Kriminalstatistik

Aufklärung: Lüneburger Polizei ist landesweit an der Spitze

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Rolf Zamponi
Dank der akribischen Arbeit der Polizei verbessert sich die Aufklärungsquote bei Einbrüchen in Niedersachsen.

Dank der akribischen Arbeit der Polizei verbessert sich die Aufklärungsquote bei Einbrüchen in Niedersachsen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Beamte haben höchste Quote in Niedersachsen. Warum Cyberkriminalität und Sexualdelikte ihnen aber zunehmend Kopfzerbrechen bereiten.

Kreis Harburg. Die Polizei in der Direktion Lüneburg hat 2020 mit 66,82 Prozent die höchste Aufklärungsquote in Niedersachsen erzielt. Die Diebstähle aus Wohnungen waren stark rückläufig und gingen im Jahresvergleich von 1940 auf 1385 zurück. Allerdings stieg die Gesamt-Fallzahl von 73.975 auf 74.076. Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte blieb auf fast gleich hohem Niveau, nach 579 Angriffen 2019 waren es 2020 insgesamt 571. Das entspricht immerhin zwei Fällen pro Tag.

Diese Zahlen gehen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die die Polizei im Nordosten Niedersachsens jetzt vorgelegt hat. Die Polizeidirektion Lüneburg erfasst alle Straftaten in den Landkreisen Celle, Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Rotenburg, Stade und Uelzen. Gezählt werden die im Kalenderjahr von der Polizei an die Strafverfolgungsbehörden abgegebenen Vorgänge. Landesweit lag die Aufklärungsquote bei 64,28 Prozent.

Cyberkriminalität um 40 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen

Mit 6160 Fällen hat sich die Cyberkriminalität 2020 um mehr als 40 Prozent gegenüber der Vorjahreszahl (4200 Fälle) erhöht. Hier wirke sich die stärkere Nutzung der Dateninfrastruktur im Homeoffice und der Internethandel aus, teilte die Polizeidirektion mit. Dabei konnte die Aufklärungsquote um mehr als 4,5 Prozentpunkte auf 88,54 Prozent gesteigert werden. Die im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets verbundenen Fälle des Warenkreditbetruges nahmen beispielsweise von 1567 auf 2279 Fälle zu. Eine weitere Zunahme gab es bei der Verbreitung von Kinderpornografie über das Internet an Jugendliche unter 18 Jahren von 17 auf 250 Fälle.

Polizeipräsident Thomas Ring appelliert an die Bürger: „Halten Sie Ihren Virenschutz aktuell. Benutzen Sie sichere Passwörter und führen Sie in regelmäßigen Abständen Backups durch. Nur ein sensibler Umgang im Internet schützt Sie und Ihr Unternehmen gegen den Angriff von Cyberkriminellen.“

Immer mehr tätliche Angriffe auf Helfer und Polizei

Aus der Statistik geht weiter hervor, dass es bei den Delikten Widerstand, tätlicher Angriff, Körperverletzung und Bedrohung zu einem Anstieg gekommen ist. Die Anzahl der betroffenen Beamten erhöht sich von 1187 auf 1293. „Die Angriffe auf die Kollegen von Polizei, Rettungskräften und Feuerwehr sind zum Teil schwere Straftaten und müssen konsequent verfolgt werden“, fordert Ring.

Neben dem flächendeckenden Einsatz von Bodycams in allen Polizeiinspektionen verweist der Polizeipräsident auf sechs neu eingestellte Intelofficer, die Informationen für das Einsatzgeschehen in Echtzeit beschaffen und die Einsatzkräfte auf den Straßen bestmöglich auf die Einsätze vorbereiten.

Hoher Anstieg bei Sexualdelikten

Bei den Sexualdelikten gab es ebenfalls einen hohen Anstieg um mehr als 30 Prozent auf 1710 Taten (2019: 1294). Die stärksten Zuwächse stellte die Polizei bei der Verbreitung pornografischer Schriften im Internet fest. Hier gab es bei der Bezugsgruppe an Personen unter 18 Jahren die stärkste Zunahme von 42 auf 268 Fälle. Dieses sei mit der Verbreitung in Klassengruppen zu erklären.

Den größten Rückgang verzeichnet die Polizeidirektion Lüneburg dagegen bei den Diebstählen, der zahlenmäßig größten Gruppe von Delikten. Sie sind insgesamt um 3245 auf 21.055 (2019: 24.300) zurückgegangen. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Bereich jedoch nur bei 28,74 Prozent (2019: 26,13 Prozent). „Die deutlich rückläufigen Zahlen im Bereich Wohnungseinbruchdiebstahl sind äußerst erfreulich. Die intensive und akribische Einsatz-, Ermittlungs- und Präventionsarbeit der vergangenen Jahre zeigt ebenso Wirkung wie die corona-bedingte, unfreiwillig vermehrte Anwesenheit der Bürger in den eigenen vier Wänden“, bilanziert Ring.

Sein Fazit: „Die Bürger leben im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg in einer sicheren Region. Bei einer leicht erhöhten Gesamtzahl von Straftaten freuen wir uns zum wiederholten Male über eine Steigerung der Aufklärungsquote und haben sogar landesweit die höchste Aufklärungsquote erreicht.“

Rekord bei der Aufklärungsquote im Kreis Stade

Einen Rekord bei der Aufklärungsquote meldet auch Polizeioberrat Jan Kurzer, der seit Juli den Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Stade leitet. Die Quote beträgt für den Kreis, der zur Polizeidirektion Lüneburg zählt, 66,49 Prozent und ist damit im Landkreis Stade die beste aller Zeiten.