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Erst Impfen, dann Big Mac - Ansturm auf Corona-Aktion

| Lesedauer: 4 Minuten
Sven Bleilefens und Katy Krause
Erst die Spritze, dann das Essen: Die Impfaktion bei McDonalds bei Fleestedt wurde besser angenommen als erwartet.

Erst die Spritze, dann das Essen: Die Impfaktion bei McDonalds bei Fleestedt wurde besser angenommen als erwartet.

Foto: Sven Bleilefens / HA

Organisatoren vom Ansturm auf "Menü gegen Piks" überrascht. Der Landkreis Harburg rechtfertigt sich – und plant weitere Aktionen.

Fleestedt. Impfen oder essen?“, fragt Mathias routiniert die Umstehenden, als er sich dem Eingang der McDonalds-Filiale zusammen mit seinem Kumpel Johann an diesem Donnerstagabend nähert. Geimpft sind die beiden seit einigen Minuten, nun wollen sie sich erneut ihren Weg in den Laden bahnen, um sich ihre kostenlose Stärkung abzuholen. Das ist gar nicht so einfach, denn in der Schlange am Eingang müssen erst einmal Impf- von Burgerwilligen getrennt werden.

Während die beiden jungen Männer in der ersten Runde gleich nach links in den Impfbereich abbiegen, dürfen sie sich nun geradeaus halten und kommen dem McMenü Schritt für Schritt näher. Den dazugehörigen Gutschein gab es bei der Sonderimpfaktion des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Harburg am Donnerstag zwischen 15 und 20 Uhr in der McDonalds-Filiale in Fleestedt. Und die war ein großer Erfolg, der sogar die Organisatoren überraschte.

McDonald's-Gutscheine reichten nicht aus

Insgesamt 144 Personen ließen sich am Donnerstag in der Burgerfiliale gegen Corona impfen. Mit etwa einem Drittel davon hatten die Organisatoren gerechnet. Die Zahl der gedruckten Gutscheine für den kostenlosen Burger reichten nicht aus. Handschriftlich wurden weitere von den Helfern vor Ort angefertigt.

Vor der Tür, den Kassen und dem McDrive bildeten sich Schlangen, die Küche kam gar nicht mit dem Burger-Brutzeln hinterher, während das siebenköpfige DRK-Team hinter einer Trennscheibe aus Plexiglas einen Impfwilligen nach dem anderen behandelten. Einen Tisch weiter wurde gegessen.

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Kritik an McDonalds-Impfaktion: Kreis wehrt sich

Ausgerechnet einen ungesunden Burger und ausgerechnet bei McDonalds impfen: Das ruft auch Kritiker auf den Plan. „Es ist wichtig, den Menschen es so einfach wie möglich zu machen und die Hürden für eine Corona-Impfung gering zu halten. Da macht es Sinn, sie dort abzuholen, wo sie sind“, hält die Sprecherin des Landkreises Harburg, Katja Bendig, dagegen. Die Sonderaktionen, ob wie hier in einer Burger-Filiale oder in einem Möbelgeschäft, würden sehr gut angenommen. „Das zeigt doch, dass dies ein guter Weg ist“, so Bendig. Ziel sei es doch, schnell eine Herdenimmunität zu erreichen.

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Im Landkreis Harburg haben laut Kreisverwaltung 162.024 Bewohner eine Erstimpfung erhalten. Das sind rund 63 Prozent der Bevölkerung. Den vollen Impfschutz haben rund 52 Prozent, und da sind solche Aktionen wie die am Donnerstag noch nicht mit eingerechnet. Die Zahl der unter 18-Jährigen, die sich in den beiden Impfzentren Winsen und Buchholz gegen Corona impfen ließen, beläuft sich laut Bendig auf rund 3300 (Stand Mittwoch).

Diese Corona-Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen

  • Biontech/Pfizer: Der erste weltweit zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt. Der mRNA-Impfstoff, der unter dem Namen Comirnaty vertrieben wird, entwickelt den vollen Impfschutz nach zwei Dosen und ist für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat er eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent – das heißt, die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei Geimpften um den genannten Wert. Ebenfalls von Biontech stammt der erste für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassene Impfstoff in Deutschland.
  • Astrazeneca: Der Vektorimpfstoff des britischen Pharmaunternehmens wird unter dem Namen Vaxzevria vertrieben. Aufgrund von seltenen schweren Nebenwirkungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), den Impfstoff nur für Patienten zu verwenden, die älter als 60 Jahre sind. Offiziell zugelassen ist der Impfstoff aber für Menschen ab 18 Jahren. Vaxzevria weist laut BMG nach zwei Impfdosen eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen auf.
  • Moderna: Der von dem US-Unternehmen entwickelte mRNA-Impfstoff mit dem Vertriebsnamen Spikevax ist für alle ab 12 Jahren zugelassen, die Stiko empfiehlt aufgrund eines erhöhten Risikos schwerer Nebenwirkungen aber, ihn auf die Altersgruppe der über 30-Jährigen zu beschränken. Der Moderna-Impfstoff hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen, wenn der volle Impfschutz nach zwei Impfdosen erreicht worden ist.
  • Johnson&Johnson: Das US-Unternehmen hat einen Vektorimpfstoff entwickelt, der bereits nach einer Impfdosis Schutz vor dem Coronavirus entwickelt. Er wird unter dem Namen Covid-19 Vaccine Janssen vertrieben. Das Präparat hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent bezogen auf schwere Erkrankungen – zudem ist die Zahl der Impfdurchbrüche im Vergleich zu den anderen Impfstoffen erhöht, daher empfiehlt die Stiko für mit Johnson&Johnson Geimpfte schon nach vier Wochen eine zusätzliche Impfdosis mit Comirnaty oder Spikevax, um den vollständigen Impfschutz zu gewährleisten.
  • Novavax: Das US-Unternehmen hat den Impfstoff Nuvaxovid entwickelt. der mitunter zu den sogenannten Totimpfstoffen gezählt wird. Er enthält das Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2. Dabei handelt es sich aber genau genommen nicht um abgetötete Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden. Das Protein wird stattdessen künstlich hergestellt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein. Der Impfstoff wird vermutlich ab Ende Februar in Deutschland eingesetzt und soll laut BMG in bis zu 90 Prozent der Fälle vor Erkrankung schützen.
  • Weitere Impfstoffe sind in der Entwicklung: Weltweit befinden sich diverse Vakzine in verschiedenen Phasen der Zulassung. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit das umstrittene russische Präparat Sputnik V sowie die Impfstoffe der Hersteller Sinovac, Sanofi und Valneva. Der deutsche Hersteller CureVac hat seinen Impfstoff vorerst aus dem Zulassungsverfahren zurückgezogen.

Weitere Impfaktionen – auch für eine Kugel Eis

Weitere Sonderaktionen sind bereits geplant, unter anderem an diesem Sonntag (29. August). Anlässlich des Tönnhafen-Festivals impft das DRK-Team in der Kita im Kuhhagen 7a in Winsen in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Ein Termin ist nicht nötig.

Am Sonnabend, 4. September, gibt es von 9 bis 15 Uhr eine Sonderimpfaktion für Zwölf- bis 17-Jährige. Sie können sich im Impfzentrum Buchholz ohne Termin gegen Corona impfen lassen.

Am Sonntag, 5. September, gibt es zum verkaufsoffenen Sonntag in Buchholz von 12 bis 17 Uhr die Spritze gegen Corona in der Buchholz Galerie, Ebene 1, neben dem Drogeriemarkt. Die ersten 200 Freiwilligen erhalten diesmal keinen Burger, sondern eine Kugel Eis umsonst.

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