Hamburg-Hannover

Seevetal wehrt sich gegen den Deutschlandtakt

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Lena Thiele
Kreuze sowie ein aus Strohballen gebauter ICE standen vor einigen Jahren als Zeichen des Bürgerwiderstandes gegen Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Hamburg auf einem Feld bei Vinstedt im Kreis Uelzen.

Kreuze sowie ein aus Strohballen gebauter ICE standen vor einigen Jahren als Zeichen des Bürgerwiderstandes gegen Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Hamburg auf einem Feld bei Vinstedt im Kreis Uelzen.

Foto: Philipp Schulze / dpa

Bund plant schnelle Bahnstrecke entlang der A7 zwischen Hamburg und Hannover. Politik sieht Trassen-Kompromiss in Gefahr.

Hittfeld.  Die Nachricht sorgt für reichlich Irritation in Seevetal: Der Bund will zwischen Maschen und Hannover eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke einrichten. Mit bis zu Tempo 300 sollen die Züge entlang der Autobahn 7 fahren. Das Ziel: Die Fahrtzeit zwischen Hamburg und Hannover soll künftig nur noch 59 Minuten betragen, rund eine Viertelstunde weniger als bisher möglich (das Abendblatt berichtete).

Da die besagte Strecke zum vom Bundesverkehrsministerium angekündigten Deutschlandtakt zählt, fällt sie unter die höchste Priorisierungsstufe. Aus Sicht der Seevetaler Politik ist damit der 2015 mühsam errungene Kompromiss zur Stärkung der Schieneninfrastruktur in Gefahr. Dieser sieht einen Ausbau der vorhandenen Strecke vor.

Politik: „Bahnstrecke durchschneidet die Gemeinde Seevetal“

Deshalb hat der Verwaltungsausschuss der Gemeinde am Dienstag mehrheitlich einen Dringlichkeitsantrag verabschiedet. „Diese neue Streckenführung würde den gesamten Bereich der Gemeinde Seevetal durchschneiden und damit zusätzliche massive Lärm- und Umweltbelastungen für die Menschen in unserer Gemeinde erzeugen“, heißt es in dem Papier, das Norbert Fraederich für die CDU-Fraktion verfasst hat.

Sorgen bereitet den Politikern auch die Reaktion des Hamburger Verkehrssenators Anjes Tjarks (Grüne), der die Pläne begrüßt hatte. „Mit einer deutlich geringeren Fahrtzeit von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof steigern wir die Attraktivität der Bahnnutzung deutlich und erreichen ein wichtiges Puzzlestück im Deutschlandtakt.“

Dialogforum hatte 2015 „Alpha-Variante E“ befürwortet

Auch der niedersächsische Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte die Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke begrüßt. Allerdings befürworte er eher den Ausbau der bestehenden Strecke anstelle eines Neubaus. So müsse bei den Planungen nicht bei Null angefangen werden.

Denn bereits vor sechs Jahren war nach einem langwierigen Prozess eine mögliche Lösung zum Ausbau der Bahnstrecke ausgearbeitet worden. Im Dialogforum Schiene Nord hatten sich 2015 Vertreter betroffener Kommunen und Landkreise, der Länder, des Bundes und der Band sowie diverser Verbände auf die sogenannte Alpha-Variante E geeinigt und eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Die gewählte Variante kommt als einzige der im Dialogverfahren untersuchten zehn Varianten ohne Neubaustrecken aus.

Seevetaler befürchten noch mehr Lärm durch neue Bahnstrecke

Der Neubau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke in der angesprochenen Form stehe im direkten Widerspruch zu der bisherigen von allen Beteiligten akzeptierten Planung, so Norbert Fraederich (CDU), Vorsitzender des Seevetaler Planungsausschusses. Daher sei der aktuelle Vorstoß umso unverständlicher. „Wir wollen keine Zeit verlieren und jetzt ein deutliches Zeichen setzen. Wir haben genug Lärm in Seevetal.“

Auch Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen irritieren die neue Pläne und die Reaktion aus Hamburg. Bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten sei über den Ausbau der Strecke mittels einer sogenannten Y-Trasse gesprochen worden. „Und jetzt frage ich mich: War das alles Makulatur?“, so Oertzen. „Damit mutet man den Menschen hier etwas zu, was sie zutiefst verunsichert.“

Verwaltung soll prüfen, wie Projekt verhindert werden kann

Die Projekte des Deutschlandtakts haben „Vordringlichem Bedarf“ und damit die höchste Priorität im Bedarfsplan für die Bundesschienenwege. Eine Festlegung auf den Trassenverlauf entlang der A 7 gibt es laut Bundesverkehrsministerium allerdings noch nicht. Auch andere Varianten seien möglich, darunter der Ausbau der bestehenden Strecke mit oder ohne Ortsumgehung. Die Untersuchungen für den Trassenverlauf konzentrieren sich auf den Abschnitt Hamburg-Lüneburg-Celle.

Der Antrag wird noch in den zuständigen Fachausschüssen beraten – zunächst im Planungsausschuss am 28. September – und dann im Rat behandelt. Erhält er auch dort eine Mehrheit, wird die Verwaltung prüfen, wie verbindlich die Projektpläne des Bundesverkehrsministeriums sind, welche Auswirkungen sie auf die Gemeinde hätten und welche Möglichkeiten die Verwaltung und die Politik haben, um die neue Bahnstrecke noch zu verhindern.

( mit dpa )