Kooperation

Winsener Schule bietet Stadtgeschichte als neues Fach an

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Sebastian Merkel ist seit Anfang Dezember der neue Stadtarchivar in der Kreisstadt.

Sebastian Merkel ist seit Anfang Dezember der neue Stadtarchivar in der Kreisstadt.

Foto: Stadt Winsen

Ziel der Kooperation mit dem Archivar: Zehntklässlern „Gedächtnis der Stadt“ zu vermitteln. Historische Karten gesucht.

Winsen. Die Johann-Peter-Eckermann-Realschule in Winsen bietet vom kommenden Schuljahr an Stadtgeschichte als Wahlpflichtkurs. Das geht auf eine Idee der Geschichtslehrerin Kati Grewe und Schulleiter Andreas Neises zurück, die eine Zusammenarbeit mit dem neuen Stadtarchivar Sebastian Merkel vereinbart haben. Ziel: Schülern das „Gedächtnis der Stadt“, als das sich das Stadtarchiv bezeichnet, näher zu bringen.

Schüler des zehnten Jahrgangs, die diesen Kursus freiwillig wählen können, sollen sich auf Spurensuche in ihrer Stadt begeben. Im ersten Jahr der neuen Kooperation wird das Thema „Stadt Ansichten“ heißen. Dabei geht es um Postkarten, die von der Geschichte Winsens und ihren Menschen erzählen.

Ansichtskarten als Zeugen einer vergangenen Zeit

1869 in Österreich unter dem Namen „Korrespondenzkarte“ eingeführt, verbreitete sich das neue Format damals rasch. Die Welle der Begeisterung für diese Art des Grußes erreichte Deutschland und so auch Winsen. Insbesondere das kleine Format begeisterte Schreiber und Leser gleichermaßen. „Nicht nur die Ansichtsseiten sind Zeugen einer vergangenen Zeit“, so Stadtarchivar Merkel, „die viel über das Wirken einzelner Epochen in und um Winsen erzählen. Auch die Rückseitenberichte über Facetten des Alltages bis hin zu Schicksalen von Menschen sind es.“ Dabei sei es mitunter mühsam, die Handschriften zu entziffern.

Ein Wahlpflichtkurs eigne sich gut für die Kooperation, weiß Grewe, die Fachbereichsleiterin für Geschichte an der Realschule. So müsse man nicht einem strikten Lehrplan folgen, sondern habe in einem klassenübergreifenden Kurs die Möglichkeit, Geschichte zu entdecken. Forschend-entdeckendes Lernen orientiere sich oftmals an eigenen Fragen. „Es ist jene Form des Lernens, die Jugendliche intuitiv anwenden, bevor sie das Lernen lernen“.

Schüler erfahren auch etwas über Aufgaben eines Stadtarchivars

„Forschen“, so Grewe weiter, „beginnt mit einer Frage. Etwas weckt unsere Neugier und wir versuchen auf allen möglichen Wegen, Wissen zu generieren und Antworten zu finden. Ein Vorteil bei einem Wahlpflichtkurs ist es, dass Schüler autonomer arbeiten können.“ Die „WhatsApp“ der Kaiserzeit sind dabei auch Spiegelbild der Kulturgeschichte.

Doch der neue Kurs soll auch über einen Beruf berichten, der anders ist als viele der Berufsfelder, die Schüler kennenlernen. So steht der Beruf des Archivars im Fokus des Kurses. Wie und vor allen Dingen warum wird man Stadtarchivar? Hält ein Stadtarchivar besonders gut Ordnung? Wie legt man ein Archiv an und gibt es eine bestimmte Vorgehensweise? All diesen Fragen wird sich Winsens Stadtarchivar stellen müssen. Die Hauptaufgabe sei das Aufbewahren, Verzeichnen, Erhalten und der Forschung zur Verfügung stellen von Dokumenten, so Merkel.

Den Teilnehmern wird in dem Kurs ein Blick hinter die sonst verschlossenen Türen des Magazins, ein Blick in die Geschichte und Vergangenheit der Stadt Winsen gewährt. Vielleicht lagern auch interessante Postkarten aus vergangener Zeit auf Winsener Dachböden oder Speichern? Stadtarchivar Sebastian Merkel und die Schüler der Johann-Peter-Eckermann-Realschule sowie ihre Geschichtslehrerin Kati Grewe würden sich jedenfalls freuen, wenn ihnen weitere historische Quellen zugesandt würden.

( rz )