im Dorf zu beteiligen. Für den Vorstand stehen neben den beiden Initiatoren selbstständige Unternehmer und Menschen mit Führungserfahrungen aus der Gastronomie bereit. Weitere Namen werden noch nicht genannt. Die Gemeinde erhält einen Sitz im Aufsichtsrat. Über die Besetzung soll heute im Gemeinderat entschieden werden. Möglich, dass Harmstorfs Bürgermeister Andreas Maack einzieht. Er hatte sich ebenfalls für das Projekt engagiert.

Das Gasthaus hat eine günstige Lage direkt an einer vielbefahrenen Landstraße

Die Chancen für einen neuen Pächter scheinen in Harmstorf zunächst nicht schlecht. Das Gasthaus steht an der L 213, der meistbefahrenen Landstraße Nordniedersachsens, ist von den Autobahnen 1 und 7 rasch zu erreichen und zudem führt der Seeve-Radweg am Grundstück vorbei. Vor Ort gibt es eine der wenigen Kegelbahnen der Region und der Saal ist für Privatfeiern nicht zu groß. Wer um das Haus herumläuft, entdeckt an der Rückseite genug Platz für weitere Parkplätze oder für eine Außenterrasse in Süd/West-Richtung. „Dort könnten,“ ist Fischer überzeugt, „künftige Gäste laue Abende genießen.“

Im Landkreis Pinneberg gibt es ein Beispiel für eine gelungene Kneipen-Rettung

Ein erfolgreiche Rettung gelang 2019 in Hetlingen im Kreis Pinnberg für die örtliche Kneipe „Op de Deel“. Zwei Jahre zuvor war das Gasthaus noch abrissbedroht, stand zum Verkauf. Doch 14 Dorfbewohner schlossen sich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zusammen, um den sozialen Treffpunkt nicht zu verlieren. Möglichst viel sollte in Eigenleistung saniert werden, jeden Sonnabend wurde gemeinsam angepackt. Die anvisierte Investitionssumme von einer halben Million Euro reichte aus. Anschließend wurde an den Gastronom Andreas Sparwirth verpachtet. Dieser stattete das „Op de Deel“ mit antiken Möbelstücken aus, die nun unter alten Stützbalken für ein besonderes Flair sorgen. Seit November 2019 ist das Gasthaus wieder offen.

Wie schnell in Harmstorf ein Pächter gefunden und wieder eröffnet werden kann, lässt sich noch nicht abschätzen. „Wir wollen mit dem Gasthaus die soziale Gemeinschaft im Dorf und von Menschen stärken, die dem Dorf zugewandt sind“, gibt Meinen das Ziel vor. Genau dafür steht die Genossenschaft „Uns Harmstörp.“