Verkehrskonzept

„Tempo 10“ für Buxtehuder Altstadt

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Axel Tiedemann
Idyllische Lage vor der ehemaligen Mühle in der Buxtehuder Altstadt

Idyllische Lage vor der ehemaligen Mühle in der Buxtehuder Altstadt

Foto: Axel Tiedemann / AT

Für mehr Außengastronomie sollte eigentlich eine flächendeckende Fußgängerzone kommen. Doch die Planer schlagen eine Alternative vor.

Buxtehude.  Eigentlich hatte es da zunächst den Traum von mehr Stühlen, Tischen und Bänken für die Außengastronomie rund ums historische Fleth in Buxtehude gegeben: Doch als im letzten Vor-Corona-Sommer diese Idee auch in die Buxtehuder Kommunalpolitik durchdrang, gab es neben viel Begeisterung auch viel Kritik. Denn dazu müsste der Autoverkehr quasi aus der Buxtehuder Altstadt verbannt werden. Die Stadt beauftragte daher ein Verkehrsplaner-Büro, um eine verträgliche Lösung zu finden: Nach einem ersten Zwischenstand im vergangenen Herbst und einer Video-Konferenz mit Beteiligten und Anwohnern Anfang des Jahres legte Planer Sebastian Schröder-Dickreuter von der Bremer „Planersocietät“ nun den Abschlussbericht vor.

Buxtehude könnte wieder Vorreiter werden

Danach wird zwar keine völlig geänderte Verkehrsführung nötig sein, doch der Bericht enthält zumindest eine Empfehlung, mit der Buxtehude nach der Einführung von Tempo-30-Zonen in den 1980er Jahren wieder einmal Vorreiter in Sachen Verkehrsplanung werden könnte. Planer Schröder-Dickreuter nahm dabei einen Vorschlag aus der Video-Beteiligungsrunde auf. So hatte er zunächst im Herbst noch vorgeschlagen, die Altstadt in einen sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereich umzuwandeln, in dem flächendeckend Tempo 20 gelten soll. Eine solche Maßnahme wird gern in Innenstädten angeordnet, um Autoverkehr weiter zu ermöglichen, ihn aber zu drosseln. Auch Neu Wulmstorf erwägt derzeit einen solchen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich für seine zentrale Bahnhofstraße.

Tempo 10 noch nicht gesetzlich geregelt

Doch in Buxtehude könnte dieses Vorhaben noch einen Schritt weiter gehen, indem dann in der Altstadt sogar nur Tempo 10 gelten sollte. Wie der Planer im Ausschuss jetzt erläuterte, gibt es nach der Straßenverkehrsordnung derzeit noch keine solche Festsetzung, sie werde aber mancherorts politisch diskutiert. In Berlin sei an einer Stelle dann auch schon der Versuch unternommen worden, musste aber nach Klagen zurückgenommen werden. Mit der merkwürdigen Begründung, dass es dafür noch kein amtliches Verkehrszeichen gebe. Das, so der Planer, könne sich aber mit der anvisierten Novelle der Straßenverkehrsordnung bald ändern. Er empfehle daher zunächst eine Tempo-20-Regelung „und perspektivisch dann Tempo 10, sobald sich das Recht geändert hat.“

Ursprünglich sollte es eine große Fußgängerzone geben

Ausgangspunkt seiner Untersuchung war allerdings zunächst ein anderer. Nach der Forderung für mehr Flächen für die Außengastronomie prüfte die Planersocietät zunächst verschiedene Varianten für eine flächendeckende Fußgängerzone. Doch die Verkehrsplaner entdeckten dafür bald mehrere Schwachpunkte: Weil Liefer- und Rettungswege frei gehalten werden müssten, würde es unterm Strich kaum mehr Flächen für die Außen-Gastronomie ergeben. Auch die Erreichbarkeit der Stellplätze von Anwohnern sei bei einer Einführung einer umfassenden Fußgängerzone nicht mehr möglich. Und: Für die schweren Müllfahrzeuge müsste dann mindestens ein Wendehammer in die enge Altstadt gebaut werden. Als Fazit kommt das Büro von Schröder-Dickreuter daher zu der Erkenntnis, dass als eine Art Kompromiss nun dort eben ein solcher verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit der Perspektive auf Tempo 10 eingeführt werden sollte.

Kommunalpolitik sieht ganz neue Vorteile

In der Kommunalpolitik gab es dazu nun weitgehende Zustimmung: Das sei nun nicht der „große Wurf“, aber etwas anders sei eben auch nicht machbar, lautete in etwa der Tenor der meisten Fraktionen. SPD-Fraktionschefin Astrid-Bade konnte dem angestrebten, völlig neuen Tempolimit aber noch etwas aus einem ganz anderen Blickwinkel abgewinnen: „Daran müssen sich dann auch die Radfahrer halten, was gut für die Fußgänger ist“, meinte sie.