Corona-Pandemie

Behörden auf Schnelltests in Harburg kaum vorbereitet

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Angelika Hillmer
Wird es auch im Bezirk eine Station für Schnelltests geben? Noch ist nichts konkret.

Wird es auch im Bezirk eine Station für Schnelltests geben? Noch ist nichts konkret.

Foto: Thomas Frey / dpa

Hamburg hat 27 Teststandorte benannt – keiner davon liegt im Bezirk Harburg. Weder im Landkreis noch im Bezirk gibt es einen Überblick.

Harburg.  Seit gestern sollen sich alle Bürgerinnen und Bürgern einmal pro Woche kostenlos mit einem Antigen-Schnelltest auf eine Infektion mit dem Corona-Virus testen lassen können, so haben es Bund und Länder beschlossen. Hamburg hat bereits 27 Teststandorte benannt – keiner davon liegt im Bezirk Harburg. Weder im Landkreis noch im Bezirk gibt es derzeit einen Überblick, wo und ab welchem Zeitpunkt die Bürger sich testen lassen können. Offenbar lässt die Einlösung des politischen Versprechens noch auf sich warten.

Die versprochenen Schnelltests sind nicht zu verwechseln mit den Selbsttests, die zum Beispiel Aldi-Filialen am Sonnabend einige Minuten lang angeboten hatten, bevor sie ausverkauft waren. Solche Fünf-Euro-Tests dienen nur der persönlichen Orientierung und könnten helfen, infizierte Personen ausfindig zu machen. Dagegen werden die vom Bund bezahlten Schnelltests von geschultem Personal durchgeführt, in Testzentren, Apotheken oder Arztpraxen. Wer negativ getestet wurde, erhält eine Bescheinigung. Nach weiteren Öffnungsschritten sollen solche zertifizierten Schnelltests zum Beispiel den Besuch von Konzerten, Theatern und Restaurants ermöglichen.

Infrastruktur im Aufbau

Doch noch befindet sich die dafür nötige Infrastruktur im Aufbau. Für den Bezirk Harburg sind noch keine Testzentren in Sicht. Bezirkssprecher Dennis Imhäuser verweist grundsätzlich auf die Zuständigkeit der Sozialbehörde, betont aber: „Die am Sonnabend veröffentlichte Liste ist eine vorläufige und wird mit neuen Angeboten aktualisiert. Es sind auch Standorte südlich der Elbe vorgesehen. Die Liste wird entsprechend ergänzt und veröffentlicht werden.“ Auch im Landkreis Harburg gibt es noch keine konkreten Aussagen. Der Landkreis und die Kommunen haben erst gestern eine Arbeitsgruppe gebildet, um Testzentren aufzubauen.

„Leider hat das Land es versäumt, sich rechtzeitig Gedanken über die Rahmenbedingungen für die Einrichtungen der Testmöglichkeiten zu machen, so dass es jetzt einen enormen Kraftakt für uns bedeutet, die notwendige Infrastruktur aus dem Boden zu stampfen“, sagt Landrat Rainer Rempe. Gemeinsam mit den Kommunen soll schnellstmöglich geklärt werden, wie das kostenlose Testangebot sichergestellt werden kann. Unter der Regie des Landkreises sollen heute alle wesentlichen Schritte organisiert werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass so schnell wie möglich kreisweit Testangebote zur Verfügung stehen“, versichert Rempe.

Apotheke in Harburg steht kurz vor der Umsetzung

Ebenfalls klärungsbedürftig ist die Teilnahme der Apotheken am Testgeschehen. Zwei Apotheken in Heimfeld und Neugraben, die bislang ausschließlich medizinisches Personal getestet haben, wollen ihren Service wohl ausweiten. „Derzeit ist uns nur eine Apotheke in Harburg bekannt, die bereits Corona-Antigenschnelltests im Auftrag des Landes durchführt. Eine weitere Apotheke in Harburg steht kurz vor der Umsetzung. Wie viele es noch werden, ist derzeit nicht absehbar“, sagt Ena Meyer-Bürck, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Hamburg. Auch einige Apotheken im Landkreis wollen die Schnelltests anbieten. Zum Teil fehlen ihnen dazu die Tests. Zudem sollten nach Aussage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände die Testkunden von der anderen Kundschaft getrennt werden, und das erfordert eine besondere Wegeführung in den Apotheken.

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Welche niedergelassenen Ärzte im Landkreis Tests vornehmen werden und ob die Praxen überhaupt als Anlaufpunkte öffentlich genannt werden, wird sich wahrscheinlich frühestens im Laufe dieser Woche herauskristallisieren. „Wir haben am Freitagnachmittag und Sonnabendvormittag alle niedersächsischen Arztpraxen angeschrieben und sie aufgefordert, sich zu melden, wenn sie die Schnelltests anbieten wollen“, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. „Wir werden in dieser Woche die Rückmeldungen sammeln und dann voraussichtlich eine Liste der beteiligten Praxen herausgeben. Das geht aber nur, wenn sich viele Ärzte beteiligen. Sonst würde eine Veröffentlichung einen Ansturm auf einige wenige Praxen auslösen, der auf Kosten der anderen Patienten ginge.“

Der Landkreis Harburg kündigte gestern an, die Adressen, an denen kostenlose Schnelltest angeboten werden, auf seiner Internet-Homepage, über die Sozialen Medien sowie unter www.schnelltest.landkreis-harburg.de veröffentlichen zu wollen. Die Infoseite sei bereits eingerichtet und werde im Laufe der kommenden Tage mit allen notwendigen Angaben gefüllt. Zudem sollen alle positiven Testergebnisse an die zentrale E-Mail-Adresse schnelltest@lkharburg.de gemeldet werden. „Die Betroffenen bekommen dann umgehend einen PCR-Test, um das Ergebnis zu überprüfen und gegebenenfalls Quarantänemaßnahmen einleiten und Kontaktpersonen ermitteln zu können“, sagt Sebastian Schaper, Leiter der Stabsstelle Pandemie.