Verkehr Hamburg

Neuer Engpass für Auto-Pendler im Hamburger Süden befürchtet

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Rolf Zamponi
Die Elbbrücke bei Geesthacht an der B 404 soll im Sommer 2022 für cht Wochen voll gesperrt werden.

Die Elbbrücke bei Geesthacht an der B 404 soll im Sommer 2022 für cht Wochen voll gesperrt werden.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Vor Sperrung auf dem Elbübergang soll auf der A39 saniert werden. Wird das nicht rechtzeitig fertig, wären Staus programmiert.

Kreis Harburg. Für den Auto- und Lkw-Verkehr von Hamburg in Richtung Süden droht ein neuer Engpass. Das befürchten der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH), sein Pendant in Niedersachsen und Susanne Dahm, die Verkehrskoordinatorin des Landkreises Harburg.

Hintergrund sind die Planungen für die Sanierung des Elbübergangs bei Geesthacht, die im Sommer 2022 eine achtwöchige Sperrung vorsehen. Bis zum Beginn dieser Arbeiten am 4. Juli hat die neue Autobahn GmbH des Bundes (AdB) nun Arbeiten an der Autobahn 39 zwischen den Anschlussstellen Winsen-West und Winsen-Ost geplant. Sollte der Zeitplan nicht eingehalten werden, dürfte es auf dem Weg nach Süden eng werden, Staus wären programmiert.

Sanierung der Elbbrücken für Sommer 2022 vorgesehen

„Wir befürchten erhebliche Auswirkungen, wenn sich die Maßnahmen überschneiden“, sagt Dahm. Die Autobahn GmbH hält dagegen: „Wir gehen davon aus, dass alles wie geplant funktionieren wird,“ sagt Christian Merl, der Sprecher der AdB-Niederlassung Nord.

Klar ist: Die zunächst für dieses Jahr vorgesehene Sanierung der Elbbrücken an der Bundesstraße 404 ist nun für den Sommer 2022 vorgesehen. Das Projekt beginnt in diesem Oktober zunächst noch ohne Einschränkungen im Verkehr. „Wir vergeben derzeit die Aufträge“, sagt Christoph Köster, der Geschäftsbereichsleiter Erhaltung des LBV-SH in Kiel. Die Arbeiten unter Vollsperrung sind vom 4. Juli bis zum 24. August eingeplant. In diesen Wochen, parallel zu den Sommerferien in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, sind die Elbvorland- und die Wehrbrücke für acht Wochen dicht.

„Der Zeitraum ist der AdB seit November 2020 bekannt“, so Körner, dessen Landesbetrieb die Federführung für die Sanierung der Wehrbrücke hat. Immerhin investiert Schleswig-Holstein für die über die Elbe führende Brücke rund 14,7 Millionen Euro. Niedersachsen, das für die Vorlandbrücke auf seiner Seite zuständig ist, rechnet mit einer deutlich geringeren Summe. Für die Brücke und anschließende Straßenabschnitte, deren Decke saniert wird, sollen die Kosten bei einer Million Euro liegen. Köster ist überzeugt: „Wir haben ein gutes Zeitfenster gefunden.“

Grundinstandhaltung für 4,5 Kilometer zwischen Winsen-West und Winsen-Ost

Bei den länderübergreifenden Koordinierungskonferenz am 6. Mai hatte die AdB ihr eigenes Projekt auf der Autobahn 39 (A39) angekündigt. Dabei handelt es sich um die 4,5 Kilometer zwischen den Anschlussstellen Winsen-West und Winsen-Ost. „Wir haben im März festgestellt, dass sich die Maßnahmen überlappen und die AdB Niederlassung Nord, Außenstelle Lüneburg, hat sie neu eingetaktet“, sagt Merl. „Doch eher als im März 2022 können wir schon wegen der Witterung nicht beginnen. Ein weiteres Vorziehen wäre riskant.“ Zudem biete sich der Zeitraum an, weil private Auftragnehmer, Maschinen und Asphaltwerke verfügbar seien.

„Wir werden keine Überlappung beider Maßnahmen haben“, ist Merl sicher. Der Abschluss der Arbeiten ist zwar bis zum 26. Juli geplant. Die Strecke soll aber voraussichtlich vom 4. Juli an wieder freigegeben werden. Danach wird nur noch die Rastanlage zwischen den Anschlussstellen saniert. Geplant ist, die zwei Fahrbahnen Richtung Hamburg auf die Gegenseite zu verschwenken und den Verkehr Richtung Lüneburg auf dem Standstreifen auf einer Spur zu führen.

„Die Pläne sind optimistisch und risikobehaftet“

Die Grundinstandsetzung der Autobahn umfasst dabei die Entwässerung, den Neubau von der Schottertragschicht bis zur Fahrbahndecke, die Sicherheits- und Leiteinrichtungen sowie eben die Rastanlage. Derzeit wird mit Kosten im einstelligen Millionenbereich kalkuliert

Klappt der Zeitplan, wäre, abgesehen von Verlagerungen des Nahverkehrs in die Stadt Winsen, ein Abfluss vor allem des Pendlerverkehrs aus Hamburg möglich. Der Baustellenverkehr und die Vollsperrung lägen zeitlich nacheinander. Doch Koordinatorin Dahm hält die Pläne für „optimistisch und risikobehaftet“ zumal die Arbeiten abhängig von der Witterung seien. Wird die AdB aber nicht rechtzeitig fertig und sind die Brücken gesperrt, wäre Richtung Lüneburg nur noch die eine Spur offen.

56.000 Fahrzeuge sind an jedem Tag auf den Strecken unterwegs

„Pro Tag sind auf der B 404 über die Brücken durchschnittlich 23.000 Fahrzeuge unterwegs, auf der A39 etwa 33.000“, rechnet Dirk Möller vor, der Leiter des regionalen Geschäftsbereichs der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lüneburg. Macht knapp 28.000 Fahrzeuge in jede Richtung, von denen in Spitzenzeiten pro Stunden knapp 2800 unterwegs sein dürften. „Mit einer Fahrbahn lassen sich aber nach unseren Erfahrungen nicht mehr als 2000 Autos und Lkw bewältigen“, sagt Köster. „Wir kämen an die Grenze der Leistungsfähigkeit.“ „Eine solche Situation sollte nicht eintreten“, gibt auch Möller zu bedenken. „Wir sollten einen verträglichen Weg für beide Seiten finden.“

Der ist AdB-Sprecher Werl schon gewiss. Sollte es wider Erwarten witterungsabhängig oder durch unvorhersehbarer Ereignisse zu zeitlichen Verschiebungen kommen, werde man gemeinsam mit dem Landkreis und Schleswig-Holstein reagieren. „Wir wissen“, so Merl, „um die große Flexibilität unserer Partner.“ Flexibilität unter den Autofahrern würde dann auch nicht schaden.