Tourismus

Neue Hotelpläne fürs Alte Land trotz Corona

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Axel Tiedemann
Das geplante Hotel soll in seiner Anmutung architektonische Elemente der großen Höfe im Alten Land aufnehmen und selbst mitten in einem Obsthof stehen

Das geplante Hotel soll in seiner Anmutung architektonische Elemente der großen Höfe im Alten Land aufnehmen und selbst mitten in einem Obsthof stehen

Foto: TSSB Architekten.ingenieure / AT

Bebauungsplan für ein 100-Betten-Haus samt Strandbar. Zudem sollen mobile Naturholz-Hütten Besuchern Alternative Übernachtung bieten.

Jork/Twielenfleth.  Der Tourismus im Alten Land leidet nun schon im zweiten Jahr massiv unter den Beschränkungen der Corona-Krise. Und doch gibt es offensichtlich noch Zuversicht in der Branche, wie zwei aktuelle Vorhaben zeigen. Denn für beide sind mitten in der Pandemie Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht wurden, um neuartige touristische Angebote realisieren zu können.

Projektname lautet „Elbufer-Resort“

Das ist einmal ein größeres Hotelprojekt in Hollern-Twielenfleth, das unter dem Projektnamen „Elbufer-Resort“ ganz in der Nähe des Strandabschnitts geplant ist. Es richtet sich auch an Kurzzeit-Touristen. Das andere Vorhaben in Jork-Borstel ist eher für Freunde sehr individueller Übernachtungsangebote mitten in der Natur gedacht. Dort planen Nicole und Maren Stubbe vom traditionsreichen Gasthaus Stubbe in einer Schleife der Lühe kleine, mobile Holzhütten.

Bürgermeister suchte selbst nach einem Standort

Für das Twielenflether Hotel-Projekt setzt sich vor allem der dortige Bürgermeister Timo Gerke (parteilos) ein. Anlass war die Schließung eines Hotels vor einigen Jahren. „Wir haben hier im Alten Land vor allem Ferienwohnungen, aber kaum Angebote für nur eine oder zwei Nächte“, sagt Gerke, der bereits mit Investoren und Grundeigentümern verhandelt. Man brauche etwas beispielsweise für Radtouristen, die einen Übernachtungsstopp einlegen wollen. „Wir liegen hier an vier großen Radwegeverbindungen“, sagt Gerke, der auch an Hamburger Gäste denkt, die mit der S-Bahn bis Stade oder sogar von den Landungsbrücken aus mit einer der Fähren anreisen könnten. „Für ein Verwöhn-Wochenende zum Beispiel“, wie er sagt.

Strandbar und ein Wellness-Bereich geplant

Laut der Begründung für den gerade aufgestellten Bebauungsplan soll dort ein Haus mit etwa 80 bis 100 Betten sowie einem Restaurant entstehen. Erste Entwürfe gibt es bereits: Die zeigen ein Haus, das sich an der traditionellen Architektur im Alten Land orientieren soll und eben auch mitten in einem Obsthof stehen könnte. Sauna und Fitnessbereiche soll es dort ebenfalls geben – und auch eine mobile Strandbar auf der anderen Straßenseite.

Tatsächlich gehört zu der Gemeinde ein breiter Strandabschnitt an der Elbe, die hier im breiten Bogen vorbei strömt. Bisher gibt es für Sonnenanbeter oder Spaziergänger dort keine Versorgungsmöglichkeiten, heißt es weiter in der Plan-Begründung der Gemeinde.

Betreiber des neuen Hotels ist das Unternehmen Upstalsboom

Seit gestern macht die Gemeinde Hollern-Twielenfleth nun auch öffentlich, wer Betreiber des Hauses werden soll, das vorsichtigen Schätzungen zu Folge 2023 eröffnen könnte. Man habe mit dem Unternehmen Upstalsboom jemanden dafür gewinnen können, der einer der „führenden Ferienanbieter an der Nord- und Ostsee ist und momentan rund 70 Hotels und Ferienwohnanlagen betreibt“, wie Bürgermeister Gerke sagt. Derzeit befinde sich der zukünftige Betreiber noch in Abstimmungsgesprächen mit Investoren. Sollte es zu der erhofften Partnerschaft kommen, werde das Projekt den Anwohner auf einer separaten Veranstaltung noch einmal vorgestellt, verspricht er.

Etwas weiter südlich von dem möglichen Twielenflether Hotelprojekt bietet das Gasthaus Stubbe fünf Gästezimmer und 14 Wohnmobilplätze an. Das Gasthaus war ursprünglich im 19. Jahrhundert eine Schiffswerft, die hier nicht weit von der Mündung zur Elbe ihren Standorte hatte. Später wurde dann ein Gastbetrieb daraus. Seniorchefin Maren Stubbe und ihre Tochter Nicole hatten nun vor einiger Zeit auf einer Messe ein mobiles Holz-Häuschen entdeckt, das jetzt ihr Angebot erweitern soll. „Tannhäuschen“, so lautet der Produktname. Hergestellt wird es im nahen Harsefeld. „Wir waren sofort verliebt darin“, sagt die Seniorchefin.

Schlafen unter Kirsch- und Walnussbäumen

Der große Garten des Gasthauses soll nun neuer Standort für drei solcher Übernachtungsmöglichkeiten mit Blockhauscharme werden. Unter den Kirsch- und Walnussbäumen sollen sie in der Saison aufgestellt werden. Doch einfach so geht das nicht. Weil der Garten eine sogenannte Außendeichfläche der Lühe ist, muss auch hier zunächst ein offizieller Bebauungsplan von der Gemeinde aufgestellt werden. Immerhin hat das zuständige Umweltamt bereits eine positive Stellungnahme im Rahmen des Verfahrens abgegeben. Im Herbst, so hofft Maren Stubbe nun, könnte der Bebauungsplan rechtskräftig werden, so dass die Tannhäuschen in der kommenden Saison dort bereits aufgestellt werden könnten.

Diese Saison jedoch wäre wohl auch mit solchen Naturholz-Hütten nicht besser gelaufen. Weil selbst der Saisonhöhepunkt zur Obstblüte in diesem Jahr corona-bedingt ausgefallen ist, rechnet die Geschäftsführerin des Stader Tourismusverbands, Monika Rulle, mit einem noch „dramatischeren“ Ergebnis als im ersten Pandemie-Jahr für das Alte Land.

Schlechter Saisonstart im Alten Land

Gastronomie und Übernachtungsbetriebe würden zudem noch immer unter Testpflichten und Corona-Beschränkungen leiden. Fatal seien zudem die immer neuen Verordnungen des Landes, die quasi von Sonnabend auf Montag neue Regeln von den Betrieben verlangten. „Das macht nach 14 Monaten Pandemie einige wütend“, sagt sie. Begrüßenswert in dieser Situation seien daher positive Meldungen wie die Hotelbaupläne. Doch Rulle mahnt: „Noch steht das aber ganz am Anfang, jetzt müssen die Bürger erst einmal mitgenommen werden.“