Pandemie

Niedersachsen rät von Tagesausflügen zu Ostern ab

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Lena Thiele
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident in Niedersachsen, trägt einen Mundschutz.

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident in Niedersachsen, trägt einen Mundschutz.

Ministerpräsident Stephan Weil will Tagesausflüge nicht verbieten – warnt aber davor, zu Ostern Urlaub zu planen.

Landkreis Harburg.  Gerade erst hatten die Wildparks im Landkreis Harburg nach Monaten im Lockdown am 8. März ihre Tore wieder für angemeldete Besucher geöffnet. Nun steht erneut eine Einschränkung bevor. Nach den jüngsten Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern sollen die Menschen von Gründonnerstag bis Ostermontag – sonst beliebte Ausflugstage – möglichst zu Hause bleiben. Niedersachsen muss den Beschluss per Verordnung umsetzen, der konkrete Inhalt wird voraussichtlich am Sonnabend bekannt gegeben.

Man habe nicht die Absicht, Tagesausflüge in Niedersachsen zu verbieten, sagt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei einer Pressekonferenz am Dienstag. „Aber es handelt sich um einen dringenden Appell an die Menschen im Land, sich an diesen fünf Tagen nach Möglichkeit zu Hause aufzuhalten.“

"Ruhezeit über Ostern" hilft dabei, Zeit zu gewinnen

Weil, der sich vor dem Treffen noch für bestimmte Lockerungen im Tourismus eingesetzt hatte, sprach von einer „Ruhezeit über Ostern“, die zum Aufbau eines Testregimes genutzt werde.

„Wir verlangen den Menschen jetzt noch einmal viel ab. Aber wir haben damit die Chance, den dynamischen Anstieg der Fallzahlen zu durchbrechen, Zeit zu gewinnen und durch intensive Testangebote schrittweise zu mehr Normalität zurückzukehren.“

Tierparks müssen nicht zwangsläufig schließen

Die Schließung von Tierparks und Zoos ist mit dem Beschluss nicht zwangsläufig verbunden. Weil verwies auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg. Demnach ist eine Schließung der Parks bei einer Inzidenz über 100 nicht erforderlich. Der Richter begründete dies mit dem vergleichsweise geringen Infektionsrisiko bei Aufenthalten im Freien. Freizeitparks sind aufgrund der Warteschlangen an den Fahrgeschäften ausgenommen.

Unabhängig von der neuen Verordnung des Landes könnten auch steigende Infektionszahlen im Landkreis erneute Einschränkungen erforderlich machen. Sobald der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt, könnte der Landkreis per eigener Allgemeinverfügung die Notbremse ziehen. „Dann gelten wieder schärfere Maßnahmen“, sagt Sprecherin Katja Bendig.

Tourismusbranche kritisiert Mallorca-Reisen

Der bis zum 18. April verlängerte und über Ostern verschärfte Lockdown trifft die gesamte Tourismusbranche in der Region. „Es ist uns nach wie vor völlig unverständlich, dass man Mallorca-Urlaub machen darf und die gleichen Bedingungen innerhalb Deutschlands nicht gelten“, sagt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH.

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Man könne die Anreise mit dem Auto und den kontaktlosen Check-in in eine Ferienwohnung viel sicherer gestalten, als eine Fluganreise mit Bustransfer in ein Hotel auf Mallorca. Auch die erforderlichen Testungen hätte man akzeptiert. Von dem Bruch kritisiert, dass es noch immer keine Perspektive für die Tourismusbranche gebe. „Es geht uns nicht um Öffnen um jeden Preis, es geht uns um gleiche Chancen.“

"Oster-Auszeit" mit Urlaub nicht vereinbar

Rund um Ostern soll vom 1. bis zum 5. April ein generelles Ansammlungsverbot gelten. Die Mobilität soll deutlich eingeschränkt werden, der Gründonnerstag wurde zum Ruhetag erklärt. Nur am Sonnabend hat der Lebensmitteleinzelhandel geöffnet. Die erlaubten Kontakte sind auf zwei Haushalten mit zusammen fünf Personen beschränkt, Kinder sind dabei ausgenommen.

Diese „Oster-Auszeit“ sei mit Osterurlaub nicht vereinbar, sagte Ministerpräsident Weil. Die Mallorca-Entscheidung sei ein „schwerer Fehler“. Auch auf einen niedersächsischen Sonderweg, um Urlaub im eigenen Bundesland zu ermöglichen, habe man verzichtet. „Wir haben einen kurzen harten Shutdown beschlossen, um die Dynamik aus der Welle rauszunehmen.“ Nach Ostern solle die regelmäßige Testung möglichst vieler Menschen den Weg zurück in eine Normalität ermöglichen.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).