Neu Wulmstorf

Und nun? Politik lehnt Standort für sozialen Wohnungsbau ab

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Axel Tiedemann
Im Hamburger Speckgürtel braucht es Baugebiete, in denen sozialer Wohnungsbau entsteht. Nun wurde ein Projekt abgelehnt. (Symbolbild)

Im Hamburger Speckgürtel braucht es Baugebiete, in denen sozialer Wohnungsbau entsteht. Nun wurde ein Projekt abgelehnt. (Symbolbild)

Foto: Jörg Carstensen / dpa

In Neu Wulmstorf stimmt Wählergemeinschaft gegen Projekt am Moorweg. Dabei braucht es günstigen Wohnraum im Hamburger Speckgürtel.

Neu Wulmstorf.  Die Gemeinden im Speckgürtel von Hamburg müssen vermehrt für günstigen Wohnraum sorgen, weil die Mieten gerade auch hier immer weiter steigen. Das erschien bisher weitgehend politischer Konsens. Deshalb überrascht die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) in der Gemeinde Neu Wulmstorf nun mit ihrer Ablehnung eines solchen Projekts am Moorweg.

Dort, am westlichen Ende des Kernortes, soll ein neues Wohngebiet mit etwa 108 Einheiten entwickelt werden, die zum Teil auch als geförderter sozialer Wohnungsbau auf den Markt kommen könnten. In den Fachausschüssen Neu Wulmstorfs gab es für die Aufstellung eines Bebauungsplans dazu bereits eine politische Mehrheit, die eigentliche Entscheidung kommt aber erst nach den Kommunalwahlen am 12. September.

Wählergemeinschaft gegen Baugebiet am Rand der Gemeinde

Die UWG lehnt nun das Vorhaben am Moorweg ab, weil das Baugebiet am Rand der Gemeinde liegen würde. Mieter solcher vergünstigten Wohnungen seien oft schon älter und in der Mobilität eingeschränkt. Wichtig sei auch eine bessere Nähe zum Öffentlichen Nahverkehr und kürzere Wege zu Schulen, Kitas und Rathaus, argumentiert UWG-Fraktionschef Jan Lüdemann. „Sozialen Wohnungsbau an den äußersten Rand zu drängen, muss nicht sein“, sagt Lüdemann, der andere Areale in der Gemeinde für geeigneter hält: Zum Beispiel das Gelände der alten Hauptschule, die abgerissen wird und wo dann auch Neubau-Grundstücke frei würden.

Hier wird eine Grundschule zwar neu gebaut, aber das bisherige Schulgrundstück muss nur zum Teil dafür in Anspruch genommen werden. Die Gemeinde müsse dort auf Gewinnmaximierung beim Grundstücksverkauf verzichten und in dieser zentralen Lage günstige Flächen für den Sozialen Wohnungsbau anbieten, schlägt die UWG jetzt vor. Eine Bebauung des Moorweg-Areals müsse hingegen erst einmal auf Eis gelegt werden, sagt UWG-Chef Lüdemann: „Andere Wohnungen haben wir erstmal genug gebaut, jetzt muss die Infrastruktur nachkommen.“

Kommunale Wohnungsbaugesellschaft wäre bei Projekt an Bord

Wie berichtet, handelt es sich bei dem geplanten Bauvorhaben am Moorweg um ein Feld am Ende der Straße, die von der B 73 nach Süden abzweigt. Laut einer Ratsvorlage haben sich die Sparkasse Harburg-Buxtehude und eine Erbengemeinschaft nach „mehrjähriger Verhandlung“ über den Verkauf des etwa 22.850 Quadratmeter großen Grundstücks geeinigt. Geplant sind Reihen- und Mehrfamilienhäuser. 49 der Wohnungen darin würde die Sparkasse bauen und 43 die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft (KWG), die im Landkreis Harburg bezahlbaren Mietraum schaffen soll und dann erstmalig auch in Neu Wulmstorf aktiv wird. 16 Wohnungen sollen aber auch für einen geförderten sozialen Wohnungsbau mit besonders günstigen Mieten reserviert werden, so die Planungen. Wobei offen ist, wer sie bauen wird.

„Das wäre dann unser Einstieg in den geförderten Wohnungsbau, bisher gibt es noch keine einzige Sozialwohnung in Neu Wulmstorf“, sagt CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Wilde. Die CDU sehe das Projekt Moorweg daher weiter positiv. Wilde: „Man muss mit dem Thema endlich mal anfangen und nicht nur darüber reden.“ Der Verkauf des zentralen Schulgeländes sei indes wichtig, um den 26 Millionen Euro teuren Grundschul-Neubau überhaupt finanzieren zu können.

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Ganz ähnlich argumentiert die SPD in Neu Wulmstorf. „Das wird unser Einstieg in den sozialen Wohnungsbau“, sagt auch SPD-Baupolitiker Thomas Grambow. Abgelegen sei das Areal aus seiner Sicht nicht. Gleichwohl sehe auch er, dass die Anbindung des Moorweges an den öffentlichen Nahverkehr verbessert werden könnte. Grambow: „Das ist dann auch unsere Aufgabe: so müssen wir dann eben Buslinien dorthin verlegen.“ Wie CDU-Politiker Wilde sieht er eine Verlagerung des sozialen Wohnungsbaus auf das ehemalige Hauptschulgelände – wie von der UWG gefordert – ebenfalls kritisch. Dort müssten einfach höhere Grundstückspreise erzielt werden, um den Grundschulneubau finanzieren zu können.