Corona-Pandemie

Politiker fordern Raumluftfilter für Seevetaler Schulen

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Lena Thiele
In dieser Oldenburger Schule wird ein mobiles Luftfiltergerät eingesetzt. Auch in Seevetal gibt es Überlegungen, solche Geräte anzuschaffen.

In dieser Oldenburger Schule wird ein mobiles Luftfiltergerät eingesetzt. Auch in Seevetal gibt es Überlegungen, solche Geräte anzuschaffen.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / picture alliance/dpa

Grüne, Linke und Freie Wähler wollen den Infektionsschutz auch in Kitas verbessern. Was gegen die Pläne spricht und was dafür.

Hittfeld. Angesichts steigender Infektionszahlen droht Deutschland in eine dritte Welle der Corona-Pandemie zu geraten. Gleichzeitig sollen Schulen und Kitas so lange wie möglich offen gehalten werden. Dass dies nur mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen machbar ist, darüber herrscht im Kreis der Ministerpräsidenten weitgehend Einigkeit. Ob Filtergeräte in diesem Zuge sinnvoll sind, darüber wird in vielen Gemeinden derzeit diskutiert.

Mehrere Gruppen im Seevetaler Rat setzen sich dafür ein, die Schulen und Kitas in der Gemeinde mit solchen Raumluftfiltern auszustatten. Wegen des Auftretens immer neuer Mutanten des Coronavirus sei ein Ende der Pandemie – trotz Impfungen – derzeit nicht in Sicht, sagt Willy Klingenberg. Er ist Vorsitzender der Freien Wähler, die gemeinsam mit den Unabhängigen eine Gruppe im Rat bilden.

Hygienekonzept für die Zukunft entwickeln

Auch für die Zukunft müsse die Gemeinde vorbereitet sein. „Der Lockdown und die strengen Quarantäneregeln führen zu Problemlagen, die unser gesamtes gesellschaftliches Leben bedrohen. Maßnahmen mit einer derartigen Tragweite werden wir uns künftig nicht mehr auferlegen können“, ist sich Klingenberg sicher. „Wir benötigen deshalb Hygienekonzepte, die uns in die Lage versetzen, den Schul- und Kitabetrieb auch während einer pandemischen Lage aufrechtzuerhalten.“

Das Tragen von Masken und regelmäßiges Lüften sei zwar durchaus sinnvoll, aber nicht ausreichend, so der Fraktionschef. Masken könnten zu locker sitzen und die Wirkung durchs Lüften sei stark von den Raumbedingungen abhängig. Mit fest installierten Anlagen zum Filtern der Raumluft könne die Übertragung durch Aerosole deutlich besser reduziert werden. Solche Profi-Geräte könnten zudem künftig auch vor Grippeviren schützen.

Schulen und Kitas mit elektronischen Mitteln aufrüsten

Natürlich müssten direkte Kontakte auch bei Nutzung dieser Filteranlagen weitestgehend vermieden werden, betont Klingenberg. „Durch die zusätzliche, konsequente Einhaltung der AHA-Regeln, soweit das möglich ist, kann aber die Virusübertragung sicher verhindert werden.“ Das sehen die Grünen und Linken im Rat ähnlich. „Es ist Zeit, Schulen und Kitas mit elektronischen Mitteln aufzurüsten und so die Ansteckungsgefahr zu minimieren“, sagt Joachim Kotteck, Vize-Chef der Gruppe.

Die Verwaltung der Gemeinde Seevetal bremst jedoch die Erwartungen, die mit den Geräte verbunden werden. Sie beruft sich auf einen Bericht des Umweltbundesamts. Die Wirksamkeit mobiler Luftreinigungsgeräte hänge nicht nur von der jeweiligen Technik, sondern auch vom Aufstellungsort und den Gegebenheiten im jeweiligen Raum ab. Der Nutzen sei bislang nicht nachgewiesen, sie sollten daher lediglich als Ergänzung zum regelmäßigen Lüften gesehen werden. Auch das Niedersächsische Landesgesundheitsamt empfiehlt, vorrangig darauf zu setzen, regelmäßig über weit geöffnete Fenster zu lüften. Nur für Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden können, sollte ein Raumluftfilter in Betracht gezogen werden.

Ausrüstung wäre mit erheblichen Kosten verbunden

Darüber hinaus wäre eine flächendeckende Ausstattung der Räume in Schulen und Kitas laut Verwaltung mit erheblichen Kosten verbunden. So müssen rund 200 Räume jeweils mit einem Gerät im Wert von etwa 3000 Euro pro Stück versehen werden. Insgesamt bedeute dies eine Investition in Höhe von 600.000 Euro. Hinzu kämen die Kosten für die Wartung, den Betrieb und gegebenenfalls notwendige Umbauten in den Gebäuden.

Ein entsprechendes Förderprogramm gibt es nach Angaben der Verwaltung derzeit nicht. Die 29.000 Euro, die die Gemeinde vom Land Niedersachsen für die Ausstattung der Schulen mit Schutzausrüstung erhalten hat, sind bereits vollständig ausgegeben worden, unter anderem für Mund-Nasen-Bedeckungen und Spuckschutzwände.

Am heutigen Donnerstag entscheiden die Mitglieder des Gemeinderats über die Anträge. Ihre Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Burg Seevetal, Am Göhlenbach in Hittfeld.