Engagement

Dieser Verein möchte Buchholz zur Fahrradstadt machen

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Hanna Kastendieck
Der Verein möchte auch die Kinder zum Radfahren animieren und hat auch spezielle Veranstaltungen dafür ins Leben gerufen. Dabei geht es auch um sicheres Radfahren.

Der Verein möchte auch die Kinder zum Radfahren animieren und hat auch spezielle Veranstaltungen dafür ins Leben gerufen. Dabei geht es auch um sicheres Radfahren.

Foto: privat/HA

Seit 2016 engagiert sich „Buchholz fährt Rad“ für bessere Bedingungen für Radfahrer. Das haben sie erreicht und das sind ihre Pläne.

Buchholz. Wenn Dirk Bürger und Peter Eckhoff drei Wünsche frei hätten, sie würden den dänischen Architekten Jan Gehl für die Stadtplanung nach Buchholz holen und ihn damit beauftragen, Plätz, Straßen, ganze Viertel zum Wohle der Bewohner umzugestalten.

Und zwar so, dass sich die Menschen so viel wie möglich bewegen – mit dem Fahrrad. Sie würden ihn bitten, grüne Wellen für Radfahrer zu schalten, Rad-Stellplätze zu schaffen und die Radwege auf mindestens 2,20 Meter zu verbreitern. Sie würden sich einen Fahrradbeauftragten wünschen, der sich um die Instandhaltung der Radfahrstreifen kümmert und eine Stadtverwaltung, die bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um das Radfahren in Buchholz attraktiver zu machen.

Doch da es Wunschfeen und Flaschengeister bekanntlich nur im Märchen gibt, haben sich die beiden Buchholzer vor genau fünf Jahren gemeinsam mit vielen aktiven Radfahrern in der Nordheidestadt zu einer Initiative zusammengeschlossen, um die Erfüllung ihrer Wünsche selbst voranzutreiben. Aus der Initiative „Buchholz fährt Rad“ ist inzwischen ein Verein geworden. Dessen 136 Mitglieder setzen sich für die Förderung des Radverkehrs und die Verbreitung der Nutzung von Fahrrädern aller Art als umweltfreundliches Transport- und Fortbewegungsmittel ein.

Zahlreiche Projekte auf die Beine gestellt

„In den vergangenen fünf Jahren haben wir eine Menge Projekte auf die Beine gestellt“, sagt Gründungsmitglied Peter Eckhoff. „Wir haben nicht nur viele Bürger gewonnen, sondern auch die Stadtverwaltung sowie andere Kommunen von unseren Ideen überzeugen können.“ So gebe es inzwischen nach Buchholzer Vorbild auch in Stade und Buxtehude Vereine mit gleichem Ziel: das Radfahren in der Stadt attraktiver zu machen.

Ideen gibt es viele. So veranstaltet der Verein zum Beispiel gemeinsam mit der Verwaltung einmal im Jahr das „Stadtradeln“, bei dem möglichst viele Bürger der Stadt drei Wochen lang vom Auto auf’s Rad umsteigen und gemeinsam so viele Kilometer wie möglich erfahren sollen. Im vergangenen Jahr erradelten auf diese Weise 1267 Buchholzer innerhalb von 21 Tagen 247.500 Kilometer und sorgten damit für eine CO2-Ersparnis von 36 Tonnen.

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Eine weitere Aktion, um die Bürger der Stadt für das Radfahren zu begeistern, ist das Lastenrad-Projekt „Heidschnucke“. Es ermöglicht einen kostenfreien Zugang zu Lastenrädern. Die Idee: Der Verein stellt Lastenräder zur Verfügung, die über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert werden. Die Lastenräder können an verschiedenen Orten in Buchholz ausgeliehen werden. Um das Radfahren in der Stadt bequemer zu machen, hat der Verein zudem dafür gesorgt, dass im Stadtgebiet inzwischen an sechs Orten öffentliche Luftpumpen für Fahrräder aufgestellt worden sind. Und er hat Hinweisschilder montieren lassen, die ein sicheres Radfahren ermöglichen sollen.

„Wir wollen mit unseren Aktivitäten die Freude am Radfahren vermitteln und die Menschen ermutigen, die Dinge des Alltags mit dem Fahrrad zu erledigen“, sagt Peter Eckhoff. „Wir wollen aber auch einen Beitrag dazu leisten, Verwaltung und Politik darauf aufmerksam zu machen, dass noch vieles getan werden muss, um aus Buchholz eine fahrradfreundliche Stadt zu machen.“

Verein organisiert Schokofahrt nach Holland

Dazu holte der Verein Veranstaltungen wie die „Kidical Mass“ nach Buchholz, bei der Kinder gemeinsam mit dem Rad auf den Straßen durch die City fahren und auf ihren Drahteseln für mehr Raum für die kommende Generation demonstrieren. Oder den „PARK(ing)- Day“, an dem Parkplätze kurzfristig umgewidmet und einer anderen Nutzung wie der als grüne Oase, als Gastronomie- und Sitzfläche, Fahrradabstellfläche usw. zugeführt werden. Auch die Schokofahrt, bei der im Sommer mit dem Lastenrad emissionsfrei Schokolade aus Holland nach Buchholz transportiert wird, hat einen politischen Hintergrund. Mit der Aktion soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Transport auch ohne CO2-Ausstoß möglich ist.

Peter Eckhoff und seine Mitstreiter sind davon überzeugt, dass so gut wie alles mit dem Fahrrad geht: der Weg zur Arbeit, der Großeinkauf, der Transport von Menschen mit Handicap, das Reisen durch Europa, der Paketdienst und sogar ein gemeinsamer Kinoabend. Für den Sommer plant der Verein das erste „Fahrrad-Kino“ in Buchholz. Die mobile Leinwand soll auf dem Rad transportiert und an verschiedenen Orten unter freiem Himmel aufgestellt werden.

Wie weit der Weg allerdings noch bis zur fahrradfreundlichen Kommune ist, zeigt die jüngste ADFC-Umfrage. Dort erreichte Buchholz beim Fahrradklima-Ranking Platz 246 von 415 Städten, Note 4. „Kein Wunder“, sagt Eckhoff. „Kommunen geben normalerweise drei bis fünf Euro pro Einwohner für den Radverkehr aus. In Buchholz sind es 1,25 Euro.“ Und in Kopenhagen? 35,60 Euro.

So funktioniert der ADFC-Fahrradklimatest

Beim ADFC-Fahrradklimatest haben rund 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer im Herbst 2020 per Online-Umfrage über die Fahrradfreundlichkeit ihrer Städte abgestimmt. Das sind rund 60.000 mehr als 2018.

Bewertet wurden 1024 Städte und Gemeinden. Ihre Bewertungen sind ernüchternd: Die Fahrradfreundlichkeit liegt, wie 2018, bei der Note 3,9. Damit hat sich das Radklima in Deutschland nicht verändert und ist weiter nur ausreichend. Der negative Langzeittrend bei Spaß, Sicherheitsgefühl, Konflikte mit Kfz und Breite und Oberfläche der Radwege hält an.

Bei den Kommunen mit 20.000-50.000 Einwohnern liegt Buxtehude auf Platz 235, Winsen auf 235 und Buchholz auf 246.

Lastenräder leihen, so geht's:

  • Das Projekt Heidschnucke bietet die unentgeltliche Ausleihe von Lastenrädern in Buchholz an.
  • Auf der Homepage können sich Nutzer für eine Ausleihe registrieren. Die Angaben müssen mit denen auf dem Personalausweis übereinstimmen.
  • Zur Auswahl stehen eine E-Bike- Rikscha zum Transport von maximal zwei Personen, E-Lastenräder mit Reichweiten bis zu 65 km und Ladebox für zwei Kinder, E-Lastenräder mit Ladebox für größere Einkäufe und ein Spezial-Lastenrad zur Mitnahme von Rollstuhlfahrern samt Rollstuhl.
  • Aktuell ist der Verleih Corona-bedingt nicht erlaubt. Weitere Infos: www.lastenrad-buchholz.de