Kultur in der Pandemie

Diese Kulturzentren der Region planen jetzt mit 2G-Modell

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Lena Thiele
Die Empore Buchholz hat 516 Sitzplätze im großen Saal. Künftig sollen alle wieder besetzt werden können.

Die Empore Buchholz hat 516 Sitzplätze im großen Saal. Künftig sollen alle wieder besetzt werden können.

Foto: Rolf Zamponi

Einige Veranstaltungen sind in der Empore Buchholznur für Geimpfte und Genesene geöffnet. Auch das Theater Lüneburg wagt Test.

Buchholz/Lüneburg/Stade.  Wenn Stefan Gwildis am 13. Oktober auf die Bühne der Buchholzer Empore tritt, können die Konzertbesucher für einige Stunden vergessen, dass in der Welt draußen noch immer eine Corona-Pandemie herrscht. Keine Maske, kein Abstand, alle Plätze könnten besetzt sein – allerdings erhalten nur Menschen Einlass, die entweder doppelt geimpft oder bereits genesen sind. Möglich macht dies eine neue Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen.

Das sogenannte 2G-Modell soll von Mitte Oktober an in der Empore gelten. Grund dafür sind vor allem wirtschaftliche Überlegungen und das Ziel, sowohl dem Veranstaltungshaus als auch den auftretenden Künstlern nach mehr als anderthalb Jahren wieder Einnahmen zu sichern.

Alternative gibt es für größere Veranstaltungen in Niedersachsen nicht

„Wir hätten uns eine andere Möglichkeit gewünscht, diese Alternative gibt es aber für größere Veranstaltungen in Niedersachsen nur mit erheblichen Einschränkungen wie Platzsperrungen und Maskenpflicht“, sagt Empore-Chef Onne Hennecke. „Insbesondere der Verlust von bis zu 60 Prozent der Sitzplätze führt dann bei fast allen Künstlern aus wirtschaftlichen Gründen zu Absagen und zum erneuten Ausfall der meisten Veranstaltungen bis Frühjahr 2022.“

Das Best-of-Konzert von Stefan Gwildis mit Piano und Streichern wurde bereits zweimal verschoben. Für den aktuellen Termin sind bisher etwa 400 Karten verkauft. Wer unter den 2G-Bedingungen nicht kommen will, kann seine Karte zurückgeben und erhält den Kaufpreis erstatte. Ähnliches gilt für die Auftritte von Annett Louisan am 21. Oktober, RIO – Elvis am 22. Oktober und Lisa Feller am 4. November.

Hennecke rechnet jedoch nicht damit, dass dies viele Konzertbesucher nutzen werden. Beim Sommer-Open-Air der Empore habe sich bereits eine hohe Impfquote bei den Besuchern gezeigt, mehr als 90 Prozent der insgesamt rund 2500 Besucher legten eine Impfbescheinigung vor. „Die Pandemie betrifft jetzt die freiwillig Ungeimpften“, sagt Hennecke. „Es wäre unverhältnismäßig, deshalb Künstler und Veranstalter ein weiteres Jahr leiden zu lassen.“

Veranstalter Hennecke hofft: "Es wird fast sein wie früher"

Er verweist darauf, dass sich geimpfte und genesene Personen nur in sehr wenigen Fällen infizieren und das Virus auch nur sehr selten weitergeben. „Insofern bietet die 2G-Regel einen hohen Schutzstandard, bei dem wir auf Abstände und auch auf Masken verzichten können“, sagt Hennecke. „Dies ist eine große Erleichterung für alle Gäste und es wird fast sein wie früher.“ Da Kinder und Schüler, die in der Schule regelmäßig getestet werden, ausgenommen sind, sind auch die Weihnachtsmärchen ohne Einschränkungen möglich. Ebenso werden die Theater-Abonnements nach einem Jahr Pause wieder angeboten.

In anderen, öffentlichen Kulturhäusern in der Region gilt dagegen vorerst weiterhin die 3G-Regel: Außer vollständig Geimpften und Genesenen haben in diesem Modell auch Menschen Zutritt, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Dafür müssen Abstände eingehalten und teilweise Masken getragen werden.

Besucher des Theaters Lüneburg brauchen Nachweis

So müssen die Besucher im Theater Lüneburg einen entsprechenden Nachweis sowie ihren Ausweis mitbringen. Auch hier sind Kinder und getestete Schüler unter 18 Jahren ausgenommen. Zur Kontaktnachverfolgung wird die Luca-App genutzt, es können aber auch Zettel ausgefüllt werden. Die Gesundheit der Besucher und Mitarbeiter stehe an erster Stelle, heißt es aus dem Theater. Die Vorstellungen finden daher mit einem ausgefeilten Sicherheitskonzept statt. Die Belegung des Saals erfolgt im Schachbrettmuster, sodass die Abstände zwischen den Besuchern gewahrt werden. Um möglichst viele Gäste einlassen zu können, ist die Zahl der Einzelplätze im Theatersaal begrenzt. Im Theater gelten weiterhin die Abstandsregeln und die Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes. Dieser kann mit Beginn der Vorstellung abgenommen werden.

Allerdings plant das Theater für Oktober einen Testlauf mit dem neuen Modell. Für zwei ausgewählte Vorstellungen im Großen Haus gilt dann die 2G-Regel: „Macbeth“ am 17. Oktober um 19 Uhr sowie „Der Nussknacker“ am 23. Oktober um 20 Uhr. „Für das Theatererlebnis bedeutet das einen erheblichen Schritt in Richtung Normalität“, sagt Violaine Kozycki, Sprecherin des Theater Lüneburg. „Es fallen die Abstandsgebote und die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung weg. Die Gesamtkapazität der Plätze wird angeboten, das bedeutet, dass man gegebenenfalls wieder neben einem anderen Zuschauer sitzt.“ Der Einlass in das Theater beginnt jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorstellung.

Im Stadeum in Stade gilt bei Veranstaltungen 3G-Regel

Im Stadeum in Stade gilt zurzeit bei den hauseigenen Veranstaltungen weiterhin die 3G-Regel. Bei wenigen einzelnen Ausnahmen wird das Publikum auch ohne Abstand gesetzt, dann gilt eine Maskenpflicht am Platz. „Wir haben die Tickets bis zum Ende des Jahres unter dieser Voraussetzung – also 3G mit Abstand und ohne Maske – verkauft. Deshalb erscheint es uns schwierig, ad hoc komplett auf das 2G-Modell umzustellen“, sagt Sprecherin Lea Redlich. „Wir behalten jedoch die aktuellen Entwicklungen im Auge und justieren bei Bedarf nach.“

Doch auch im Stadeum wird es wahrscheinlich einzelne Veranstaltungen mit 2G geben. „Dies wird beispielsweise bei Stehkonzerten der Fall sein, die nur ohne Abstand denkbar sind“, so Redlich. Das neue 2G-Modell mache derartige Veranstaltungen überhaupt erst wieder möglich. Auch private Veranstalter im Stadeum entscheiden selbst, welches Modell sie wählen.