Personen-Nahverkehr

Pilotprojekt. Immer mehr Fahrgäste nutzen das ElbMobil

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Rolf Zamponi
KVG-Geschäftsführer Jan Behrendt und Landrat Rainer Rempe taufen die elb Mobil-Busse  mit Elbwasser

KVG-Geschäftsführer Jan Behrendt und Landrat Rainer Rempe taufen die elb Mobil-Busse mit Elbwasser

Foto: Rolf Zamponi

Die von der Stader KVG eingesetzten Kleinbusse haben jetzt einen Namen. Sie wurden am Stover Strand mit Elbwasser getauft.

Drage.  Die sechs elb Mobil-Busse des Stader Verkehrsunternehmens KVG haben jetzt alle einen Namen. Landrat Rainer Rempe und der KVG-Geschäftsführer Jan Behrendt haben die Fahrzeuge am Donnerstag mit Elbwasser am Beach Club des Campingplatzes Stover Strand getauft. Die Kleinbusse firmieren jetzt als ElbPerle, ElbStrand, ElbSonne, ElbSand, ElbDeich und ElbUfer.

Das vom Bundesverkehrsministerium mit 1,48 Millionen Euro geförderte Nahverkehrsprojekt, für das die Busse unterwegs sind, läuft seit Dezember 2020 und noch bis zum Jahresende. Landrat Rempe bezifferte bei der Taufe die Kosten für eine Fortsetzung ohne Fördergelder auf jährlich 800.000 Euro. Er hofft, dass das Angebot fortgeführt werden kann. Darüber soll auch bei den Haushaltsberatungen des Landkreises diskutiert werden.

Akzeptanz und Verbundenheit mit dem elbMobil ist groß

Die Resonanz auf den Namenswettbewerb, zu dem die KVG und die Kreisverwaltung aufgerufen hatten, zeige, „wie groß die Akzeptanz und die Verbundenheit der Menschen in der Region mit dem elbMobil bereits ist“, argumentierte Rempe bei der Taufe an der Elbe.

Nach dem pandemiebedingt schwierigen Start haben sich die Nutzerzahlen kontinuierlich erhöht. „Im April wurde das elbMobil lediglich für 573 Fahrten beziehungsweise für durchschnittlich knapp 19 Fahrten pro Tag bestellt. Mittlerweile ist die Nachfrage mit 1199 Fahrten im Juli, also durchschnittlich mehr als 38 Fahrten pro Tag, erheblich gestiegen,“ sagte Rempe.

Das Potenzial ist noch nicht ausgereizt

Der Landrat sieht das Potenzial für den Nahverkehr auf Nachfrage noch nicht ausgereizt. Bislang fahren die Busse in der Elbmarsch, nach Winsen und seit Juni auch nach Laßrönne und Tönnhausen. Möglicherweise könne das Angebot, das sich die Bürger zusätzlich zu den Linienbussen bestellen können, auch noch in anderen Bereichen eingeführt werden.

Auch KVG-Manager Behrendt sprach am Donnerstag von einer „tollen Entwicklung.“ Rolf Roth, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbmarsch, hofft auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr: „Wir werden das mit aller Kraft unterstützen.“

Fünf Mercedes Sprinter und ein Elektromobil

Die Kleinbus-Projekt ist Teil des Reallabors Hamburg (siehe Infokasten), bei dem mit elf verschiedenen Konzepten die digitale Mobilität der Zukunft in der Region erprobt werden soll. Die KVG stellt dabei fünf Mercedes Sprinter sowie seit Juni zusätzlich auch einen Bus mit Elektromotor. Koordinator der Projektes Nummer 5 unter dem Titel „Shuttle-on-Demand für den ländlichen Raum“ ist die Harburger Regionalentwicklungsgesellschaft Süderelbe AG.

Bei dem Online-Wettbewerb waren vom 21. Juni bis zum 11. Juli 89 Vorschläge für Namen eingereicht worden. Eine dreiköpfige Jury, zu der neben KVG-Geschäftsführer Michael Fastert, die Journalistin Marieke Henning (Winsener Anzeiger) und Landrat Rempe gehörten, wählte die Vorschläge aus. Die Gewinner erhalten nun jeweils einen Gutschein von 100 Euro, den sie in einem Restaurant in der Elbmarsch einlösen können. Es sind Alexandra Groß aus Marschacht, die im Familienrat gemeinsam mit ihrem Mann Rodja sowie ihren Kindern Kerrin und Torge mit „ElbStrand“, „ElbSonne“, „ElbSand“, „ElbDeich“ und „ElbUfer“ gleich fünf Namen beigesteuert hat. Jonas Haberhausen wurde für seinen Vorschlag „ElbPerle“ ausgewählt.

Am 24. August kommt das ZuHörMobil auf den Rathausplatz in Winsen

Für den 24. August ist nun vorgesehen, dass das ZuHörMobil von zehn bis 16 Uhr auf den Rathausplatz nach Winsen kommt. Dort sollen die Bürger nach ihrer Meinung zum elbMobil sowie zur Mobilität der Zukunft gefragt werden. „Im ländlichen Raum sind die Herausforderungen neuer Mobilitätskonzepte auf Grund der großen Fläche mit geringer Bevölkerungszahl groß. Fast alle Bürger sind täglich mobil, haben individuelle Mobilitätsbedürfnisse und -wünsche. Deshalb ist es wichtig, dass es mit dem ZuHörMobil ein weiteres Forum für Feedback und Austausch in Sachen Mobilität und Zukunft gibt“, sagt Olaf Krüger, Vorstand der Süderelbe AG, die das Projekt als Projektpartner begleitet.

„Von dem Dialog erhoffen wir uns Verständnis für die Visionen von Nutzern an eine künftige Mobilität sowie konkrete Anforderungen der Bürger zu Fahrtzeit und -kosten sowie zum Komfort“, sagt Michael Ortgiese, stellvertretender Institutsleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Das Reallabor Hamburg und seine Ziele:

  • Das Elbmobil-Projektist ein Baustein des vom Bundesverkehrsministerium geförderten Reallabors Hamburg. Insgesamt elf Teilprojekte sollen in dem Rahmen des Labors helfen, verschiedene Fragen zu beantworten.
  • Im Mittelpunkt steht, wie die Digitalisierung das Verkehrssystem nachhaltiger, sicherer, komfortabler und zuverlässiger gestalten kann. Dies gilt für den Personen- und den Warenverkehr, sei es im ländlichen Raum oder im urbanen Zusammenhang.
  • Das Gesamtprojekt soll Erkenntnisse dazu liefern, welche Mobilitätslösungen sich in der Praxis bewähren. Die Ergebnisse werden auf dem ITS-Kongress im Oktober in Hamburg vorgestellt.