Lüneburg

Kleingärten sind in der Corona-Krise gefragt wie nie

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Jan-Eric Lindner
Elias, Finn, Saskia und Liam füttern Hühner auf dem Gelände des Kleingartenvereins Ilmenau. In der Corona-Krise hat das Interesse am Kleingarten stark zugenommen.

Elias, Finn, Saskia und Liam füttern Hühner auf dem Gelände des Kleingartenvereins Ilmenau. In der Corona-Krise hat das Interesse am Kleingarten stark zugenommen.

Foto: Philipp Schulze / dpa

„Das steigt rasant“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Gartenfreunde, Joachim Roemer.

Lüneburg/Landkreis Harburg.  In der Corona-Krise hat das Interesse am Kleingarten stark zugenommen. Vor allem in den Städten ist die Nachfrage groß. Jetzt im Frühjahr entdecken besonders viele Menschen den Laubenpieper in sich - auch immer mehr jüngere.

Nicht nur in Hamburg, auch im nördlichen Niedersachsen steigt die Nachfrage laut Verbänden deutlich an. „Das steigt überall rasant“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Gartenfreunde, Joachim Roemer. „Das gute Wetter führt dazu, dass es noch einmal einen Schub gibt.“ Wartelisten gebe es allerdings selten, man wolle die Menschen nicht immer wieder vertrösten und enttäuschen. In Städten wie Lüneburg gebe es in 16 Kleingartenvereinen kaum noch freie Parzellen, berichtete Roemer. Das sei in anderen Städten im Land ähnlich.

In den vergangenen Jahren wüssten zunehmend junge Familien mit Kindern einen Kleingarten sehr zu schätzen, um den Kleinen etwa zu zeigen, wie eine Möhre wächst. Auch das Image der Anlagen habe sich gewandelt: „Früher hatte man die Vorstände im Unterhemd mit dem Zollstock in der Hand vor seinem Auge, jetzt wandelt sich das, es wird viel positiver darüber berichtet“, meinte Roemer.

Preiswerter als beispielsweise Campingplätze

Parzellen seien preiswerter als beispielsweise Campingplätze. In Lüneburg koste ein Grundstück mit 400 Quadratmetern nur 60 Euro pro Jahr – hinzu kommen Vereinsbeitrag und Versicherung. Und die soziale Verpflichtung, den Garten in Schuss zu halten. Sonst werde man von den Vereinen darauf aufmerksam gemacht. Wegen der Durchmischung der Kleingärten mit jungen Familien gebe es neue Probleme wie die Abstimmung über Trampoline oder Swimmingpools „Das ist wie auf einem Dorf, man muss mit der Nachbarschaft auskommen.“

Wer sich für eine Parzelle interessiert, dem empfiehlt auch Heinz Krech aus Lüneburg durch eine Anlage zu spazieren und angeschlossene Spielplätze zu nutzen. „Ich könnte noch an 50 weitere Bewerber vermieten“, erzählt der Vorsitzende vom Kleingärtnerverein Ilmenau mit 114 Parzellen. Immer wieder gäben ältere Gartenfreunde ihre Grundstücke auf. So hätte sich allein in den vergangenen drei Jahren in der Siedlung die Zahl der Kinder von 20 auf 40 verdoppelt.

65.000 Kleingärten in Niedersachsen

Mit ihrem siebenjährigen Sohn buddelt und gräbt Chantal Otto (31) seit fast einem Jahr auf ihrem „eigenen“ Stückchen Land. „Ich hatte Glück, eine Bekannte war schon hier und nach ein paar Monaten hat es geklappt“, erzählt die Pflegefachkraft. Sie sieht die viele Arbeit als Hobby und Abwechslung zu ihrem Beruf. „Es beruhigt ja auch.“ Unternehmensberater Jean Hinz plant, im Frühjahr viel Zeit mit seiner Frau und den drei Mädchen in der Natur zu verbringen. „Ich habe mir grad einen Wlan-Hotspot einrichten lassen und freue mich schon auf die schönen Tage“, sagt der Familienvater aus Lüneburg.

Statistiken des Landwirtschaftsministeriums in Hannover gehen von mehr als 65.000 Kleingärten nach dem Bundeskleingartengesetz in Niedersachsen aus. Sie sind in Vereinen, Bezirks- und Landesverbänden organisiert.