Corona-Pandemie

Dritte Welle im Landkreis: Harburg plant Einschränkungen

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Hanna Kastendieck und Frank Ilse
Niedersachsen will seine Teststrategie deutlich ausweiten, vor allem in Schulen und Kitas. Auch ein zentrales Melderegister soll her.

Niedersachsen will seine Teststrategie deutlich ausweiten, vor allem in Schulen und Kitas. Auch ein zentrales Melderegister soll her.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Im Unterschied zu Hamburg waren die Corona-Zahlen südlich der Elbe lange niedriger. Doch nun muss auch hier gehandelt werden.

Winsen/Hannover.  Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Niedersachsen steigt seit einigen Tagen wieder kontinuierlich an. Auch im Landkreis Harburg steht die Inzidenzampel seit Mittwoch auf Rot. Heißt, die 7-Tages-Inzidenz liegt über 100. Sollte dieser Wert auch am Freitag erneut überschritten sein, muss die Kreisverwaltung das Kreisgebiet per Allgemeinverfügung erneut zur Hochinzidenzkommune erklären.

„Angesichts der weiter hohen Infektionszahlen und der Sieben-Tage-Inzidenz gibt es gemäß Landesvorgabe dann keine andere Möglichkeit als erneut Beschränkungen einzuführen“, sagt Kreissprecherin Katja Bendig. „Es werden dann weitestgehend wieder die Vorgaben gelten, die vor dem 7. März gültig waren.“

Infektionsschutz: Einzelhandel muss wieder schließen

Heißt: Zusammenkünfte im öffentlichen und privaten Raum sind wieder auf einen Hausstand und eine weitere Person beschränkt, wobei Kinder im Alter bis einschließlich sechs Jahren nicht eingerechnet werden. Die genannten Beschränkungen im privaten Bereich gelten auch für die Ausübung von kontaktfreiem Sport. Er ist nur im Freien erlaubt, zudem ist Mannschaftssport untersagt. Auch für die Ladengeschäfte geht es zurück in den harten Lockdown. Sie müssen erneut schließen. Bisher zulässige Click und Meet-Konzepte dürfen nicht mehr umgesetzt werden. Click und Collect bleibt dagegen erlaubt. Weiterhin möglich sind aber Bemusterungs- und Anprobetermine nach vorheriger Terminvereinbarung durch einen Kunden und eine Begleitperson.

Museen, Ausstellungen und Galerien werden erneut schließen müssen. Zoos und Tierparks in Niedersachsen jedoch dürfen geöffnet bleiben. Das hatte das Oberverwaltungsgericht entschieden und die Verordnung in diesem Punkt außer Kraft gesetzt ist – auch wenn die Zoos in einem Landkreis mit einer Inzidenz über 100 liegen.

Kitas im Landkreis Harburg sind erneut betroffen

Betroffen aber sind erneut die Kindertagesstätten, die ihren Betrieb vom Szenario B, dem eingeschränkten Regelbetrieb, auf eine Notbetreuung reduzieren müssen. Diese Regelung gilt ab Montag und zwar solange, bis der Schwellenwert von 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten ist. Sinkt die 7-Tages-Inzidenz im Landkreis Harburg an sieben aufeinander folgenden Tagen wieder auf unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und ist diese Unterschreitung nach Einschätzung des Landkreis Harburg von Dauer, entfallen die Beschränkungen für Hochinzidenzkommunen wieder und es gelten die Regeln der Corona-Verordnung vom 7. März.

Nach den Osterferien soll verstärkt getestet werden

Die Schulen gehen jetzt erst einmal in die Osterferien. Danach will das Land Niedersachsen nach den Worten von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Testungen der Schülerinnen und Schüler sowie des schulischen Personals auf zweimal pro Woche hochfahren. „Die Kapazitäten werden derzeit entsprechend erweitert, auf bisher elf Millionen Test-Kits. Nach den Osterferien ist auch die Testwoche ausgewertet und das Verfahren optimiert“, sagte der Minister gestern in Hannover.

„Auch im Kita-Bereich werden wir nachlegen und den rund 80.000 Beschäftigten zwei Tests pro Woche anbieten, um das bestehende Testangebot zu verstetigen und zu erweitern. Entsprechende Gespräche mit den Trägerverbänden als Arbeitgeber werden wir zeitnah aufnehmen. Auch hier gilt, dass mehr Tests mehr Sicherheit bedeuten – und mehr Sicherheit bedeutet, dass mehr inhaltliche Angebote gemacht werden können“, sagte Tonne, der zugleich den Bund aufforderte, beim Impfen alle Lehrkräfte in der Priorisierung nach oben zu setzen.

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Die Corona-Teststrategie wird in Niedersachsen derweil weiter vorangetrieben. Mehr als 1850 Arztpraxen, rund 500 Apotheken sowie kommunale und private Testzentren bieten inzwischen Tests an, teilte das Gesundheitsministerium mit. Auch karitative Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände seien mit dem Aufbau beschäftigt. Dazu kämen Tests in Schulen, Betrieben sowie die schon länger verpflichtenden Tests in Altenheimen und der Fleischindustrie.

Zentrales Melderegister für die Testzentren ist geplant

Die Hoffnung ist, mit einem besseren Bild über die tatsächliche Infektionslage lokale, vorsichtige Öffnungen in der Übergangszeit bis zu einer höheren Impfabdeckung möglich zu machen. Noch liegen keine repräsentativen Daten zur Nutzung der Tests und zum Umfang positiver Fälle vor.

Aktuell wird eine Meldeplattform geschaffen, mit der Ministerium und Landesgesundheitsamt die Nutzung des Testangebots täglich erfassen und das Infektionsgeschehen analysieren können. Automatisch erfasst werden aber nur die Daten der Testzentren – bei Arztpraxen bestehe keine Meldepflicht, aber die Bereitschaft der freiwilligen Meldung, erklärte das Ministerium. Positive Testergebnisse müssen auf jeden Fall immer den Gesundheitsämtern gemeldet werden.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) rief die Wirtschaft auf, die geforderten Testmöglichkeiten für Beschäftigte zu schaffen. „Wir werden die Betriebe mit Nachdruck auffordern, dieser Verpflichtung nachzukommen und Testmöglichkeiten zeitnah einzurichten“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Wir setzen hier auf die Unternehmen, die auf den Betrieb angepasst und angemessene Testungen vornehmen, und werden beobachten, ob diese Selbstverpflichtung greift.“

Die vielerorts bisher stockende Impfkampagne will Niedersachsen auch an den Osterfeiertagen vorantreiben. „Wir haben die kommunalen Impfzentren angewiesen und darum gebeten, auch über die Feiertage weiter zu impfen“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Wie viele Impfungen es tatsächlich geben kann, hänge weiterhin von der Menge der verfügbaren Impfstoffe ab.