Bundestagswahl

Warum 200.000 Stimmzettel im Kreis Harburg vernichtet werden

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Katy Krause
Ein Stimmzettel für die Bundestagswahl – im Landkreis Harburg müssen 200.000 Exemplare wegen eines Fehlers vernichtet werden.

Ein Stimmzettel für die Bundestagswahl – im Landkreis Harburg müssen 200.000 Exemplare wegen eines Fehlers vernichtet werden.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Ausgerechnet der erfolgreiche Direktkandidat der letzten Wahl wurde optisch bevorzugt. Zunächst blieb der peinliche Fehler unentdeckt.

Winsen (Luhe). Im Landkreis Harburg müssen 200.000 Wahlzettel für die Bundestagswahl wegen eines Fehlers vernichtet werden: Ausgerechnet der Name des bei der Wahl 2017 erfolgreichen CDU-Direktkandidaten Michael Grosse-Brömer ist größer gedruckt als der seiner Mitbewerber.

Eigentlich kaum vorstellbar, dass dies niemandem beim Korrekturlesen der Wahlzettel aufgefallen ist. Doch genau das ist im Landkreis Harburg passiert. „Ein Name wurde auf dem Stimmzetteln zur Bundestagswahl am 26. September in 2 Punkt größer gedruckt als die übrigen“, bestätigt Katja Bendig, Pressesprecherin des Landkreises, auf Abendblatt-Nachfrage.

Bundestagwahl: Stimmzettel mussten nachbearbeitet werden

Grund soll die Software sein, die zum Erstellen der Bundestagswahlzettel genutzt wird. Sie generiere aus Exceltabellen automatisch die Stimmzettel, passe sie aber nicht automatisch an die vorgegebenen und mit dem Blindenverband abgestimmten Maße an, heißt es aus der Kreisverwaltung. Also musste händisch nachgearbeitet werden, dabei sei der Fehler passiert.

Erst der aufmerksame Mitarbeiter einer Gemeindeverwaltung bemerkte, dass der Schriftzug Michael Grosse-Brömer anders aussah als die übrigen Namen auf dem Stimmzettel. Die genaue Überprüfung machte dann den Fehler offensichtlich.

CDU-Direktkandidat Michael Grosse-Brömer optisch bevorzugt

Der versehentlich optisch bevorzugte Grosse-Brömer ist seit 2002 Mitglied des Bundestages, seit Mai 2012 ist er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion. Seit 2003 ist der Christdemokrat aus Brackel bei Winsen außerdem Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Nordostniedersachsen und bis 2015 war Grosse-Brömer auch Kreisvorsitzender seiner Partei.

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Bei der vergangenen Bundestagswahl holte er den Wahlkreis Harburg mit 40,6 Prozent der Erststimmen, vor der SPD-Kandidatin Svenja Stadler (27,4 Prozent). Stadler, die über die Liste in den Bundestag einzog, tritt auch in diesem Jahr wieder an.

Bundestagswahl: Briefwahlstimmen bleiben gültig

Der Landkreis Harburg hat die Verteilung der fehlerhaften Stimmzettel sofort gestoppt. Rund 200.000 Exemplare sind laut Kreisverwaltung betroffen. Sie müssen vernichtet und neue Stimmzettel gedruckt werden. Das ist bereits in Arbeit. „Bis zum 2. September werden die neuen Stimmzettel an die Kommunen versendet“, verspricht Sprecherin Katja Bendig.

Die 6000 bereits ausgegebenen Stimmzetteln an Briefwähler behalten laut Kreisverwaltung ihre Gültigkeit. Und auch wer jetzt darauf angewiesen ist, vor dem 2. September zu wählen, weil er beispielsweise anschließend im Ausland ist oder in den Urlaub geht, der kann sein Kreuz auf den fehlerhaften Zetteln machen. In diesem Fall sei es laut Bendig erst einmal wichtiger sicherzustellen, dass überhaupt die Möglichkeit bestehe, zu wählen.

Das kostet der peinliche Fehler auf den Stimmzetteln

Unabhängig von der Peinlichkeit kostet der Fehler den Landkreis Harburg auch Geld. Die Kosten für Neudruck und Neuauslieferung der Stimmzettel an die Städte und Gemeinden in der Region beziffert die Kreisverwaltung auf rund 15.000 Euro.

Die zeitliche Verzögerung schätzt Bendig auf etwa eine Woche. Das führe aus Sicht der Kreisverwaltung zu keinen organisatorischen Problemen, da der Fehler relativ früh bemerkt wurde und noch vier Wochen Zeit bis zu Bundestagswahl sind.

Auch in Friesland müssen 200.000 Stimmzettel neu gedruckt werden

Mit der Panne steht der Landkreis Harburg zumindest nicht allein da. Auch im Wahlkreis Wilhelmshaven, Friesland und Wittmund sind rund 190.000 gedruckte Bundestagswahl-Stimmzettel für die Tonne, sie müssen neu gedruckt werden.

Grund ist auch hier ein Fehler auf den Wahlzetteln, der erst später bemerkt wurde: Hinter dem Kandidaten „Die Partei“ fehlte das kreisrunde Feld zum Ankreuzen. Auch das fiel zunächst niemandem auf.