Abendblatt-Serie

So sieht eine Nachhaltigkeitstour durch Lüneburg aus

| Lesedauer: 5 Minuten
Josefine Harms, Sven Bleilefens
Unverpackte Lebensmittel werden immer häufiger angeboten, wie hier in der „Plietsch“-Ecke bei Edeka-Bergmann.

Unverpackte Lebensmittel werden immer häufiger angeboten, wie hier in der „Plietsch“-Ecke bei Edeka-Bergmann.

Foto: Josefine Harms / HA

Wie nachhaltig ist die Hansestadt? Shoppen, essen gehen und sich bilden – so lässt sich ein Tag gestalten.

Lüneburg. Morgens auf dem Markt regionale Äpfel kaufen. Einen eigenen Beutel mitnehmen und ihn wiederverwenden. Nachhaltigkeit ist im Alltag vieler schon allgegenwärtig. Aber nicht nur das Bewusstsein der Verbraucher für Umweltthemen steigt. Auch immer mehr Unternehmen versuchen Nachhaltigkeit in ihr Konzept einzubauen. Wie nachhaltig ist eigentlich Lüneburg? Lässt sich hier ein Tag nachhaltig gestalten. Eine Tour durch die Hansestadt.

10 Uhr, Supermarkt: Plietschnatürlich unverpackt bietet Lebensmittel zum Selbstabfüllen an. „Alle unsere Produkte haben Bioqualität, die meisten sind direkt aus der Region. So muss man keinen Kompromiss machen, welcher Aspekt der Nachhaltigkeit einem am wichtigsten ist“, erzählt Henrik Siepelmeyer, einer der Gründer von Plietsch. Dadurch, dass die Behälter, wie hier im Edeka Bergmann, mitten im Supermarkt stehen, sind sie für alle Einkäufer erreichbar – nicht nur diejenigen, denen ökologisches Handeln sowieso wichtig ist. Das Lüneburger Unternehmen ist neun Mal in ganz Norddeutschland vertreten, darunter gibt es auch eine Kooperation mit einem Supermarkt in Neugraben.

12.30 Uhr, Bekleidungsgeschäft: Mitte August hat Linnéa Haufschild ihr Second-Hand Modegeschäft „Rudiretro“ mitten in der Lüneburger Altstadt eröffnet. Nachdem sie ihr Studium der Bekleidungstechnik in Berlin abgeschlossen hatte, zog Haufschild in die Hansestadt und stellte zu ihrer Überraschung fest, dass dort ein echter Mangel an Second-Hand-Geschäften herrschte. Kurzerhand änderte sie ihre ursprünglichen Pläne und verwirklichte das „Hirngespinst“ eines eigenen Geschäfts.

„Wandel im Bewusstsein“, insbesondere der jungen Generation

Sie hat ein breites Lächeln im Gesicht, als sie aussagt, dass ihr Projekt „mega gut ankommt“. Das Thema Nachhaltigkeit ist für Linnéa Haufschild eine Herzensangelegenheit. Sie nimmt einen „Wandel im Bewusstsein“, insbesondere der jungen Generation, wahr und möchte den Beitrag in ihrem Fachgebiet mit einem künftigen Änderungsservice vor Ort erweitern. Aber ihre Ideen gehen darüber hinaus: Haufschild denkt an Veranstaltungen wie Workshops oder Lesungen. Der Ort solle Menschen zusammenbringen, das „Denken anregen und Konsumverhalten hinterfragen“.

15 Uhr, Museum: „Menschen sind gut für den Planeten“, diesen Gedanken möchte das Museum Zukunft vermitteln. Es wird von dem Hamburger Umweltinstitut getragen und dient als Begegnungsplattform für Vernetzung, Diskussion und Information. Das Thema Nachhaltigkeit ist auch hier omnipräsent, Mitarbeiter Andreas Hußendörfer mahnt: „Die Dringlichkeit ist da.“ Doch das Museum Zukunft möchte eine Alternative zu persönlichen Einschränkungen und einer „Verbotskultur, die auf schlechtem Gewissen fußt“ anbieten. Angesichts der Umweltproblematik und einer weiterhin wachsenden Erdbevölkerung stellt sich die Frage: Wie kann das gelingen?

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Der Fokus liegt auf dem Konzept „cradle to cradle“ (Engl.: von der Wiege zur Wiege). Dessen zentraler Gedanke ist das verbesserte Design von Produkten, die entweder biologisch abbaubar oder recyclebar sind und somit der Umwelt keinen Schaden zufügen. Rohstoffe werden in einen Kreislauf eingebunden. Im Museum Zukunft werden über 200 zertifizierte Produkte ausgestellt, das Team liefert Informationen über Herstellungs- und (Wieder-)Verwendbarkeitsprozesse. Ein Beispiel ist ein Pyjama aus vollständig biologisch abbaubaren Stoffen. Laut Hußendörfer verlaufen Produktion und Konsum dann „nicht weniger schlecht, sondern besser“.

18 Uhr, ab ins Restaurant: Der Tee im Sen Vegan Living wird in Schüsseln serviert. In Vietnam ist das Tradition und ein Zeichen von Respekt. Nicht nur das Teewasser kann getrunken werden, sondern alle Zutaten, die sich in der Schüssel befinden, sind essbar. So sollen möglichst wenig Lebensmittel verschwendet werden. Das Restaurant hat im Juni in Lüneburg eröffnet. „Wir dachten am Anfang, dass unser Restaurant vor allem junge Veganer anspricht. Mittlerweile kommen aber auch viele Erwachsene, die gerne ein bisschen Abwechslung haben“, erzählt Viet Bui, einer der Gründer des Restaurants.

Veganges Essen genießen nicht nur eingefleischte Veganer

Veganes Essen gewinnt zwar immer weiter an Beliebtheit, trotzdem muss man kein eingefleischter Veganer sein, um hin und wieder mal ein fleischloses Gericht zu essen. Durch die Gewürze und die Kombination aus regionalen und vietnamesischen Zutaten vermisst kaum ein Gast den Geschmack von Fleisch. „In Vietnam stehen beim Abendessen viele kleinere Gerichte auf dem Tisch, und jeder probiert von allem etwas. Das Essen zu Teilen ist schließlich auch ein Aspekt von Nachhaltigkeit.“ Mit diesem angenehmen Nachgeschmack geht der nachhaltige Tag in Lüneburg zu Ende.

So geht’s hin:

  • Rudiretro, Auf der Altstadt 47, hat von Dienstag bis Sonnabend von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Aktuell dürfen maximal zwei Personen das Geschäft gleichzeitig betreten. Das Sortiment gibt es auch online auf www.rudiretro.de
  • Das Museum Zukunft befindet sich im Stadtkern, Papenstraße 15. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag jeweils 9 bis 15 Uhr, Eintritt ist frei. Führungen nach Vereinbarung. Ebenso besteht die Möglichkeit zur Beratung für Nachhaltigkeitsprojekte. Weitere Infos auf: museumzukunft.com
  • Sen Vegan Living liegt zentral, Heiligengeiststraße 42, und ist ab 11.30 Uhr geöffnet. Einen ersten Vorgeschmack bietet ein Blick auf die Website und das Menü unter www.sen-vegan.de. Weitere vegane Restaurants in der Region auf www.happycow.net