Verkehrsberuhigung

So wollen Emmelndorfer Raser stoppen

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Lena Thiele
Ein Teil des Natenbergwegs in Emmelndorf ist Tempo-30-Zone, viele Autofahrer sind hier zu schnell unterwegs. Das hat eine Messung der Gemeinde ergeben. Anwohner fordern eine Verkehrsberuhigung.

Ein Teil des Natenbergwegs in Emmelndorf ist Tempo-30-Zone, viele Autofahrer sind hier zu schnell unterwegs. Das hat eine Messung der Gemeinde ergeben. Anwohner fordern eine Verkehrsberuhigung.

Foto: Lena Thiele

Im Natenbergweg gilt eigentlich weitgehend Tempo 30 – doch viele Autofahrer halten sich nicht daran.

Emmelndorf. Anwohner mehrerer Wohnstraßen in Emmelndorf fordern mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer vor ihren Haustüren. An den Straßen Natenbergweg, Natenhöhe und Hohlweg gilt zwar teilweise ein Tempo-30-Limit. „Aber kaum ein Autofahrer hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung“, heißt es in einem Brief der Anwohner an die Gemeinde Seevetal. Unterschrieben haben ihn 17 Familien aus den besagten Straßen.

Die bisherigen „30“-Markierungen auf der Fahrbahn reichen aus ihrer Sicht nicht aus, um den Verkehr auszubremsen. Vielmehr wünschen sie sich aufblinkende Schilder, die die Durchfahrenden auf ihre aktuelle Geschwindigkeit hinweisen, Pflanzenkübel und Radarkontrollen durch die Polizei.

Natenbergweg dient auch als Durchgangsstraße in Richtung Golfplatz

Insbesondere der Natenbergweg werde nicht nur von den Anliegern, sondern auch als Durchgangsstraße in Richtung Golfplatz, Metzendorf, Woxdorf und Emmelndorf genutzt. Zahlreiche Autofahrer seien dabei viel zu schnell unterwegs, so die Anwohner. „Wir beobachten zunehmend Raser, die mit 60 bis 80 Kilometer pro Stunde über die Straßen brettern, häufig auch, wenn Fußgänger den angedeuteten gepflasterten Fußweg benutzen.“

Dieser werde zudem von vielen Autofahrern auch zum Ausweichen genutzt, wenn es auf der Straße eng wird. Weil dort auch viele ältere Menschen und Schulkinder auf den Straßen unterwegs sind, müsse dringend etwas passieren, fordern die Anwohner Bürgermeisterin Martina Oertzen auf. „Die Situation ist unerträglich und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich ein gravierender Unfall ereignet.“

Der Brief war bereits im Mai bei der Verwaltung in Hittfeld eingegangen. Daraufhin gab es eine Geschwindigkeitsmessung am Natenbergweg. Pro Tag wurden dabei etwa 800 Fahrzeuge registriert. Das Ergebnis: Die für eine solche Messung maßgebliche Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der Fahrzeuge eingehalten wurde, lag bei rund 45 Kilometer pro Stunde. Dies sei für eine Tempo-30-Zone zu hoch, so das Fazit der Verwaltung.

Auffällig viele Unfälle gab es in diesem Bereich bisher nicht

Auffällig viele Unfälle gab es in diesem Bereich bisher allerdings nicht. Im Tempo-30-Abschnitt des Natenbergwegs wurden in den vergangenen drei Jahren keine Unfälle verzeichnet. Gleiches gilt für den Hohlweg sowie für die Straße Am Golfplatz. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre wurden insgesamt acht Unfälle gemeldet, die sich der Verwaltung zufolge jedoch auf den Abschnitt zwischen der L 213 und dem Beginn der Tempo-30-Zone beziehen. Sechs dieser Unfälle passierten an der Einmündung zum Emmelndorfer Weg und einer an der dortigen Eisenbahnunterführung.

Auf einen sogenannten Unfallhäufungspunkt wiesen diese Zahlen nicht hin, heißt es aus dem Rathaus. Dennoch wurde geprüft, wie der Verkehr in dem Bereich beruhigt werden könnte. Den Gehweg zu erhöhen und von einem Meter auf 1,50 Meter zu verbreitern, kommt demnach nicht infrage, da die Straße dafür zu schmal ist.

Ortstermin mit Ergebnis: Temposchwellen sind die sinnvollste Lösung

Bei einem Ortstermin Anfang September verständigten sich Vertreter von Landkreis, Polizei und Gemeindeverwaltung sowie die Anwohner darauf, dass sogenannte Temposchwellen die sinnvollste Lösung wären. Übergangsweise hat der Landkreis zugesagt, ein mobiles Blitzgerät dort aufzustellen. Ein Standort mit einem Schwellenpaar, eine Schwelle je Fahrtrichtung, kostet der Verwaltung zufolge etwa 1000 Euro. Somit seien Gesamtkosten für die Verkehrsberuhigung innerhalb der Tempo-30-Zone des Natenbergweg in Höhe von etwa 5000 bis 7500 Euro zu erwarten.

Die Anwohner hatten ursprünglich andere Vorschläge eingebracht, mit welchen Mitteln sich die Verkehrssicherheit erhöhen ließe. „Wir denken zunächst insbesondere an rot aufblinkende Lichtzeichen, die auf die Geschwindigkeitsübertretungen hinweisen“, schrieben sie in ihrem Brief an die Bürgermeisterin. Zudem forderten sie ein Schild mit einem Smiley, der je nach Geschwindigkeit des durchfahrenden Autos lachend oder weinend dargestellt wird. Dies habe sich zum Beispiel in einer 30er-Zone in Westerhof in der Gemeinde Rosengarten bewährt: „Das Schild hat einen erfolgreich disziplinierenden Effekt.“

Entscheidung fällt am 22. September im Wege- und Verkehrsausschuss

Darüber hinaus hatten die Anwohner rot-weiß schraffierte Flächen vorgeschlagen, auf denen zusätzlich Pflanzenkübel aufgestellt werden – ähnlich denen an der Bahnhofstraße in Alt-Emmelndorf. Solche Kübel dienen als Hindernisse im Verkehrsfluss und zwingen die Autofahrer zum langsameren Fahren. Schließlich solle die Polizei mit unregelmäßig durchgeführten Radarkontrollen mögliche Raser in den Blick nehmen. Der Wege- und Verkehrsausschuss der Gemeinde Seevetal will in seiner Sitzung am 22. September eine Entscheidung in der Sache fällen.