Positive Bilanz

Unfallzahlen im Landkreis Harburg dank Corona gesunken

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Katy Krause
Dieser Verkehrsunfall auf der B75 in Tötensen (Landkreis Harburg) endete tödlich. Insgesamt sank die Zahl der tödlichen Unfälle 2020.

Dieser Verkehrsunfall auf der B75 in Tötensen (Landkreis Harburg) endete tödlich. Insgesamt sank die Zahl der tödlichen Unfälle 2020.

Foto: André Zand-Vakili

Statistik für 2020: Corona-Einschränkungen haben positiven Effekt. Warum Senioren und Jugendliche im Fokus der Polizei bleiben.

Buchholz. In der Regel läuft die jährliche Vorstellung der Unfallstatistik immer gleich ab. Bei steigender Zahl an Fahrzeugen, steigt auch zumeist immer die Zahl an Unfällen. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Auch die Unfallstatistik für 2020 im Landkreis Harburg. Denn im vergangenen Jahr erfasste die Polizei im Landkreis 5750 Verkehrsunfälle – und damit deutlich weniger als im Vorjahr. Um genau zu sein: 970 Unfälle weniger. Damit steht der Landkreis nicht allein da.

Die Entwicklung der Zahlen ist innerhalb der gesamten Polizeidirektion Lüneburg, zu der Harburg gehört, ähnlich. „Die mit der Pandemie verbundenen Bewegungseinschränkungen wirken sich auch auf die Verkehrsunfallzahlen im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Lüneburg aus. Insgesamt sind die Entwicklungen der Verkehrsunfallzahlen und der Verkehrsunfallfolgen erfreulich“, sagt Polizeipräsident Thomas Ring. Nun gelte es, sich weiterhin konsequent dafür einzusetzen, dass die Zahl der Verkehrsunfälle nachhaltig durch Maßnahmen der Verkehrssicherheit auf einem niedrigen Niveau bleiben.

Fünf Menschen starben bei Verkehrsunfällen im Landkreis Harburg

Doch so erfreulich der Rückgang an Unfällen ist, so unerfreulich ist, dass fünf Menschen dabei starben. 2019 waren es acht Opfer mehr. In drei Fällen kam es zu tödlichen Unfällen auf Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften. Zwei Menschen starben bei Unfällen innerhalb geschlossener Ortschaften.

Bei Asendorf kollidierte ein alkoholisierter Autofahrer mit einem entgegenkommenden Bus, bei Fliegenberg überquerte eine Pedelec-Fahrerin die K 22 und übersah einen herannahenden Transporter. In einem weiteren Fall verlor in Buchholz ein Pkw-Fahrer aufgrund eines Schwächeanfalls die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen kam auf den Gehweg, wo sich ein Fußgänger befand. Außerdem starben zwei Radfahrer ohne Beteiligung anderer Personen.

Mangelnder Abstand ist die häufigste Unfallursache in der Region

Insgesamt gab es laut Polizeistatistik 726 (Im Vergleich zu 2019: -144) Unfälle im Landkreis Harburg mit Personenschaden. Bei 619 (-107) Unfällen erlitten die Beteiligten leichte Verletzungen. Bei 102 (-29) Unfällen waren die Verletzungen schwer. Die Gesamtzahl der bei diesen Unfällen verletzten Personen ist auf 913 (-261) zurückgegangen.

Auf den Autobahnen im Zuständigkeitsbereich der Polizei Harburg kamen 2020 keine Personen ums Leben. Insgesamt wurden dort 785 (-204) Unfälle registriert. Sieben (-12) Beteiligte erlitten schwere Verletzungen. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit anschließender Fahrerflucht ist auf 1499 (-188) gesunken. In rund 45 Prozent der Fälle konnte die Polizei die Beteiligte ermitteln und die Straftat somit aufklären.

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Als häufigste Unfallursache wurde im Jahr 2020 mangelnder Abstand erfasst. Hier gab es insgesamt 478 Fälle. Als weitere häufige Ursache ist dann die ungemessene Geschwindigkeit der Grund für den Unfall. Diese spielte in 301 Fällen eine entscheidende Rolle. Mit einigem Abstand folgen Fehler beim Gewähren der Vorfahrt (258) oder beim Abbiegen (114). Alkohol am Steuer wurde bei 88 Unfällen im Spiel. Eine Beeinflussung durch Drogen oder Medikamente spielte in fünf Fällen eine Rolle.

Allgemein wurden im vergangenen Jahr wurden 311 (-108) Verfahren gegen Verkehrsteilnehmende eingeleitet, weil sie unter dem Einfluss von Alkohol waren. Fahrten unter Medikamenten- oder Drogeneinfluss wurden 188 (-159) Mal bei Kontrollen festgestellt. Zudem spielten Wildunfälle weiterhin im Landkreis eine große Rolle. Die Polizei registrierte 1209 solcher Unfall. Im Jahr 2019 waren es noch 1373.

Fahranfänger verursachen Dreiviertel der Unfälle, an denen sie beteiligt sind

Im Landkreis Harburg gibt es zwei Risikogruppen, die besonders häufig an Unfällen beteiligt sind. Nicht überraschend sind das einmal die jungen FahrerInnen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Sie waren an 883 Unfällen im Jahr 2020 beteiligt. In 667 Fällen waren sie auch die Unfallverursachenden. Rund Dreiviertel der Unfälle, an denen sie beteiligt waren, wurden also durch FahranfängerInnen verursacht. Sie haben aber nur rund sieben Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Dazu sagt Dirk Poppinga, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Harburg: „Die Risikogruppe der jungen FahranfängerInnen steht weiterhin im Fokus polizeilicher Präventionsarbeit.“ Pandemiebedingte Einschränkungen hätten allerdings dazu geführt, dass die bewährten Maßnahmen, wie das Fahrschul-, das Schutzengelprojekt oder auch Radfahrprüfungen an den Schulen, nur eingeschränkt organisiert werden konnten. „Die Präventionsarbeit wird aber fortgesetzt“, verspricht Poppinga.

Senioren fallen als besonders häufige Unfallverursacher auf

Die zweite Risikogruppe sind die älteren Verkehrsteilnehmenden ab 65 Jahren. Sie waren an 1148 Unfällen beteiligt. Das entspricht einem Anteil von circa 20 Prozent. In 78 Prozent der Fälle waren sie auch Hauptverursacher. Noch höher ist die Quote ab 75 Jahren. Aus dieser Altersgruppe waren im Jahr 2020 insgesamt 648 Personen an Unfällen beteiligt. Davon wurden sie in 519 Fällen als Verursacher identifiziert. Das entspricht sogar einem Anteil von mehr als 80 Prozent.

„Der Anteil von 20 Prozent am Unfallgeschehen entspricht zwar in etwa dem Anteil an der Gesamtbevölkerung“, sagt Frank Waldhaus, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Harburg. „Aber deutlich weniger ältere Menschen nehmen überhaupt noch aktiv am Straßenverkehr teil. Insofern ist ihre Quote bei der Beteiligung und erst recht bei den Unfallverursachenden auffällig hoch.“

Hinzukäme, dass Senioren mit zunehmendem Alter verstärkt Fahrräder und Pedelecs nutzten. Die deutlich schnelleren Räder sind für manchen Autofahrer und Nutzer schwer einzuschätzen. Verkehrssicherheitsberater Poppinga sagt: „Hier werden wir die Entwicklung weiter beobachten und unsere Präventionsmaßnahmen in Zukunft darauf abstimmen.“