Aktionsplan

So will Winsen den Verkehrslärm in der Stadt reduzieren

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Rolf Zamponi
Andreas Mayer, Geschäftsbereichsleiter Umwelt und Infrastruktur, und Peter Max Möller (r.) von der Stadtplanung stehen an der Hamburger Straße, deren Lärm zu laut ist.

Andreas Mayer, Geschäftsbereichsleiter Umwelt und Infrastruktur, und Peter Max Möller (r.) von der Stadtplanung stehen an der Hamburger Straße, deren Lärm zu laut ist.

Foto: Rolf Zamponi

Bauausschuss setzt sich in außerplanmäßigen Sitzung für Lärmaktionsplan ein. Tempo 30 und Flüsterasphalt sollen gegen Lärm helfen.

Winsen.  Die Kreisstadt Winsen will im Kampf gegen den Verkehrslärm jetzt ernst machen. In einer knapp zweistündigen außerplanmäßigen Sitzung hat sich der Bauausschuss einstimmig für vier innerstädtische und zwei Bereiche in den Ortsteilen für Maßnahmen im Rahmen eines Lärmaktionsplans ausgesprochen.

Dem Entwurf muss der Verwaltungsausschuss am 11. Mai noch zustimmen. Danach soll er für einen Monat im Rathaus und auf der Homepage der Stadt ausgelegt werden, so dass die Straßenbaulastträger Land, Landkreis und die Autobahn GmbH sowie Bürger und Interessengruppen Stellung nehmen können.

Der Stadtrat soll im Oktober über den Lärmaktionsplan beschließen

Ergänzt um mögliche, eingearbeitete Änderungen, könnte der Lärmaktionsplan am 14. Oktober vom Rat beschlossen werden. Er wäre damit die Grundlage für Anordnungen der Stadt im Verkehrsbereich. Die Verwaltung stützt sich juristisch auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim von 2018, nach dem solche Anordnungen in der Hoheit einer Kommune liegen. „Der Lärmaktionsplan ist damit wichtiger Anker für Entscheidungen, um künftig den Verkehrslärm in der Stadt zu reduzieren“, sagte Andreas Mayer, der Geschäftsbereichsleiter Umwelt und Infrastruktur der Stadtverwaltung, dem Abendblatt.

Im Plan hat das von der Stadt beauftragte Lärmkontor aus Hamburg dort Maßnahmen vorgeschlagen, wo durch den Verkehr tagsüber 65 Dezibel und nachts 55 Dezibel überschritten werden. Die Werte wurden nach Verkehrszählungen computergestützt berechnet. Es handelt sich um die Hamburger Straße, die von Westen in die Stadt führt, den Tönnhäuser Weg stadtauswärts Richtung Elbmarsch, die Lüneburger Straße Richtung Osten und die Luhdorfer Straße/Winsener Landstraße. Außerhalb der Kernstadt geht es um die Bereiche um die Kirche in Pattensen und hinter der Anschlussstelle Winsen-West der A 39 in Scharmbeck.

Tempo drosseln oder Flüsterasphalt auf den Straßen verlegen

Grundsätzlich kann Lärmschutz über eine auf 30 km/h gedrosselte Geschwindigkeit sowie den Einbau von offenporigem, sogenanntem Flüsterasphalt erzielt werden. Für Winsen ist die geringere Geschwindigkeit derzeit allein für die Nachtstunden vorgesehen.

Lärmkontor-Chef Christian Popp hatte im Ausschuss Kosten und Effizienz der Maßnahmen erläutert. Danach sind Verkehrsschilder nicht nur die günstigere, sondern auch die effektivere Alternative. „Für den Asphalt muss eine Straße komplett neu gemacht werden. Das ist teuer und aufwendig“, sagte Mayer. Immerhin: Würde zu beiden Mitteln gegriffen, ließe sich der Lärm für die Bereiche um bis zu 70 Prozent vermindern.

Stadt soll ruhige Bereiche zur Naherholung ausweisen

Über die betroffenen Straßen hinaus schlägt Popp vor, dass die Stadt ruhige Bereiche für die Naherholung ausweist. Dort könnten dann keine neuen Lärmquellen entstehen. Vorgesehen sind etwa Flächen westlich von Pattensen mit dem Naherholungsgebiet Buchwedel, östlich von Bahlburg und nördlich von Borstel, Sangenstedt und Rottorf.

Vor Jahren war die Stadt mit einer Reduzierung des Tempos auf 30 km/h in Pattensen noch gescheitert. Das Land kassierte den Beschluss, auch vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg erhielt die Stadt nicht Recht. Zuletzt hatte zudem der Landkreis die Planungen für eine Umgehungsstraße für Luhdorf und Pattensen eingestellt. Mit dem nun aktualisierten Lärmaktionsplan schätzt die Verwaltung die Rechtslage aber deutlich günstiger ein. Der Plan gilt als wichtiger Pfeiler, um Maßnahmen zu begründen.

SPD setzt sich als Ziel für Durchfahrtsverbot in Pattensen ein

„Lärm ist eine Belastung. Es ist gut, dass der Plan nun vorliegt. Das sehe ich als Schritt nach vorn“, sagte CDU-Ratsherr Jan Jürgens. „Wir müssen jetzt sehen, was umsetzbar, wirtschaftlich und notwendig ist.“ „Wir haben im Ausschuss für das Voranbringen des Beschlussverfahrens gestimmt. Denn mit der Temporeduzierung wird ein Element umgesetzt werden, dass wir bereits im Mai 2020 für den Lärmaktionsplan beantragt haben“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Benjamin Qualmann.

Die SPD hat aber auch ein Lkw-Durchfahrtsverbot vor allem in Pattensen erneut zur Sprache gebracht. „Dieses ist nach wie vor ein zentrales Ziel von uns und den Bürgern in Pattensen, auch wenn die Durchsetzung rechtlich nicht der einfachste Weg ist“, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Brigitte Netz. Die SPD hat in der Sitzung daher die Auswertung der Zahlen, etwa zum Lkw-Verkehr, angefordert.