Pandemie

So will Buchholz zur Corona-Modellregion werden

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Hanna Kastendieck
Schneller geht’s nicht: Sich im Auto testen zu lassen, wie hier zu sehen, soll auch in Buchholz vor dem Schwimmbad von heute an möglich sein.

Schneller geht’s nicht: Sich im Auto testen zu lassen, wie hier zu sehen, soll auch in Buchholz vor dem Schwimmbad von heute an möglich sein.

Foto: Thomas Frey / dpa

Unter anderem die umstrittene Luca-App soll der Kleinstadt im Landkreis Harburg zum Status als Modellprojekt verhelfen.

Buchholz. Die Corona-Testkapazitäten in Buchholz werden derzeit kräftig ausgebaut: Auf dem Parkplatz des Buchholzer Bades entsteht ein Drive-in-Testzentrum, in Sprötze wird ein Testpavillon auf dem Bahnhofsvorplatz aufgebaut, in Holm-Seppensen der Kulturbahnhof entsprechend ausgerüstet und auf dem Obi-Parkplatz im Fachmarktzentrum ein Test-Container aufgestellt. Das Angebot soll das stark geforderte Testzentrum in den Buchholzer Höfen deutlich entlasten.

Parallel arbeitet die Stadt daran, die Kontaktverfolgung in Buchholz zu digitalisieren. Das Ziel: Öffnungsperspektiven zu schaffen. „Wir werden in Buchholz die Luca-App einsetzen“, sagt Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. Hintergrund: Nach dem Vertragsabschluss zwischen dem Landkreis Harburg und dem App-Anbieter, steht Luca den Bürgern, Vereinen, Kulturschaffenden und Gewerbetreibenden im Landkreis kostenfrei zur Verfügung. Das Rathaus hat sich bereits registriert, will künftig den Check-in über die Luca-App ermöglichen.

Luca-App soll schnelle Kontaktnachverfolgung ermöglichen

Bürgermeister Röhse appelliert, dass möglichst viele Buchholzer Unternehmen, Arbeitgeber, Vereine sowie Bürger das System für die Kontaktdatenerfassung und -übermittlung nutzen. Die für Smartphones auf Android- und iOS-Basis kostenlos verfügbare App bietet eine schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung, erstellt automatisch eine persönliche Kontakt- und Besuchshistorie und ermögliche im Infektionsfall eine verschlüsselte und sichere Kontaktdatenübermittlung an die Stabsstelle Pandemie des Landkreises Harburg.

Für den Fall, dass jemand kein Smartphone nutzt, gibt es einen Schlüsselanhänger mit QR-Code. Um diesen zu personalisieren, müssen einmal die Daten per Luca-App mittels Smartphone oder Tablet oder über einen Browser am Computer aufgenommen werden. 2000 Anhänger hat die Stadt bestellt. Sie sollen Interessierten in teilnehmenden Geschäften und im Rathaus kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

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„Eines ist klar, weitere Öffnungen wird es zunächst nur mit einer klaren Teststrategie in Verbindung mit einer App-gestützten Kontaktverfolgung geben“, analysiert der Bürgermeister, der in Sachen Öffnungsstrategie im Austausch mit den Beteiligten aus Wirtschaft und Kultur steht. „Mit diesem Wissen hatte sich die Stadt auch beim niedersächsischen Modellprojekt zur Öffnung von Läden, Kultur und Außengastronomie beworben. Im ersten Auswahlverfahren ist Buchholz nicht berücksichtigt worden. „Es wird aber eine zweite Auswahlrunde geben, die wir nutzen wollen“, kündigt Röhse an. Die seit Ostern sinkende Sieben-Tages-Inzidenz könne, sofern der Trend anhält, der Stadt helfen, doch noch in die engere Auswahl zu kommen.

Bürgermeister hält an Bewerbung um Modelprojekt fest

Die Chancen beim zweiten Durchgang zum Zuge zu kommen, schätzt Röhse gleichwohl realistisch ein: Vor dem Hintergrund, dass das Land Niedersachsen eine faire, flächendeckende Verteilung der 25 Modellprojekte vornehmen wolle, bis auf Einbeck, Hildesheim, Hannoversch-Münden und Braunschweig aber alle Modellprojekte eher im Norden und Nordosten des Landes lägen, seien die „Erfolgsaussichten für Buchholz nicht sonderlich groß“, bilanziert der Bürgermeister, der weiterhin optimistisch nach vorn blickt. „Wir werden unsere Bewerbung zur Modellstadt aufrechterhalten und weiter an unserem Konzept arbeiten“, sagt er. Dies gelte auch für den Fall, dass die Stadt wieder nicht ausgewählt werde.

„Wir wollen die Voraussetzungen für weitere Öffnungsschritte erfüllen“, sagt Röhse. Dann sei die Stadt vorbereitet, falls eine weitere Runde ausgelobt werde oder Lockerungen im Anschluss an diese Phase möglich würden. Deshalb gelte es, die Test-Kapazitäten weiter auszubauen und die Luca-App in Buchholz zu etablieren. Röhse: „Damit können wir Handel, Gastronomie, Sport, Kino und Kultur sowie vielen anderen Einrichtungen endlich eine konkrete Perspektive bieten.“

So können sich Interessierte testen lassen

Das Drive-in-Zentrum – auch Fahrradfahrer und Fußgänger sind willkommen – am Buchholz Bad geht am Mittwoch, 14. April, 11 Uhr, an den Start. Betrieben wird es von Procomcure Biotech gemeinsam mit DLRG Buchholz, Blau Weiss Buchholz und den Stadtwerken. Das Zentrum ist künftig montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr, sonnabends und sonntags von 9 bis 15 geöffnet. Anmeldungen sind unter www.gemeinsam-gegen-covid19.com möglich. Kostenlose Covid-19-Tests werden außerdem auf dem Obi-Parkplatz im Fachmarktzentrum angeboten. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Der Test-Container ist montags bis sonnabends von 8 bis 20 Uhr in Betrieb.