Tipps für die Sicherheit

Start der Motorradsaison – wie sich Profis vorbereiten

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Axel Tiedemann
Die Motorradstaffel sichert eine Unfallstelle auf der Autobahn ab.

Die Motorradstaffel sichert eine Unfallstelle auf der Autobahn ab.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Die Motorradstaffel der Johanniter-Unfallhilfe fährt bald wieder Streifendienste auf den Landkreis-Autobahnen.

Landkreis Harburg.  Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühjahres zieht es nun wieder die Motorradfahrer auf die Straßen. Auch erste, schwere Zweirad-Unfälle musste die Polizei im Landkreis bereits aufnehmen. Vielfahrer wie der Leiter der in Meckelfeld stationierten Motorradstaffel der Johanniter-Unfallhilfe Dieter Steege warnen daher davor, nach der langen Winterpause gleich ohne Vorbereitung in den Sattel zu steigen und dann so zu fahren wie noch am Ende der Saison. „Man muss sich erst wieder an das sichere Handling gewöhnen“, sagt Steege, der sich mit seiner Staffel nun auch auf die neue Saison vorbereitet, wie er sagt.

Jedes Jahr absolvieren die Staffelmitglieder beispielsweise zum Saisonbeginn ein Fahrsicherheits-Training: Balancegefühl, Schräglage-Reserven mit der richtigen Lenktechnik, Auswirkungen von Vorder- und Hinterrad-Bremse auf trockener und nasser Fahrbahn– so etwas wird dabei trainiert. Wann soll man ausweichen, wann bremsen, was bringt ABS? ¬ Auch das sind Fragen, die bei solchen Trainings ebenfalls immer wieder behandelt werden.

Die ersten Tage einer neuen Saison sollte man zudem auf eher abseits gelegenen, ruhigen Straßen unterwegs sein, um wieder „das Gefühl“ für die Maschine zu bekommen. „Man muss auch wissen, dass im Frühjahr die Straßenverhältnisse oft noch nicht so sind, wie sie es für eine sichere Fahrt sein sollten“, sagt Steege. Dreck oder Streumittel lägen oft noch auf der Fahrbahn und nicht selten ist es auch noch sehr kalt, was den „Grip“ der Reifen mindere.

Mindestens 30.000 Kilometer Fahrpraxis sind Bedingung für die Streife

Das Beherzigen solcher Ratschläge scheint ratsam zu sein: Seit ihrer Gründung 1995 musste die Harburger Johanniter-Motorradstaffel lediglich einen leichteren Eigenunfall selbst verzeichnen. Womöglich liegt das aber auch an Voraussetzungen für diese ehrenamtliche Aufgabe. Mindestens 30.000 Kilometer Fahrpraxis sollte man schon haben und fünf Jahre den entsprechenden Führerschein besitzen, wenn man bei den Johannitern mitfahren will. „Junge Heißsporne können wir nicht gebrauchen, das geht bei uns ab 25, 30 Jahren erst los“, sagt Steege, der mit 72 Jahren der älteste der sechs ehrenamtlichen Staffelmitglieder ist, die aber durchaus noch Verstärkung suchen. „Man kann so sein Hobby mit ehrenamtlicher Hilfe verbinden“, sagt der frühere Feuerwehrbeamte.

So war es auch bei ihm. Das Ehrenamt mit dem Hobby zu verknüpfen – das erschien auch ihm vor einigen Jahren als sinnvolle Idee. Nach längerer Pause war er im mittleren Alter da gerade wieder aufs Motorrad gestiegen und hatte sich einen englischen Klassiker angeschafft, der heute noch in Indien gebaut wird: Eine solche Royal Enfield fährt er noch immer privat. Um 2008 ist er dann bei einem Tankstopp, wie er erzählt, mit dem damaligen Staffelleiter ins Gespräch gekommen und seitdem dabei. Seit 2013 ist Steege nun selbst Staffelleiter.

Motorradstaffel sichert auch große Sportveranstaltungen

Dabei hat sich das Aufgabenbild dieer Motorradgruppe immer weiter ausgedehnt: 1995 galt die Harburger Gruppe noch als Vorreiter bei den Hilfsdiensten, später kamen im Land mehr Staffeln dazu. Mit ihren schweren, aber eben auch im Vergleich zum Auto sehr beweglichen BMW-Motorrädern können sie gerade auf der Autobahn schneller als andere zur Stelle sein. „Die Staffeln war zunächst vor allem Stauhelfer auf den Autobahnen“, sagt Steege. Handys waren noch nicht sehr verbreitet und Menschen im Stau dankbar, wenn es von den Stauhelfern bei Hitze nicht nur etwas zum Trinken, sondern auch gute Infos zur Verkehrssituation gab.

Heute sichert die Motorradstaffel auch große Sportveranstaltungen oder, natürlich, den berühmten Hamburger Motorrad-Gottesdienst. Eine wesentliche Aufgabe ist mittlerweile aber vor allem die Hilfe bei Pannen und Unfällen. Die Staffelmitglieder haben daher oft eine Ausbildung als Ersthelfer oder sogar Rettungssanitäter. „Wir überbrücken die Zeit, bis der Rettungswagen eintrifft“, sagt Steege. Auch hier ist es wieder der Vorteil der schnellen, beweglichen Fahrzeuge, der für den Einsatz von Motorrädern spricht.

Beim Streifendienst wird das gesamte Netz zweimal abgefahren

Von Frühjahr bis zum Herbst fährt die Staffel dazu regelrechte Streifendienste, wobei Haupteinsatz-Gebiet das rund 250-Kilometer lange Autobahnnetz im Landkreis ist. Meist am Wochenende und vor allem während der Urlaubszeit sind die Mitglieder dann oft unterwegs. Zweimal wird bei solchen Streifendiensten das Netz abgefahren: Gut 500 Kilometer ist dann ein Johanniter-Motorradfahrer am Ende des Tages im Sattel gewesen – und kann sich damit ohne Zweifel als Routinier in Sachen Motorradfahren bezeichnen. „Trotzdem“, sagt Steege, ein „Sicherheitstraining- das ist bei uns jedes Jahr neu Pflicht.“

Das alljährlich für alle Motorradfahrer angebotene Fahrsicherheitstraining zum Saisonbeginn der Johanniter-Unfallhilfe in Zusammenarbeit mit der Polizei Seevetal, fällt in diesem Jahr zwar aller Voraussicht nach coronabedingt aus. Doch im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Hansa bei Lüneburg werden ebenfalls eine Reihe von Motorrad-Seminaren angeboten. Ob bereits am kommenden Montag gestartet werden kann, sei noch offen, hieß es dort. Geplant wird aber ab Ende März. Infos über Angebote und Buchungsmöglichkeiten im Internet: www.fsz-hansa.de