Impfkampagne

Kinder impfen? Ärzte uneinig, Landesregierung dafür!

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Der Piks für 14-Jährige? Etliche Ärzte in Niedersachsen sind dagegen, die Landesregierung ist allerdings dafür.

Der Piks für 14-Jährige? Etliche Ärzte in Niedersachsen sind dagegen, die Landesregierung ist allerdings dafür.

Foto: Bodo Schackow / dpa

Die Inzidenzwerte in Niedersachsen und im Landkreis Harburg bleiben stabil auf niedrigem Niveau.

Winsen/Hannover.  Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Niedersachsen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche hat sich nicht geändert. Nach Mitteilung des Robert Koch-Instituts vom gestern blieb der Inzidenzwert wie am Sonntag bei 3,7. Die Zahl der Neuinfektionen nahm um neun Personen zu, neue Todesfälle gab es keine. Im Landkreis Harburg liegt die Zahl bei 7,5 und ist damit wieder etwas gesunken, zuletzt lag die Inzidenz bei 7,9, nachdem sie Mitte Juni bereits auf 3,5 gesunken war. In sieben Gemeinden ist der Wert gleich Null, in Neu Wulmstorf, Buchholz, Tostedt und Rosengarten sowie Winsen gibt es noch Fälle von Corona, allerdings absolut im einstelligen Bereich.

Niedersachsens Ärzte diskutieren derweil kontrovers, in wieweit Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden sollten. Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, will Kinder und Jugendliche nur bei Vorerkrankungen impfen lassen. Der Vorsitzende der Ärztekammer Hannover, der Kinderarzt Thomas Buck, sagte hingegen, er würde Jugendliche impfen, wenn sie es wünschten. Beide äußerten sich in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

„Kinder und Jugendliche nur bei Vorerkrankungen impfen“

Wenker sagte der Zeitung, sie würde ein 15-Jähriges Mädchen ohne Vorerkrankungen nach Hause schicken. Buck sagte: „Es gibt viele Jugendliche, die eine Impfung wollen, damit sie wieder am sozialen Leben teilnehmen können.“ Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt derzeit eine Impfung bei 12- bis 17-Jährigen nur bei bestimmten Vorerkrankungen. In niedersächsischen Impfzentren lehnten zuletzt etliche Ärzte impfwillige Kinder und Jugendliche trotz eines vereinbarten Termins ab.

Die Landesregierung ist allerdings für eine Impfung von Kindern und Jugendlichen, auch um eine schnelle Verbreitung der Delta-Variante nach den Sommerferien zu verhindern. Sie halte dies für unangebracht, sagte Wenker der Zeitung. Für Ärzte zähle die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, das sei schon aus haftungsrechtlichen Gründen wichtig.

Virologin fordert erweitertes Testkonzept für die Schulen

Die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann forderte vor dem Hintergrund der Diskussion um die Impfung von Kindern und Jugendlichen für die Zeit nach den Sommerferien ein erweitertes Testkonzept für die Schulen. „Ich finde es wichtig, auch Kinder und Jugendliche vor einer Infektion zu schützen“, sagte die Wissenschaftlerin des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Gerade jetzt, denn die Delta-Variante wird nach den Sommerferien sehr schnell durch die Schulen rauschen, wenn wir keine Vorsorge treffen.“ Herkömmliche Schnelltests seien häufig zu unsicher. „Viel einfacher ist der sogenannte Lollitest oder ein Gurgeltest. Das kann per PCR ausgewertet werden.“

Am Samstag hatte die Stadt Osnabrück ein Impfangebot für alle Menschen ab zwölf Jahren mit Wohnsitz in der Stadt mit Biontech gemacht. Dafür standen insgesamt 200 Dosen zur Verfügung, von denen 170 verimpft wurden, sagte ein Sprecher der Stadt. 74 Dosen Biontech seien an Minderjährige und 96 Dosen Moderna an Volljährige gegangen. „Gemeinsam mit dem vergangenen Dienstag und Mittwoch, als alle 842 zur Verfügung stehenden Dosen Biontech und Moderna an vorwiegend junge Menschen verimpft wurden, können wir ein positives Fazit der Aktion ziehen“, teilte er auf Anfrage mit. Mehr als 1000 Menschen mit Wohnsitz in Osnabrück hätten kurzfristig eine Impfung erhalten.

Impfungen gegen Coronavirus ohne Terminvergabe möglich

In den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg waren von Montag an Impfungen gegen das Coronavirus ohne Terminvergabe möglich. Wie der Landkreis Uelzen mitteilte, werden in dem für beide Landkreise zuständigen Impfzentrum Impfungen für Menschen ab 18 Jahren ohne vorherige Terminvereinbarung täglich zwischen 13 Uhr und 15.30 Uhr angeboten. Auch in Braunschweig können Menschen ab 18 Jahren ohne Termin eine Impfung mit dem Impfstoff Astrazeneca bekommen.

Schon am vergangenen Sonnabend gab es in Lüneburg ein zusätzliches Impfangebot ohne Termin. Dieses Angebot wird zum Wochenbeginn auch weiter fortgesetzt. Der Landkreis Osnabrück bot bereits am Freitag auf dem Wochenmarkt in Bramsche ein Impfangebot ohne Voranmeldung an.

Inzidenz in Bremen ist wieder leicht gestiegen

Während die Inzidenz in Niedersachsen weiterhin auf niedrigem Niveau stabil ist, Im Bundesland Bremen stieg der Wert hingegen erneut leicht an auf 7,5. Am Sonntag betrug er 7,0. Die Zahl der Infizierten erhöhte sich bezogen aufs Bundesland um 4 auf 27.476. In der Stadt Bremen wurden laut RKI 7,6 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche registriert, in Bremerhaven 7,0.

In Niedersachsen waren die Landkreise mit den höchsten Inzidenzwerten Celle (15,6) und Stade (13,7). In den Landkreisen Ammerland, Grafschaft Bentheim, Leer, Lüchow-Dannenberg, Northeim und Uelzen lag der Inzidenzwert bei null.