Hilfsbereitschaft

Tierheim ruft zu Spenden für Tiere im Flutgebiete auf

| Lesedauer: 5 Minuten
Josefine Harms
Judith Hein hilft seit zwölf Jahren als Freiwillige im Tierheim Buchholz, kümmert sich um ausgesetzte Hunde und Katzen.

Judith Hein hilft seit zwölf Jahren als Freiwillige im Tierheim Buchholz, kümmert sich um ausgesetzte Hunde und Katzen.

Foto: Josefine Harms / HA

Buchholzer Verein, der selbst auf Hilfe angewiesen ist, unterstützt betroffenes Tierheim – Zu Besuch bei engagierten Helfern

Buchholz. Monty wurde 2019 als Welpe auf einer Autobahnraststätte gefunden. Grade noch rechtzeitig wurde er ins Tierheim Buchholz im Landkreis Harburg gebracht. Jetzt ist er einer von neun Hunden, die dort zurzeit in einem der Zwinger leben. Judith Hein kennt Monty gut, immerhin arbeitet sie schon seit zwölf Jahren ehrenamtlich im Tierheim Buchholz.

Sie füttert die Tiere, geht mit den Hunden spazieren und macht auch mal sauber. „Angefangen hat alles damit, dass meine Katze verstorben ist. Ich wollte keine neue mehr adoptieren, also habe ich hier ausgeholfen“, berichtet Hein. Der Vorsatz hat nur etwa ein halbes Jahr lang gehalten, dann adoptierte die Ehrenamtliche einen Kater aus dem Tierheim.

Tierschutzverein sammelt Decken und Tücher für Flutopfer

Wie viel Herz die Freiwilligen hier haben, zeigt auch ein aktueller Aufruf des Vereins. Obwohl die Einrichtung selbst auf Spenden und somit auf Hilfe angewiesen ist, veröffentlichten sie in sozialen Medien und auf ihrer Internetseite einen Spendenaufruf für die Tierheime in den deutschen Überflutungsgebieten. Zudem sammelten sie Decken und Handtücher, gaben sie säckeweise an ein Tierheim in Remagen. Eine Spedition aus dem Landkreis half dabei.

Die Wurzeln des Tierheims gehen auf den 1967 gegründeten Tierschutzverein zurück. 1975 konnte der Verein das Gelände des heutigen Bauhofes in Buchholz beziehen. Vor etwa 30 Jahren stellte die Stadt Buchholz das heutige Gelände im Holzweg 25 zu Verfügung. Seither wurde das Tierheim immer wieder vergrößert und renoviert, eine Hundewiese kam dazu. Zurzeit leben hier zehn Hunde, 22 Katzen und zahlreiche Kleintiere. Weitere 38 Katzen leben als Hofkatzen draußen dauerhaft im Tierheim. Eine Besonderheit, über das so kaum ein anderes Tierheim verfügt: Es gibt einen Pool, in dem sich die Hunde abkühlen und Schwimmen lernen können.

Tierheim in Buchholz finanziert sich durch Spenden

In der Region gibt es noch weitere Vereine, die sich in diesem Bereich engagieren. Der Tierschutzverein Buxtehude hilft zum Beispiel dabei, gefundene Tiere wieder mit ihren Besitzern zusammenzuführen und kann kurzzeitig auch Tiere aufnehmen und in der Region vermitteln. Der Tierschutzverein Lüneburg betreibt ebenfalls ein Tierheim und auch in Neu Wulmstorf gibt es eines.

„Unser Tierheim finanziert sich durch Spendengelder und durch Pauschalen, die wir für die Aufnahme und Unterbringung von Fundtieren bekommen“, erklärt Melanie Neumann, Leiterin des Tierheims in Buchholz. Verträge mit der Stadt Buchholz und umliegenden Kommunen sind eine feste Einkommensquelle. Privatpersonen und Unternehmen helfen durch Geld- und Sachspenden.

Corona wirkt sich auf die Arbeit und Zahl der Fundtiere aus

Viele Tierheime verzeichneten nach dem Ende der Corona-Lockdowns eine erhöhte Zahl an Jungtieren, die nun abgegeben worden, weil die Besitzer zum Beispiel wieder zur Arbeit mussten und ohne Homeoffice der Pflege nicht gewachsen waren. Auch in Buchholz spielt die Pandemie eine Rolle. So konnten und wollten weniger Menschen, das Tierheim besuchen. Zudem wirkt sich Corona auf die Zahl der ausgesetzten Tiere aus. Allerdings sei es schwer, das Ausmaß zu beziffern. „Die Menschen sagen ja nicht, dass sie sich während des Lockdowns ein Tier angeschafft haben, um das sie sich nun nicht mehr kümmern können oder wollen“, sagt Hein.

„Einige Katzen haben wir in Kartons gefunden, bei denen sieht man, dass sie ausgesetzt wurden.“ Ob dies jedoch an Corona oder an der hohen Arztrechnung für die kranken Tiere liegt, ist ungewiss. Auch immer mehr Vögel werden gefunden. „Bei uns wurde ein Hahn abgegeben. Da mussten wir ganz schön kreativ werden und erst mal eines der Katzenzimmer in einen Hühnerstall umbauen“, sagt Judith Hein. „Momentan erhalten wir zudem einige Anfragen von Tierhaltern, die ihre Hunde abgeben möchten.“

Am 12. September öffnet Einrichtung die Türen zu einem Fest

So war es auch bei Monty. Er konnte erfolgreich an eine Familie vermittelt werden. Kurze Zeit später gab diese ihn jedoch wieder an das Tierheim zurück. „Wenn sich Hundebesitzer im Internet oder aus dem Ausland einen Hund holen, weiß man gar nicht, welche Rasse das ist und welche Eigenschaften er besitzt. Für unerfahrene Hundebesitzer können diese Tiere sehr schwierig werden“, weiß Hein aus Erfahrung. Monty sei sehr territorial und hätte sogar versucht, seine Besitzer zu beißen. Jetzt wird nach einem erfahrenen Hundehalter für ihn gesucht.

Vielleicht findet sich ein Interessent am 12. September. Dann öffnet das Tierheim anlässlich eines Kinderfestes die Türen für hoffentlich zahlreiche Besucher. Von 13 bis 17 Uhr gibt es Angebote für Groß und Klein, zudem werden Führungen durch das Tierheim angeboten.