Marionettenspieler

Sie bringen die Puppen in Winsen zum Tanzen

| Lesedauer: 5 Minuten
Hanna Kastendieck
Karl-Heinz Monzka, Ute Höpker und Renate Knaak (v.l.) gehören zum Team der ehrenamtlichen Mitstreiter der Marionettenbühne im Marstall

Karl-Heinz Monzka, Ute Höpker und Renate Knaak (v.l.) gehören zum Team der ehrenamtlichen Mitstreiter der Marionettenbühne im Marstall

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Marionettenspieler vom Museum im Marstall bringen den „Gestiefelten Kater“ auf die Bühne. Ein Blick hinter die Bühne.

Winsen. Manchmal wird es ganz schön eng da oben auf dem stählernen Gerüst hinter dem dunkelroten Samtvorhang. Und Ute Höpker, Brigitte Westphal und Karl-Heinz Monzka müssen aufpassen, dass sie sich nicht verknoten. Denn das, was sie zum scheinbaren Leben erwecken, hängt an jeweils neun seidenen Fäden. Da kann es schon mal kompliziert werden, wenn alle gleichzeitig auf der Bühne umherspringen: der Kater, die Prinzessin und der König.

Doch die drei Marionettenspieler aus dem Landkreis Harburg wissen genau, welche Bänder sie ziehen müssen, damit Leben in die Puppen kommt. Sie spielen seit fast zwei Jahrzehnten zusammen Theater und bringen Jahr für Jahr Märchenklassiker auf die große Marionettenbühne in Winsen.

Bislang ausschließlich zur Weihnachtszeit zu sehen

Bislang waren die zauberhaften Puppen und ihre Abenteuer ausschließlich zur Weihnachtszeit in der Winsener Schlosskapelle zu sehen. Doch das soll sich jetzt ändern. Künftig soll das Winsener Marionettentheater häufiger auftreten und damit das kulturelle Angebot in der Luhestadt erweitern. Um das zu ermöglichen, ist die Bühne des Heimat- und Museumvereins Winsen Luhe auf der Suche nach einem dauerhaften Standort. Denn bislang lagert das Kleinod im Magazin des Museums, untergebracht in einem Bürogebäude der Kreisverwaltung. Bei Vorführungen muss diese mit viel Aufwand abgebaut und im Veranstaltungssaal wieder aufgestellt werden. „Wir wollen die Bühne möglichst ins Zentrum des kulturellen Geschehens der Stadt holen“, sagt Giesela Wiese, Geschäftsführerin im Vorstand des Vereins.

Um der Bühne mehr Präsenz zu verleihen, setzt sich Giesela Wiese dafür ein, das Theater künftig dauerhaft im Saal des historischen Marstalls unterzubringen. „Wir könnten uns vorstellen, die Bühne auf Rollen zu stellen, so dass sie bei anderen Veranstaltungen zur Seite geschoben werden könnte“, sagt sie. „Wir sind derzeit im Gespräch mit der Stadt. Mal sehen, was wir erreichen.“

Für die Puppenspieler wäre ein Umzug in den Marstall auch eine Wertschätzung ihrer Arbeit, mit der sie seit Gründung der Bühne 2003 Klein und Groß in der Region zum Schmunzeln und Staunen bringen. Sieben Stücke umfasst ihr Repertoire unter anderem die Märchen Frau Holle, Rumpelstilzchen, Zwerg Nase und der Froschkönig. Am morgigen Sonnabend steht der „Gestiefelte Kater“ auf dem Programm. Die Hauptfigur des Stücks ist eine von 54 Marionetten, die Puppenspieler Karl-Heinz Monzka für das Theater gebaut hat. „Der Kater war eine besondere Herausforderung“, sagt er. „Beim Bau habe ich ständig überlegt, wie sich eigentlich eine Katze bewegt.“ Um das Problem zu lösen, holte sich Monzka aus dem Tierheim einen Kater, Rudi, der noch heute bei ihm lebt.

Werkstatt zum Bau der Marionetten eingerichtet

Monzka, der wie seine Mitstreiter jeden Donnerstag zum Proben ins Museumsmagazin kommt und sich vor Ort eine Werkstatt zum Bau der Marionetten eingerichtet hat, liebt sein Ehrenamt. Zum einen, weil der OP-Pfleger im Ruhestand gerne handwerklich arbeitet. Zum anderen, weil er als Marionettenspieler den Zuschauern einen Moment der Freude schenken kann. „Die strahlenden Kinderaugen und ihre Neugier, wenn sie nach dem Stück die Puppen anschauen dürfen, sind für mich der größte Dank“, sagt der 75-Jährige.

Das ist es, was auch Ute Höpker und Renate Knaak bewegt, eine Menge ihrer Freizeit der Bühne zu widmen. Beide arbeiten im Finanzamt, sind Nachbarn, kennen sich seit 38 Jahren und sind seit 2002 beim Theater dabei. Während Ute Höpker hinter der Bühne agiert, Eule, Prinzessin und Müllerstochter über die Bühne bewegt, kümmert sich Renate Knaak um Drehbuch, Regie und Sound.

Zum harten Kern der elf-köpfigen Truppe gehört auch Brigitte Westphal, Jahrgang 1957. Sie ist Schneiderin von Beruf, näht Kleider, Röcke und Mäntel der Puppen und steht selbst hinter der Bühne. „Meine Vorfahren hatten ein mechanisches Theater und sind damit quer durch Europa gereist“, sagt sie. „Das Theaterspielen liegt mir im Blut. Es macht Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.“ Genau das mache das Marionettenspiel so lebendig, fügt Renate Knaak hinzu. „Man spielt nicht die Puppe, man lebt sie.“

So wird am morgigen Sonnabend aus Finanzbeamtin Höpker der gestiefelte Kater, Schneiderin Westphal verwandelt sich zur zauberhaften Prinzessin und Rentner Monzka zum Prinzen Hans. Ob sie aufgeregt sind? Die drei schütteln den Kopf. „Wir haben uns ein Jahr auf den Auftritt vorbereitet“, sagt Karl-Heinz Monzka. „Und wenn etwas schiefläuft, improvisieren wir. Genauso wie im echten Leben. Das kommt beim Publikum besonders gut an.“

Mitmachen und Genießen:

  • Das Museum im Marstall wird getragen vom Heimat- und Museumverein Winsen Luhe sowie von viel ehrenamtlicher Arbeit.
  • Interessierte können sich im Ehrenamt zum Beispiel in der Kinderbauhütte und in der museumseigenen Weberei engagieren, an der Kasse und im Museumsladen mitarbeiten oder bei der Inventarisation von Objekten mithelfen.
  • Das Marionettentheater sucht ebenso noch Mitstreiter. Zu sehen ist es am 14. August gleich zweimal, um 15 und um 16 Uhr. Karten für fünf Euro gibt es vor Ort im Museum im Marstall, Schloßplatz 1, in Winsen.