Umwelt-Management

Kreis verdoppelt kostenlose Abgabemenge für Grünabfall

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Rolf Zamponi
Grünabfall wird bearbeitet: Für Bürger sollte die Abgabe möglichst einfach sein.

Grünabfall wird bearbeitet: Für Bürger sollte die Abgabe möglichst einfach sein.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Statt bisher einen halben Kubikmeter sollen Bürger von nächsten Jahr an einen Kubikmeter Abfall aus dem Garten abgeben können.

Kreis Harburg.  Die Einwohner im Landkreis Harburg können im kommenden Jahr mehr Grünabfälle kostenlos an den drei Wertstoffannahmestellen und zwei Kompostplätzen abliefern. Die Freimenge verdoppelt sich von einem halben auf einen Kubikmeter. Ab einem Kubikmeter werden dann Gebühren fällig. Das hat der von Volkmar Block (Grüne) geleitete Kreis-Umweltausschuss nach einer knapp zweistündigen Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen.

Zudem sollen jetzt die Menschen im Kreis befragt werden, welches Sammelsystem für Leichtverpackungen aus Kunststoff sie für die Zukunft bevorzugen. Auch dieser Beschluss fiel mit Mehrheit. Die Auswahl besteht zwischen dem derzeit genutzten gelben Säcken, der gelben Tonne oder Wertstofftonnen, die auch nicht vom Dualen System lizenzierte Stoffe aufnehmen können. „Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage sollen bis zum Herbst vorliegen“, sagte Frank Sameluck, der Betriebsleiter der Kreis-Abfallwirtschaft. Soweit eine Änderung des Sammelsystems gewünscht ist, müsste sie im Umweltausschuss am 14. September beschlossen werden. Sie könnte von 2023 an in Kraft treten.

Sechs Anträge für neue Regeln bei der Abgabe von Grün aus den Gärten

Zur Regelung bei den Grünabfällen lagen im Ausschuss allein sechs Anträge verschiedener Parteien vor. „Frank Sameluck und ich können uns nicht erinnern, dass es schon einmal eine solche Dichte zu dem Thema gegeben hat“, sagte Kreisrat Josef Nießen. Sameluck steht seit zehn Jahren an der Spitze der Abfallwirtschaft.

Zu den Zielen der Neuordnung gehört, Probleme durch Staus vor den Anlagen in den Griff zu bekommen. Ob es durch eine möglich werdende größere Abgabemenge zu weniger Fahrten kommen wird, ist jedoch offen. Derzeit geht der Trend zu kleineren Fuhren und weiter leicht steigenden Anlieferungen. So ist an der Müllumschlagsanlage in Nenndorf die durchschnittliche Grünabfallmenge um 35 Prozent gesunken. Derzeit werden 27.500 Tonnen Grünabfall für die Bürger kostenlos entsorgt. Der Landkreis verzichtet damit auf jährlich 2,4 Millionen Euro.

Bleibt im Kreis die Gleichbehandlung aller Bürger erhalten?

Sameluck verwies am Montagabend auf begrenzte Lagerkapazitäten, einen erhöhten Platzbedarf, wenn Bürger mit Anhängern zu den Plätzen kommen und damit auf Straßen erneut Rückstaus auslösen und nicht zuletzt auf die Gebührengerechtigkeit. Denn alle Bürger finanzieren die Gebühren auf den Anlagen über ihre Entgelte für den Restmüll, aber nicht alle würden auch Grünabfall abgeben. „Ist mit den kostenlosen Abgaben noch die Gleichbehandlung erfüllt?“, fragte der Chef der Abfallwirtschaft.

Um das Platz- und das Verkehrsproblem zu lösen, sprachen sich sowohl Arno Reglitzky (FDP) als auch Frank Oliver Lein (Freie Wähler) und Willy Isermann (CDU) für eine neue Anlage aus. „Lasst uns einen Platz finden, auf dem wir nicht die derzeitigen Probleme von heute haben“, sagte Isermann.

CDU will für Anlage in Ardestorf eine ebenerdige Abladefläche

Für die Bürger soll es nach weiteren Beschlüssen des Ausschusses zu zusätzlichen Erleichterungen beim Abladen ihres Abfalls aus den Gärten kommen. Ein Beispiel ist die neue Anlage in Ardestorf. Nach einem bei zwei Enthaltungen angenommen Antrag der CDU soll eine ebenerdige Fläche von mehr als 300 Quadratmetern entstehen, so dass sich der Grünabfall ohne Probleme abladen lässt. Die Kosten einschließlich einer undurchlässigen Schicht für Sickerwasser schätzt Kreisrat Nießen auf 200.000 Euro. Die Verwaltung bietet dagegen an, neben dem ersten zwei weitere Container zu öffnen und an deren Zugang Rampen zu errichten. Auch die SPD hat sich in ihrem Antrag für das Öffnen der Boxen oder Hilfe vom Personal ausgesprochen. Hier gab es ein positives Votum bei zwei Enthaltungen.

Für die Sammlung von Kunststoffabfällen sehen die Politiker im Ausschuss Vorteile bei der gelben Tonne. Zwar ist die Flexibilität bei den Säcken höher, weil von ihnen mehrere genutzt werden können. Aber die leichten Säcken können reißen. Der Müll verteilt sich dann auf den Straßen. „Der gelbe Sack ist nicht das Gelbe vom Ei“, merkte Isermann an. Bei den Tonnen befürwortet Andrea Röhrs (CDU) eine 14-tägige Leerung.

„Der gelbe Sack ist eine Beruhigungspille.“

Kritik an der Entsorgung kommt von den Grünen. „Der gelbe Sack ist eine Beruhigungspille. Nur knapp 16 Prozent des gesammelten Kunststoffs werden recycelt. Der Rest geht nach Asien“, sagte Elisabeth Bischoff, die stellvertretende Ausschussvorsitzende. „Wir müssen die Kompostierung fördern und Schreddern anbieten.“ Sie hält auch nichts von der Umfrage bei den Bürgern. „Wir sollten für eine Entscheidung den Schwarzen Peter nicht den Einwohnern zuschieben“, argumentiert Bischoff. Vielmehr sollten sich die Kreistagsmitglieder umfassend informieren und dann im Kreistag über das künftige Sammelsystem beschließen. Auch Lein sprach sich gegen eine Umfrage aus, weil er fürchtet, dass darin nicht alle Aspekte für ein Votum eingeschlossen werden könnten.

Dennoch: Die Online-Umfrage wird kommen: Dafür waren acht Politiker gegen vier bei einer Enthaltung. „Es handelt sich um eine grundlegende Entscheidung, daher haben wir die Umfrage vorgeschlagen“, sagte Kreisrat Nießen. „Letztlich liegt die Entscheidung bei den politischen Gremien. Aber wir sind darauf angewiesen, dass die Bürger das System annehmen.“ Die Entscheidungen muss der Kreistag noch bestätigen.