Beschäftigungsbilanz

Der Arbeitsmarkt in der Region Harburg erholt sich weiter

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Rolf Zamponi

Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Pinneberg stieg im Dezember leicht an

Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Pinneberg stieg im Dezember leicht an

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Im Landkreis geht die Quote auf 4,3 Prozent zurück – weniger Kurzarbeiter-Anträge im Bezirk – Fachkräftemangel

Winsen/Harburg. Die Arbeitslosigkeit ist im August sowohl im Landkreis als auch im Bezirk Harburg zurückgegangen. Im Landkreis sank die Zahl um 59 auf 6169. Im Vergleich zum Juli ging die Quote von 4,4 auf 4,3 Prozent zurück. Im Bezirk wurden für August 229 Menschen ohne Job weniger gezählt als im Vormonat. Damit sind es im Bezirk noch 8645 Arbeitslose. Die Quote liegt jetzt bei 9,4 Prozent nach 9,7 Prozent im Juli. Zum Vergleich: Für Hamburg liegt die Arbeitslosenquote bei 7,3 Prozent. Die Entwicklung im Landkreis entspricht damit nicht dem Trend im Bezirk Lüneburg-Uelzen, wo die Arbeitslosigkeit insgesamt leicht zugenommen hat.

Im Landkreis hat die Arbeitskräftenachfrage weiter spürbar angezogen. „Es gibt 2290 freie Stellen und damit mehr als vor der Corona-Pandemie“, sagte am Dienstag Kerstin Kuechler-Kakoschke, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, die für den Landkreis Harburg zuständig ist. Letztmalig wurden im September 2019 mit einem Stellenbestand von 2314 noch mehr Arbeitskräfte gesucht. Besonders Fachkräfte sind gefragt und die Arbeitsagenturen und Jobcenter unterstützen nicht nur Arbeitslose dabei, sich zu qualifizieren. Auch für Beschäftigte und Unternehmen gibt es spezielle Beratungsfachkräfte, wenn es um Berufsabschlüsse, Weiterbildungen und finanzielle Förderungen geht.

Hilfe bieten die Arbeitsagenturen in Buchholz und Winsen

Arbeitslose können im Gespräch mit ihren Vermittlern Optionen der Weiterbildung bis hin zum Berufsabschluss klären. Unternehmen wenden sich an ihre Ansprechperson im Arbeitgeber-Service oder können sich unter der Telefonnummer 0800/455 55 20 informieren. „Gut aufgestellt für die Zukunft sind Menschen, die ihre beruflichen Kenntnisse aktuellen Anforderungen anpassen und Unternehmen, die in den Wissensstand ihrer Mitarbeitenden investieren“, sagte Kuechler-Kakoschke. Hilfe bieten im Landkreis die Arbeitsagenturen in Buchholz und Winsen.

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Im Bezirk Harburg erholt sich der Arbeitsmarkt weiter vom Pandemiegeschehen, heißt es von der Hamburger Arbeitsagentur. Die rückläufige Anzahl von Kurzarbeitergeld-Anträgen lasse den Rückschluss zu, dass die Arbeitgeber sich wieder vermehrt ihrem Kerngeschäft zuwenden könnten. Der Personalbedarf und die Anfragen nach Förderungen von langjährigen oder zukünftigen Mitarbeitern nehmen spürbar zu. Der Stellenbestand des Arbeitgeber-Service Harburg wachse deshalb stetig an. Insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und im Handwerk sind Stellen frei. Vor allem Fachkräfte würden aber in allen Branchen gesucht.

Gute Chancen haben Altenpfleger, Elektroniker und Erzieher

Gute Chancen haben Altenpfleger(-helfer), Elektroniker - Betriebstechnik / Energie- und Gebäudetechnik, Erzieher, Helfer in der Landwirtschaft, Köche, Ingenieure, Medizinische Fachangestellte, Sozialarbeiter/Sozialpädagogen, Verkäufer und Zahnmedizinische Fachangestellte.

Die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen ist im August leicht gestiegen. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Juli um 1,1 Prozent auf 242.119, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit gestern in Hannover mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb mit 5,5 Prozent konstant und damit um 0,1 Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt. Am niedrigsten ist diese Quote landesweit mit 2,7 Prozent in der Grafschaft Bentheim, am höchsten mit 10,7 Prozent in Wilhelmshaven. Stichtag für die Erhebung der aktuellen Zahlen war der 12. August.

Im Vorjahresmonat lag die landesweite Zahl der Erwerbslosen den Angaben zufolge noch bei rund 276.500, 12,4 Prozent mehr. Der Anstieg in diesem August entfalle vor allem auf Menschen, die jünger als 25 Jahre sind. Jedes Jahr melden sich demnach nach dem Ende der Schulzeit oder Ausbildung junge Leute vorübergehend arbeitslos. Rund 27.000 oder elf Prozent der Arbeitslosen sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Die jungen Fachkräfte seien allerdings begehrt und fänden meist sehr schnell neue Arbeitsplätze, sagte Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit.

Zahl geht entgegen dem saisonalen Trend zurück

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August entgegen dem saisonalen Trend zurückgegangen. Bundesweit waren 2,58 Millionen Menschen ohne Job, 12.000 weniger als im Juli und 377 000 weniger als im August 2020, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,6 Prozent. Normalerweise steigt die Arbeitslosigkeit im August, weil Unternehmen vor den Sommerferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. Doch das wird in diesem Sommer von Nachholeffekten überlagert: Nach dem monatelangen Lockdown werden in vielen Branchen wieder verstärkt Arbeitskräfte gesucht.

Derzeit sind laut Pfeiffer noch rund 15.000 Ausbildungsstellen in Niedersachsen unbesetzt und 9200 Bewerberinnen und Bewerber nicht versorgt. Handel, Handwerk oder die Chemieindustrie seien Bereiche, in denen noch viele Auszubildende gesucht werden. Nach jüngsten Hochrechnungen der Regionaldirektion waren im Mai rund 200.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Niedersachsen in Kurzarbeit, endgültige Daten liegen nur bis Februar vor, dort waren es noch mehr als 300.000.

Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten setzen vor allem das Gastgewerbe und die Nahrungsmittelindustrie derzeit verstärkt auf befristete Arbeitsverträge. Im Landkreis Harburg waren zuletzt 34 Prozent aller neu abgeschlossenen Arbeitsverträge befristet. 1354 von insgesamt 4009 Neueinstellungen hatten im zweiten Quartal 2020 ein Verfallsdatum. Grundlage ist eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. „Befristete Stellen sind im Lebensmittelhandwerk und im Gastgewerbe, aber auch in der Ernährungsindustrie stark verbreitet – und können für die Betroffenen zur Falle werden“, sagt Manuela Schäffer von der NGG-Region Lüneburg.