Digitalisierung

Mit künstlicher Intelligenz Schlaglöcher entdecken

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Hanna Kastendieck
Vialytics-Mitarbeiterin Katerina Papamichael übergibt das Gerät an Bürgermeister Dirk Seidler (l.) und Bauhofleiter Jochen Wahlers.

Vialytics-Mitarbeiterin Katerina Papamichael übergibt das Gerät an Bürgermeister Dirk Seidler (l.) und Bauhofleiter Jochen Wahlers.

Foto: Gemeinde Rosengarten / HA

Die Gemeinde Rosengarten erfasst ihre Straßen künftig digital – ganz einfach mit Smartphone und App. So geht's.

Nenndorf.  Mit künstlicher Intelligenz will die Gemeinde Rosengarten ab sofort den Zustand ihrer Straßen erfassen und Straßenschäden frühzeitig erkennen. Als erste Kommune im Landkreis Harburg setzt die Verwaltung dabei auf eine App des jungen Start-up Vialytics aus Stuttgart.

Die Anwendung auf dem Smartphone erfasst per Handykamera und GPS den Ist-Zustand aller Straßen aus der Windschutzscheibe eines Fahrzeugs heraus. Alle vier Meter wird eine Aufnahme gemacht. Ein Algorithmus erkennt sofort vorhandene Schäden wie Schlaglöcher, Risse, Dellen, Bodenwellen und geflickte Stellen.

Schäden werden mit Noten von eins bis fünf bewertet

Die Daten werden der Gemeinde anschließend in einer Karte zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise kann der Zustand des kompletten Straßennetzes aus dem Nenndorfer Rathaus heraus am Bildschirm überblickt werden. Die Schäden werden mit Noten von eins – sehr guter Zustand – bis fünf – stark sanierungsbedürftig – bewertet. Auch erhält die Gemeinde die Information, welche Straßen sie als Erstes sanieren sollte. So kann sie Schäden frühzeitig und effizient beheben und die Straßen damit länger befahrbar halten.

Bürgermeister Dirk Seidler erhofft sich durch die App eine deutliche Verbesserung im Straßenunterhalt. „Ziel ist es, einen Gesamtüberblick über den Zustand unserer Straßen und Wege zu erhalten, um damit eine effiziente Straßenunterhaltung zu ermöglichen“, so Seidler. „Durch die objektive Zustandsbewertung können die Reihenfolge und Umfang von Sanierungsmaßnahmen nachvollziehbar belegt und geplant werden.“

Durch den Einsatz der App wird eine bisherige Mammutaufgabe zu einer Angelegenheit, die die Mitarbeiter des Bauhofs quasi nebenbei auf ihren Fahrten durch die Gemeinde gleich miterledigen können. Denn das weit über 250 Gemeindestraßen umfassende Straßennetz mit einer Länge von zirka 120 Kilometern sowie die 16 Kilometer Gehwege an Kreisstraßen, musste bislang von Bauhofteams nicht nur regelmäßig mit Blick auf Schäden befahren, sondern das grobe Schadensbild auch manuell erfasst werden. „Die Ergebnisse dieser Befahrungen wurden gesammelt und gebündelt beauftragt“, so Seidler.

Technik kommt einfach an das Müllauto

Die manuelle Auswertung von Unebenheiten durch Verwaltungsangestellte dauerte oft Monate. Die neue Technik schafft das in 24 Stunden. Für das Unternehmen Vialytics, das 2018 von Danilo Jovicic, Achim Hoth und Patrick Glaser gegründet worden ist, steht bei der App vor allem die einfache Bedienung im Vordergrund. Dabei genüge ein modernes Smartphone, ließ Mitarbeiterin Katerina Papamichael Bauhofleiter Jochen Wahlers und Bürgermeister Dirk Seidler bei der Einweisung in das Programm wissen.

Spezielle und teure Messfahrzeuge würden nicht benötigt. Viele Städte und Kommunen montieren die Smartphones an der Frontscheibe von Kehrmaschinen oder Müllautos und erledigen damit gleich zwei Aufgaben auf einmal. Der Datenschutz hat bei der Anwendung oberste Priorität. Personenbezogene Daten werden nicht erfasst, Gesichter und Kennzeichen geschwärzt.

Jährliche Kosten liegen bei knapp 13.000 Euro

Bewährt sich das Verfahren, will Bürgermeister Seidler die Software dauerhaft einsetzen. Rund 1400 Euro hat die Gemeinde sich das Hardwarepaket mit Smartphone, Fahrzeugzubehör und Versicherung kosten lassen. Hinzu kommen pro Jahr rund 107 Euro pro Kilometer für zwei Befahrungen. Damit betragen die jährlichen Kosten bei einer Straßenlänge von 120 Kilometern knapp 13.000 Euro. Einen Zuschuss vom Land gibt es – anders als zum Beispiel in Baden-Württemberg – nicht.

Insgesamt liegt das Budget der Gemeinde für die Unterhaltung und Instandsetzung ihrer Straßen sowie für kleinere Investitionsvorhaben bei 500.000 Euro. Hinzu kommen Personalkosten für die eingesetzten Verwaltungs- und Bauhofmitarbeiter. Künftig werden diese nun zwei Mal im Jahr das gesamte Straßennetz unter die Lupe nehmen. „Damit werden die Grundlagen gelegt, um die Straßenunterhaltung unter betriebswirtschaftlichen und technischen Aspekten zu optimieren“, heißt es aus der Verwaltung. Möglich ist außerdem, von Bürgern gemeldete Mängel rasch zu überprüfen, ohne extra an die jeweilige Stelle fahren zu müssen. Was die App jedoch nicht leisten wird: die Straßenschäden zu beheben. Dafür muss die Gemeinde Rosengarten dann doch noch selbst sorgen.