Nachruf

Trauer: Neu Wulmstorfs „Mister FDP“ ist gestorben

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So kannten und schätzten ihn viele: Manfred „Manni“ Karthoff aus Neu Wulmstorf, gern mit seinem Markenzeichen: der gelbe Pullover.

So kannten und schätzten ihn viele: Manfred „Manni“ Karthoff aus Neu Wulmstorf, gern mit seinem Markenzeichen: der gelbe Pullover.

Foto: Wisser

Manfred Karthoff war Vize-Landrat und Vize-Bürgermeister und fast 50 Jahre lang aktiv in der Politik. Ein Nachruf

Neu Wulmstorf.  Der Wahlabend und schließlich die Tage danach, in denen es um mögliche Koalitionen und politischen Ziele geht wie gerade jetzt nach der niedersächsischen Kommunalwahl: Das war auch immer die Zeit des Neu Wulmstorfer Kommunalpolitikers Manfred Karthoff. Seit 2016 ist er aber schon raus aus dem aktiven Politikgeschäft, jetzt ist „Mister FDP“, wie er im Ort genannt wurde, gestorben.

„Er war ein Urgestein der Neu Wulmstorfer Politik und hat hier viel bewegt“, sagte Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD) in einer ersten Würdigung, nachdem die Gemeinde vom Tod des Politikers erfahren hatte, der fast 50 Jahre im Rat und auch im Kreistag aktiv und dabei auch langjähriger Vize-Landrat und stellvertretender Bürgermeister gewesen war.

Einer seiner wichtigsten Erfolge: Ansiedlung des Gymnasiums

Die Ansiedelung eines Gymnasiums in der aufstrebenden Gemeinde gilt beispielsweise als einer seiner wichtigsten Erfolge hier. Vor allem aber war Karthoff ein Liberaler, „Leben und Leben lassen“, nannte er einmal sein Motto. Dabei war es gar nicht die FDP, in der er seine politische Laufbahn begann, sondern die CDU. Geprägt von den Erfahrungen eines Flüchtlingskinds hatte sich der am 29. Oktober 1937 geborene Karthoff früh schon für die örtliche Politik interessiert. Seine Mutter war mit drei Söhnen aus dem westpreußischen Harnau geflohen, wo die Familie ein Kolonialwarengeschäft betrieben hatte.

1946 strandeten die Karthoffs ohne den inzwischen im Krieg gefallenen Vater zunächst in Rahmstorf bei Hollenstedt, 1955 zogen sie in die Neu Wulmstorfer Heidesiedlung um , wo sich seinerzeit viele Menschen aus dem Osten gerade eine neue Heimat schufen. Hier merkte er aber, dass das Verhältnis zwischen Flüchtlingen und Einheimischen nicht ganz einfach war. Manche Ungerechtigkeit erlebte er da im Umgang. „Das war ein Grund, warum ich in die Politik gehen wollte“, erzählte er vor einigen Jahren in einem Abendblatt-Interview.

Karthoff machte zunächst eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann, dann das Fachabitur und ging schließlich zum Zoll. 1968 kam er als 31-Jähriger für die CDU in den Kreistag, damals als mit Abstand jüngster Abgeordneter. Seine Vorstellungen von Bildungs- und Sozialpolitik eckten jedoch bei den im Kreis Harburg damals sehr konservativ geprägten Christdemokraten schnell an. In der Folge schließlich ging der Vater zweier Töchter nach einer Politikpause 1976 zur FDP.

Von „Tipp-Ex-Affäre“ und bunten Koalitionen

Für die die Liberalen schuf er in Neu Wulmstorf den im Landkreis stärksten Ortsverband und sorgte gelegentlich auch für manche Schlagzeile: So zum Beispiel im Zuge der „Tipp-Ex-Affäre“ in den 90er Jahren. Damals bildeten CDU und FDP im Kreistag eine Gruppe, die zerbrach, weil ein nicht fristgerechter CDU-Antrag offenbar in der Kreisverwaltung übermalt und vordatiert worden war. Der Vize-Landrat Karthoff verließ mit seiner FDP verärgert die Gruppe und bildete die „Smarties“, eine bunte Koalition aus SPD, Grünen, FDP und Wählergemeinschaft. Damals etwas Ungewöhnliches, heute eine denkbare Konstellation auch auf Bundesebene.

Karthoff erwies sich bei solchen Aktionen immer wieder auch als ausgebuffter Strippenzieher: „Kungeln gehört immer ein bisschen dazu. Aber fair, nicht mit dem Messer hinter dem Rücken versteckt“, erläuterte er einmal in einem Tageblatt-Interview sein Prinzip. Jetzt starb er nach längerer Krankheit – am Wahl-Sonntag.

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