Bildhauersymposium

Neue Lüneburger Skulptur ist „Kunst für alle“

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Sven Bleilefens
Auf dem Stadtplatz im Lüneburger Hanseviertel steht seit Sonnabend eine Skulptur mit dem Titel rising.

Auf dem Stadtplatz im Lüneburger Hanseviertel steht seit Sonnabend eine Skulptur mit dem Titel rising.

Foto: Sven Bleilefens / HA

Das Hanseviertel erhält mit „rising“ einen Blickfang. Das Schiff ist aus einer deutsch-estnische Koproduktion entstanden.

Lüneburg.  „Also Salz kann ich da beim besten Willen nicht hineininterpretieren.“ Der neugierige Betrachter Günter Sindlinger ordnet sich eher der Fraktion „Schaum“ zu. Andere meinen Pilze, Korallen oder sogar eine Seeschlange zu erkennen. Doch der Reihe nach: Zumindest die vereinzelt als „Gerippe“ bezeichnete Stahlkonstruktion sollte ohne Grübeleien als Schiff identifiziert werden können. Bug, Mast, Segel – alles dabei. Passend zum Namen rising (engl. Erhebung, steigend) taucht es aus dem Boden hervor. Seitlich türmen sich an drei Stellen weiße Keramik-Klumpen auf, die sich aus kleinen Kügelchen zusammenzusetzen scheinen und Quelle der Ratespiele sind.

Ergebnis des internationalen Bildhauersymposiums Lüneburg

Am Sonnabend ist die vier Meter lange und drei Meter hohe Skulptur auf dem zentralen Stadtplatz des Lüneburger Hanseviertels eingeweiht worden. Sie ist das Ergebnis des ersten internationalen Bildhauersymposiums Lüneburg, welches von der Hansestadt in Kooperation mit der Sparkassenstiftung Lüneburg ausgerichtet worden war. „Es hat etwas länger gedauert, aber wir sind am Ziel“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Durch die Zusammenarbeit von Eike Eplik aus Tartu (Estland) und Simone Fezer aus dem Landkreis Lüneburg konnte ein Zeichen der Freundschaft zwischen Partnerstädten gesetzt werden. Das Werk der beiden Künstlerinnen wird von Mädge zudem als wichtiger Beitrag für den öffentlichen Raum des jungen Quartiers eingestuft. Das Schiff soll den Auftakt für einen ganzen Skulpturenpark bilden.

Bereits im Februar 2020 gab es ein erstes Treffen der beiden Künstlerinnen, die von einer Jury ausgewählt worden waren. Eplik hatte sich aus Tartu in Estland auf den Weg nach Lüneburg gemacht. Erste Ortsbesichtigung an einem tristen Wintertag, schnell stand laut Fezer der Grundgedanke fest: „Wir wollten etwas Organisches, Wachsendes, etwas Lebendiges schaffen.“

Zusammenarbeit klappte über 1800 Kilometer Distanz hinweg

Es sollte für lange Zeit das letzte Zusammentreffen der beiden Frauen sein. Pandemiebedingt durfte Eplik nicht nach Deutschland einreisen, die Aufgaben wurden verteilt. Arbeiten auf Distanz, etwa 1800 Kilometer. Ab und zu wurde eine Mail ausgetauscht. „Technisch war das eine große Herausforderung“, sagt Simone Fezer im Hinblick auf die separate Herstellung einzelner Elemente. Doch es hat funktioniert. Vor einigen Tagen reiste Eike Eplik nach Lüneburg, gemeinsam fügte das Duo die Teile zusammen. Mittlerweile ist aus einer zufälligen Zusammenarbeit ein freundschaftliches Verhältnis geworden. Der Gedanke an ein Wiedersehen in Estland liegt nahe. Simone Fezer hat dorthin ohnehin Kontakte.

In der Skulptur „rising“ ist eine moderne Auseinandersetzung mit dem Thema Hanse zu erkennen. In herausfordernden Zeiten symbolisiere das Schiff laut Simone Fezer einen „Aufbruch ins Unbekannte“. Dabei ist sowohl Eplik als auch Fezer der Wert der Natur wichtig. Dieser wird etwa in Form der Anpflanzung einiger Waldreben (Clematis) rund um das im Erdboden verschwindende Heck des Schiffes ausgedrückt. Die robusten Kletterpflanzen dürfen nach Aussagen der Künstlerinnen gerne das Schiff kapern. Es sei schließlich ein Werk im Wandel. Eplik erhofft sich, dass das Objekt in Zukunft „eine kleine Oase“ darstellen und verschiedenen Tieren Unterschlupf bieten könne. Der künstlerische Anfang ist gemacht: Eine Eidechse verkörpert die Galionsfigur, überdimensionale Insekten zieren die Keramiken.

Besondere Lage der Skulptur inmitten des Quartiers

Die Künstlerinnen freuen sich, dass sie im öffentlichen Raum „Kunst für alle“ platzieren können – sehen aber auch eine Verantwortung. „Wir machen das ja nicht für eine Galerie, die Menschen müssen hier damit leben“, unterstreicht Eike Eplik die besondere Lage inmitten des Quartiers. Die Skulptur solle den Menschen Freude bereiten, Raum zum Nachdenken bieten und die Fantasie anregen. Das kommt an. Die erste Resonanz der neugierigen Anwesenden ist positiv und auch Günter Sindlinger ist an Bord. Er zeigt sich beeindruckt von der angedeuteten Dynamik des Gebildes –Schaum hin oder her.