Neu Wulmstorf

Investor plant Seniorenpark an der Lutherkirche

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Axel Tiedemann
Das für Zeven geplante Pflegeheim gilt als Referenzobjekt für die Planung am Kirchberg in Neu Wulmstorf

Das für Zeven geplante Pflegeheim gilt als Referenzobjekt für die Planung am Kirchberg in Neu Wulmstorf

Foto: PGN Architekten & Ingenieure / PGN

Wir könnten damit ein Problem für Neu Wulmstorf lösen und einen Mehrwert für die Gemeinde schaffen“, sagt der Investor

Neu Wulmstorf. Vor etwa sechs Jahren fühlte eine Erbengemeinschaft zum ersten Mal bei der Kommunalpolitik vor, um auf dem etwa 14.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück an der Neu Wulmstorfer Lutherkirche Wohngebäude zu bauen. Und auch der neue Investor plante für das Areal eigentlich Mietwohnungen und Reihenhäuser. Doch Norbert Behrens, Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord (PGN), stieß mit diesem Entwurf im Juni nach gut zwei Jahren der Planung und Diskussion auf eine überraschende Missbilligung der SPD-Gemeinderatsfraktion. Die Kirchengemeinde sei zu wenig beteiligt worden. Und überhaupt gefalle die einheitliche Reihenhausbebauung am prägnanten Ortseingang so nicht, krittelten SPD-Politiker.

Wegen der Corona-Pandemie kam das Projekt dann zunächst nicht weiter, hinter den Kulissen liefen aber weiter Gespräche und jetzt bahnt sich eine Lösung an, die in der Neu Wulmstorfer Kommunalpolitik offenbar auf breite Zustimmung stößt – und eine völlige Neuplanung vorsieht. Statt Reihenhäusern könnte dort nun eine Art Seniorenpark gebaut werden. „Wir könnten damit ein Problem für Neu Wulmstorf lösen und einen Mehrwert für die Gemeinde schaffen“, sagt Investor Behrens.

Das neue Konzept sieht nun den Bau eines Seniorenpflegeheimes mit etwa 120 Plätzen vor. Dazu kommen noch etwa 50 Wohnungen in anderen Gebäuden, die seniorengerecht gebaut werden. Künftige Bewohner könnten dann Dienstleistungen aus dem Pflegeheim dazu buchen, beispielsweise spezielle Tagespflegedienste.

Betreiber ist bereits an Bord

Und eines der Gebäude mit etwa 18 Wohnungen soll, so der derzeitige Plan, günstige Wohnungen für Heim-Mitarbeiter bieten. Dieses Haus soll als Bauherren-Gemeinschaft von jüngeren PGN-Mitarbeitern finanziert werden, die mit Eigenleistungen als Architekten oder Bauleiter Kosten sparen könnten. „Wir wollen den jüngeren Kollegen und Kolleginnen so eine Möglichkeit der zusätzlichen Altersversorgung schaffen“, sagt Behrens, der mit dem Harburger Unternehmen Senectus GmbH auch bereits einen Betreiber an Bord geholt hat, mit dem seine PGN schon in Kaltenkirchen eine Seniorenresidenz realisiert hat.

Die überraschende Kehrtwende bei der Planung des markanten Grundstücks an der Wulmstorfer Straße gründet sich dabei offensichtlich auf einen konkreten Bedarf. So gab es in der Gemeinde einmal drei Pflegeheime, inzwischen sind es zwei. Wobei aber das Haus am Marktplatz im Dezember Schlagzeilen machte, weil es der Betreiber zum Frühsommer aufgeben will.

„Von der Idee eines neuen Pflegeheimes waren wir sofort begeistert“

Entsprechend wird die neue Planung von der Kommunalpolitik begrüßt, nachdem sie Investor Behrens in den vergangenen Tagen den Fraktionen vorgestellt hat: In der kommenden Woche soll dann schon über eine dazu notwendige Änderung des Planrechts im zuständigen Bauausschuss beraten werden.

„Von der Idee eines neuen Pflegeheimes waren wir sofort begeistert“, sagt etwa der CDU-Politiker und designierte Bürgermeisterkandidat Thomas Wilde. Natürlich gebe es noch „Stellschrauben“ am Projekt, bei denen der letzte Schliff noch nicht erreicht sei. „Grundsätzlich wollen wir das Projekt sehr positiv begleiten“, so Wilde.

Auch bei der SPD gibt es Zustimmung – wenn auch mit einigen Einschränkungen. „Wir können uns einen solchen Mix gut vorstellen“, sagt Fraktionschef Tobias Handtke, der wie CDU-Politiker Wilde im Herbst um das Bürgermeisteramt im Ort kandidieren will. Der Bedarf für ein solches Projekt sei vorhanden und es passe auch zur Kirche, so Handtke, der aber auch auf einen Antrag der SPD dazu verweist, der noch ein ganzes Bündel von Forderungen an den Investor formuliert: So zum Beispiel eine Mietpreisbindung, eine Gestaltung mit Klinkerfassaden, eine zentrale Wärmeversorgung oder auch den Erhalt von möglichst vielen Bäumen sowie ein „Sichtfenster“ auf die Lutherkirche.

„Das begrünte Umfeld der Lutherkirche darf aus unserer Sicht nur einer Bebauung weichen, wenn daraus für die Menschen ein sozialer Nutzen entsteht. Die Kirche muss sichtbar bleiben. Das Umfeld der Kirche hat für uns und viele Menschen, die hier leben eine hohe Bedeutung und darf auch aus diesem Grund keine Fläche für reines Wachstum sein,“ sagt SPD-Bauexperte Thomas Grambow, der die Idee einer Tagespflege in die festgefahrene Diskussion gebracht hatte, nachdem seine Fraktion (ohne seine Stimme) das Reihenhaus-Konzept im Sommer plötzlich abgelehnt hatte.

Auch bei der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) stößt der neue Vorschlag für den Kirchberg auf Zustimmung. „Das ist ein gutes Konzept“, sagt UWG-Fraktionschef Jan Lüdemann, der allerdings die vielen Forderungen der SPD dazu an den Investor scharf kritisiert: „Das macht das Bauen am Ende nur viel teurer und damit auch die Mieten“, sagt er.