Nahverkehr

Wo bleiben die Fahrgäste fürs neue elbMOBIL?

| Lesedauer: 5 Minuten
Rolf Zamponi
Alexander Stelmaszewski ist Nutzer des elbMobils in Oldershausen.

Alexander Stelmaszewski ist Nutzer des elbMobils in Oldershausen.

Foto: Rolf Zamponi

Projektstart in der Elbmarsch eher verhalten. Corona schränkt Fahrten ein. In den kommenden Wochen wird über Zukunft gesprochen.

Kreis Harburg. Den Tipp erhielt Alexander Stelmaszewski von einem Arbeitskollegen. Der Lagerist, der im November mit seiner Frau und drei Kindern nach Oldershausen in die Elbmarsch gezogen war, muss von dort an jedem Arbeitstag zum Tiernahrungsproduzenten Tackenberg nach Winsen fahren. Dafür nutzt er nun das elbMOBIL, einen Bus der Stader KVG.

Der holt ihn an der kaum 100 Meter von seiner Wohnung entfernten Haltestelle Denkmal ab und bringt ihn bis zur Haltestelle am Unternehmen oder sogar direkt vors Tor. „Ich melde die Fahrt am Abend vorher telefonisch an, dann ist der Wagen pünktlich da“, erklärt Stelmaszewski. Der Zuschlag von einem Euro auf die Standard-Ticketkosten von 3,30 Euro ist für ihn gut angelegtes Geld. „Das Angebot ist für mich perfekt. Es sollten künftig mehr Menschen nutzen, die außerhalb in Dörfern wohnen.“

Digitale Mobilität der Zukunft wird in der Region Harburg erprobt

Die Kleinbusse des von dem 38-jährigen Familienvater gelobten elbMOBILs sind Mitte Dezember gestartet. Das Projekt ist Teil des Reallabors Hamburg (siehe Infokasten), bei dem mit elf verschiedenen Konzepten die digitale Mobilität der Zukunft in der Region erprobt werden soll. Fünf von der KVG gestellte Mercedes Sprinter werden zunächst bis zum Jahresende innerhalb der Samtgemeinde Elbmarsch und zur Kreisstadt Winsen unterwegs sein. Koordinator der Projektes Nummer 5 unter dem Titel „Shuttle-on-Demand für den ländlichen Raum“ ist die Harburger Wirtschafts- und Regionalentwicklungsgesellschaft Süderelbe AG.

Das Bundes-Verkehrsministerium fördert den vorausschauenden Blick auf den Verkehr der Zukunft unter Realbedingungen mit 1,48 Millionen Euro. Deshalb bleibt die Zuzahlung auf einen Euro begrenzt. Die Fahrten, die werktags von fünf Uhr morgens an gebucht werden können, führen von Bus-Haltestellen zu Zielen der Fahrgäste oder verbinden zwei Haltepunkte und ergänzen so den öffentlichen Nahverkehr. Mit einer von der Bahn-Tochter ioki entwickelten App oder telefonisch können sich die Nutzer anmelden.

Die Süderelbe AG hat nun nach gut drei Monaten erste Erfahrungen aus der Praxis des elbMOBILs vorgelegt. Sie stützen sich auf die Bestellungen über die App. Danach schätzen die Kunden vor allem die Flexibilität, weil sie sich nicht an Fahrpläne halten müssen. Der Start war dennoch verhalten. Waren im Januar 173 Fahrgäste eingestiegen, konnte die Zahl im Februar mit 359 Fahrgästen aber immerhin verdoppelt werden. „Im März ging der Trend weiter nach oben“, sagt Süderelbe-Sprecherin Monika Gabler. Als Grund für die steigenden Zahlen gelten jetzt auch Fahrten zum Impfzentrum in Winsen.

Lesen Sie auch:

Am häufigsten wird der Bahnhof in Winsen angefahren. Das hat die Annahme der Projektplaner bestätigt, dass die fünf Busse für jeweils acht Personen als Zubringer zum Öffentlichen Personennahverkehr genutzt werden. Allerdings müssen alle Zahlen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie interpretiert werden, während der durch Homeoffice und ausfallende Fahrten zu Freizeitzielen deutlich weniger Menschen unterwegs sind. Ende Februar hatten sich 512 Personen die elbMOBIL-App heruntergeladen, unter ihnen waren 307 aktive Nutzer.

Die Tendenz der Nutzer ist steigend, aber nicht ausreichend

Nach oben entwickelt hat sich die Zahl der Telefonbuchungen. Waren es im Januar 18 Prozent, wurden im Februar 22 Prozent erreicht. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Gabler. „Das deutet ebenfalls darauf hin, dass viele ältere Nutzer telefonisch die Fahrt zum Impfen buchen.“ „Das elbMOBIL wird in der Pandemie nicht nur von Berufspendlern immer besser angenommen, sondern auch für Fahrten ins Impfzentrum nach Winsen genutzt“, sieht Landrat Rainer Rempe die Lage optimistisch. „Wir können so durch das bundesgeförderte Forschungsprojekt Erkenntnisse gewinnen, wie der öffentliche Personennahverkehr im Landkreis Harburg künftig gestaltet werden kann.“

Erste Gespräche über die Zukunft sollen in den kommenden Wochen aufgenommen werden. Denn nach zunächst fünf und im Februar 20 Fahrgästen pro Tag hofft Verkehrsplanerin Claudia Wacker in Stade darauf, dass Impf-Fahrgäste der KVG auch für andere Strecken erhalten bleiben und mehr Menschen wieder in ihrer Freizeit unterwegs sind. „Bislang aber“, stellt sie fest, „geht etwa das Interesse in den Nächten vor arbeitsfreien oder Feiertagen, an denen das Angebot sogar bis zwei Uhr morgens reicht, gegen Null.“ Abhilfe könnte ein zusätzliches Angebot von Fahrten innerhalb der Kreisstadt bringen. Weil in der Stadt und in den Ortsteilen sechs Anruf-Sammeltaxis unterwegs sind, hat die KVG, die auch hier beteiligt ist, bislang davon abgesehen. Die einzelnen Relationen müssten abgestimmt werden.

Im Mai oder Juni soll es nun darum gehen, ob das elbMOBIL auch über das Jahresende hinaus fahren soll. „Wir werden mit dem Landkreis Harburg über ein zukünftiges Geschäftsmodell sprechen. Dabei geht es um die Höhe der Förderung für das Angebot, die sich der Landkreis vorstellen kann“, macht Wacker deutlich. Denn bei der KVG ist klar: „Nur wenn die Zahl der Fahrgäste auf mindestens 40 pro Tag steigt, kann das Mobil annähernd wirtschaftlich betrieben werden.