Baustellenführung

Jesterburger Kunststätte: Sanierer finden verborgene Fenster

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Beim Entfernen der Keramikelemente brachten die Restaurierer verborgene Fenster ans Tageslicht.

Beim Entfernen der Keramikelemente brachten die Restaurierer verborgene Fenster ans Tageslicht.

Foto: Kunststätte Bossard / HA

Restaurierungsarbeit am Bossard bringt auch für die Fachleute neue Erkenntnisse über den Tempel und seinen Erbauer

Jesteburg.  Es wird dokumentiert, verfugt und poliert. Die Restaurierungsarbeiten am Kunsttempel der Kunststätte Bossard sind in vollem Gange. Täglich können Besucher die Restauratoren auf dem Baugerüst beobachten. „Wir freuen uns, dass wir mit den Arbeiten im Zeit-und Kostenrahmen liegen“, so die Leiterin der Kunststätte, Heike Duisberg-Schleier.

Begeistert fügt sie hinzu: „Während der laufenden Arbeiten lernen wir mehr über die Geschichte des Kunsttempels und bemerken unbekannte oder vergessene Einzelheiten. Unsere jüngste Entdeckung ist Zeugnis für den schöpferischen Prozess, den Johann Michael Bossard durchlebte. Bei der Abnahme dreier großer Bauplastiken an der Südseite des Kunsttempels wurden verborgene und vergessene Fenster freigelegt.“

Historische Aufnahmen zeigen Fenster an der Südseite

Historische Fotoaufnahmen des Kunsttempels zeigen die Fenster an der Südseite des 1929 fertig gestellten Kunsttempels. Wann und warum Johann Bossard die Fenster zu späterer Zeit verdeckt hat, lässt sich bisher nur vermuten. Die Restauratorin der Kunststätte Bossard, Stefanie Nagel, findet eine Erklärung dafür: „Johann Bossard hat drei Bildprogramme, die sogenannten Tempelzyklen, für die Innengestaltung des Kunsttempels entworfen. Während an der Ost -und Westseite die Fenster immer in die Gestaltung mit eingebunden werden, sind die Fenster an der Südseite in keinem der drei Zyklen relevant. Bereits im aktuell ausgestellten zweiten Tempelzyklus sind an der Südseite im Bildprogramm keine Aussparungen für Fenster vorgesehen. Im dritten Zyklus setzt Bossard auf das Lichtspiel an der Ost und Westseite und sieht im Konzept für das Bildprogramm an der Südseite keine Fenster vor.“

Bossard hat möglicherweise Anfang der 1930er Jahre die Entscheidung getroffen, nachträglich Änderungen an seinem Entwurf des Kunsttempels vorzunehmen. Er belässt die Fenster an ihrem Ort und nutzt die entstandene Nische. Die Keramiken setzt er im Verbund mit dem Mauerwerk. Damit ist klar, dass die Fenster nicht mehr genutzt werden und Bossard hier eine endgültige Entscheidung für die Gestaltung des Kunsttempels getroffen hat.

Die drei Fenster werden jetzt im Zuge der Restaurierung geborgen und als historische Bauelemente des Kunsttempels archiviert. Sie werden so konserviert, dass sie Teil eines Ausstellungskonzeptes für die Baugeschichte des Kunststempels werden können. Da Johann Bossard die endgültige Gestaltung des Bauwerks noch in bauzeitlicher Entstehung entschieden hat, werden die Bauplastiken im Zuge der Restaurierung wieder montiert.

Sanierung der Kunststätte Bossard kostet rund 688.000 Euro

Die Sanierung der Kunststätte kostet rund 688.000 Euro und wird vor allem aus Fördermitteln bezahlt. Daran beteiligt sind der Bund, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, der Freundeskreis der Kunststätte Bossard, die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, die Niedersächsische Sparkassenstiftung sowie die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude.

Wer sich für die Arbeiten im Wald bei Jesteburg interessiert, kann an Führungen über die Baustelle teilnehmen, die jeweils donnerstags und sonnabends um 15 Uhr beginnen. Anmeldung unter Tel. 04183/5112 oder per E-Mail an info@bossard.de. Die Sanierungs-Führungen kosten vier Euro pro Person. Weitere Informationen über die Kunststätte unter www.bossard.de.

( HA )