Umbaupläne

Gefährliche Kreuzung in Buchholz wird zum Kreisverkehr

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Hanna Kastendieck
Ähnlich schmuckvoll wie auf diesem Bild könnte es schon bald am nördlichen Einfallstor von Buchholz aussehen.

Ähnlich schmuckvoll wie auf diesem Bild könnte es schon bald am nördlichen Einfallstor von Buchholz aussehen.

Foto: Thorsten Ahlf

Bau- und Planungsausschuss des Harburger Kreistags macht Weg frei für eine Lösung am Knotenpunkt. Warum das heiß diskutiert wird.

Buchholz.  Die Sache ist endlich rund. Buchholz bekommt einen neuen Kreisverkehrsplatz. Der Bau- und Planungsausschuss des Landkreises empfahl in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch einstimmig den Bau eines neuen Kreisels am nördlichen Eingangstor zur Nordheidestadt. Dieser soll die bisherige provisorische Ampellösung an der Kreuzung Hamburger Straße/Nordring ablösen und dafür sorgen, dass ein wesentlicher Unfallschwerpunkt der Region verschwindet.

1,45 Millionen Euro wird das neue Bauwerk mit einem Durchmesser von 50 Metern kosten. Die Fahrbahnbreite wird bei sieben Metern liegen. Geplant ist, den Rad- und Fußgängerverkehr über eine Bedarfsampel zu regeln. Der Kreisel wird optional ausbaufähig und bei Bedarf auch zweispurig befahrbar sein. Ein zusätzlicher freier Rechtsabbieger Richtung Nord-Ost soll vorsorglich eingeplant werden. Dort könnte zu einem späteren Zeitpunkt die noch in der Diskussion befindliche östliche Umgehungsstraße angebunden werden. Die Bauarbeiten für den neuen Kreisel könnten bereits zum Herbst beginnen. Die Kosten für den Bau werden aufgeteilt. 23,2 Prozent übernimmt die Stadt, den Rest trägt der Kreis. Die Gestaltung des Innenringes ist ebenfalls Sache der Kommune.

Nach jahrelanger Diskussion Lösung fürs Ampelprovisorium

Mit der Entscheidung für den neuen Kreisverkehrsplatz beendet der Landkreis eine jahrelange Diskussion um eine Lösung für das Ampelprovisorium aus Masten, frei hängenden Kabeln und mit löchrigen Folien verhängten Lichtsignalkörpern. Eine Diskussion, an der sich bis zuletzt die Gemüter erhitzt haben. SPD-Ratsmitglied Norbert Stein war es schließlich, der das Fass am vergangenen Mittwoch zum Überlaufen brachte. Er hatte vorgeschlagen, hinter dem Kreisel einen Tunnel zu bauen, um Radfahren und Fußgängern die Querung der Hamburger Straße zu ermöglichen, was die Baukosten mehr als verdoppelt hätte. Stephan Zins vom Betrieb Kreisstraßen des Landkreises legte dazu konkrete Zahlen vor und musste sich anschließend den Beschimpfungen des Antragsstellers aussetzen.

Um kurz nach 19 Uhr, vier Stunden nach Sitzungsbeginn, platzte dann auch FDP-Frontmann und Kreistagsmitglied Arno Reglitzky der Kragen. Reglitzky, der sich als Vorstand des ADAC Hansa bereits vor 30 Jahren für Kreisverkehr-Projekte eingesetzt hat und als Fachmann für Kreisel gilt, rief den SPD-Genossen zur Raison. „So geht das nicht“, wetterte Reglitzky. „Wenn Norbert Stein mit dieser Breitseite gegen die Fachleute der Verwaltung vorgeht, möchte ich mit ebensolcher Breitseite gegen ihn vorgehen.“ Es sei nicht in Ordnung, dass jedes Mal in letzter Sekunde ein neuer Vorschlag um die Ecke komme. „Das ist kein fairer Umgang mit uns und der Verwaltung. 30 Jahre beschäftigen wir uns nun schon mit diesem Knoten. Jetzt haben wir eine Lösung gefunden. Lasst uns das doch endlich mal machen. Wir können doch nicht ewig diskutieren.“

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Doch genau das tun die Buchholzer Politiker offenbar gern und dies ganz besonders ausdauernd um Verkehrsthemen. Drei Stunden dauerte die Debatte im Bau- und Planungsausschuss um den Bau der neuen Kreisstraße, die als östliche Umfahrung den Verkehr in der Buchholzer Innenstadt entlasten soll. Die Straße, deren tatsächlicher Nutzen in der Bevölkerung umstritten ist, bespielt seit fast 40 Jahren die politische Bühne der Nordheidestadt. Im Zuge des jüngsten Stadtentwicklungsprojektes „Buchholz 2025plus“, welches die Erschließung von Flächen für den Bau von rund 1500 Wohnungen im Osten der Stadt vorsieht, haben die Planungen für die Ostumfahrung erneut Fahrt aufgenommen.

Inzwischen gibt es Machbarkeitsstudie für die Kreisstraße

Inzwischen gibt es eine Machbarkeitsstudie für die Kreisstraße, die verschiedene Vorzugsvarianten für deren Verlauf vorsieht. Diese wurde jetzt den Mitgliedern des Bau- und Planungsausschuss im Kreishaus vorgestellt. Dieser befürwortet weitere Planungsschritte und empfiehlt dem Landkreis, sich den Ergebnissen der Studie anzuschließen. In dem Beschluss heißt es: „Auf der Grundlage der fachlichen Bewertung der einzelnen Trassenalternativen soll anschließend auf Wunsch der Stadt Buchholz durch den Landkreis ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Die Verwaltung wird beauftragt, mit der Stadt Gespräche zur Kostenteilung für das dann anstehende Planverfahren aufzunehmen.“

Die Baukosten für die rund sechs Kilometer lange Kreisstraße liegen den Schätzungen der Straßenbauexperten nach zwischen 35 und 40 Millionen Euro. Umstritten ist nach wie vor, ob es sich bei der Umfahrung tatsächlich um eine Kreisstraße handelt oder aber um eine Erschließungsstraße für das Neubaugebiet „Buchholz 2025plus“. „Die Straße führt zu dem Neubaugebiet hin“, äußert Willy Klingenberg von den Freien Wählern seine Bedenken. „Ich bezweifle, dass es sich hier um eine Umgehungsstraße handelt, zumal die Notwendigkeit dafür nicht gegeben ist.“ Fakt ist, dass laut Berechnungen der Planer allein aus dem neuen Quartier rund 2000 Autofahrer täglich die Umfahrung nutzen werden. Insgesamt rechnen die Experten mit 10.000 Fahrten pro Tag.